Keine Patentlösungen Zukunft der Pflege Thema bei Hilteraner Kolpingfamilie

Von Petra Ropers

Eine engagierte Diskussion um die Zukunft der Pflege führten Martin Thomsen von der Gruppe „Pflege am Boden“, Hubert Albers vom Kolpingwerk, Landtagsabgeordneter Martin Bäumer, Moderator Andre Balkenhohl, Silvia Wesselmeier vom Kastanienhof und Dirk Kache von der Barmer GEK (von links). Foto: Petra RopersEine engagierte Diskussion um die Zukunft der Pflege führten Martin Thomsen von der Gruppe „Pflege am Boden“, Hubert Albers vom Kolpingwerk, Landtagsabgeordneter Martin Bäumer, Moderator Andre Balkenhohl, Silvia Wesselmeier vom Kastanienhof und Dirk Kache von der Barmer GEK (von links). Foto: Petra Ropers

Hilter. Überlastete Pflegekräfte, unzureichende finanzielle Mittel, fehlender Nachwuchs bei gleichzeitig wachsendem Bedarf: Der Pflegenotstand ist vielerorts längst da. Und er wird sich weiter verschärfen. „Wohin geht die Reise?“ fragte deshalb die Kolpingfamilie Wellendorf bei einer Podiumsdiskussion im Karl-Leisner-Haus.

Unter der Moderation von Andre Balkenhohl wollten die Kolpinger einen Blick in die Zukunft der Pflege werfen. Zu wenige Personalstellen für den Pflegebereich in Seniorenheimen und Krankenhäusern, Berufsflucht von Fachkräften, eine Ausbildung, die wegen geringer Verdienstmöglichkeiten bei gleichzeitig hoher Arbeitsbelastung unattraktiv ist: „Die Zukunft sieht zappenduster aus“, mahnte Martin Thomsen von der Gruppe „Pflege am Boden“.

Ein Blick durch den Veranstaltungsraum im Karl-Leisner-Haus bot ihm deutliches Anschauungsmaterial: „Wir sind etwa 50 Personen heute Abend. Im Altenheim wäre für uns alle eine examinierte Fachkraft zur Nachtbetreuung zuständig.“ Mit konkreten Zahlen wartete der Landtagsabgeordnete Martin Bäumer auf. „Bis zum Jahr 2020 brauchen wir allein in Niedersachsen 25000 zusätzliche Pflegekräfte – und das in einer Zeit, in der die jungen Leute sich aussuchen können, welchen Beruf sie ergreifen.“

Die Konsequenz ist für Bäumer klar: Mehr Geld für und weniger Bürokratie in der Pflege ist erforderlich, um den Beruf attraktiv zu machen. „Es ist schwierig, Personal für den Pflegeberuf zu bekommen“, räumte auch Silvia Wesselmeier vom Hilteraner Seniorenheim Kastanienhof ein. Aber die Pflege am Boden? „So sehe ich das nicht!“ Gespräche mit den Bewohnern zeigten, dass die meisten von ihnen zufrieden seien. Wohngruppenmodelle, wie sie nicht nur im Kastanienhof verwirklicht wurden, tragen dazu nicht unwesentlich bei.

Fehlende Personalstellen einerseits und die mangelnde Bereitschaft in der Gesellschaft, sie zu refinanzieren, bleiben dennoch ein Problem. Und auch der Leitsatz „ambulant vor stationär“ bietet keinen Ausweg. Denn der demografische Wandel und mit ihm die Umkehr der Alterspyramide drohen das System bereits zu kippen, wenn die jetzt pflegenden geburtenstarken Jahrgänge selbst pflegebedürftig werden. „Die Angehörigen pflegen sich zu Tode und werden zum Dank dafür auch noch mit Altersarmut belohnt“, kam zudem deutliche Kritik aus den Reihen der Zuhörer.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer deshalb mit Hubert Albers, ehemaliger Diözesanvorsitzender des Kolpingwerkes, in seiner Forderung nach einer – auch finanziellen – Aufwertung der häuslichen Pflege. Scheitert die Zukunft der Pflege wirklich am Geld? „Das Geld ist da, aber an den falschen Stellen – nämlich bei den Aktien und den Profiten“, kam Widerspruch aus dem Publikum.

Eine einfache Lösung war auch nach zweistündiger, intensiver Diskussion nicht in Sicht. Fest steht nur: Die Zukunft der Pflege geht alle an. Die Mahnung von Dirk Kache von der Barmer GEK gilt deshalb über den Abend hinaus: „Jeder sollte sich fragen, wo er einen kleinen Beitrag leisten kann, damit die Welt von morgen ein bisschen besser wird.“