Tagebuch-Notizen aus Sierra Leone Wie Ebola die Arbeit im Kinderkrankenhaus verändert

Von Anne Spielmeyer


Hilter. Ole Hengelbrock (26) aus Borgloh arbeitet seit gut einem Jahr für die Hilfsorganisation „Cap Anamur“ in Sierra Leone – als Sozialarbeiter, Mediator, Organisator. Im Moment dreht sich sein Alltag vor allem um das gefährliche Virus Ebola. Auf noz.de gibt er Lebenszeichen aus Freetown.

Wie sieht die Arbeit im Kinderkrankenhaus von Cap Anamur momentan aus?

Ole schreibt: Cap Anamur unterstützt das Ola During Children Hospital bereits seit den 90er Jahren. Nach dem Bürgerkrieg lag die medizinische Versorgung ebenso wie die Infrastruktur am Boden. Durch akute Nothilfe und kontinuierliche Unterstützung von Cap Anamur konnte das einzige Kinderkrankenhaus des Landes renoviert und die aktive medizinische Arbeit wieder aufgenommen werden.

Ebola war schneller als die Prävention

Das Gesundheitssystem erfüllt generell nicht alle Standards. Die Entwicklung des 200-Betten-Krankenhauses ist bis ins Jahr 2014 aber eine Erfolgsgeschichte. Dann kamen die ersten Ebola-Meldungen aus dem Osten des Landes. Noch ehe präventive Bedenken von den lokalen Entscheidungsträgern Gehör fanden, schlich Ebola nach Freetown.

Hohe Sterblichkeitsrate

Das Verheerende: 80 bis 90 Prozent der Kinder kommen mit Ebola-gleichen Symptomen ins Krankenhaus. Das bedeutet: Pro Tag müssen etwa 30 Neuaufnahmen als Verdachtsfälle behandelt werden, ehe ein Labortest Klarheit schafft. Dieser logistischen Herausforderung wurde kaum nachgekommen, sodass die medizinische Arbeit auf ein Minimum reduziert werden musste. Fallzahlen erzählen keine menschlichen Tragödien.

Doch wenn man sich bewusst wird, dass die Sterblichkeitsrate von Unter-Fünfjährigen in Sierra Leone bereits vor dieser Epidemie eine der höchsten der Welt war, kann man das Ausmaß nur als humane Katastrophe skizzieren. Es ist unerträglich, schwerkranken Menschen keine klinische Behandlung anbieten zu können.

Zurzeit müssen unsere Mediziner Antworten auf Fragen finden, die zuvor nie gestellt wurden. Cap Anamur ist auf gutem Wege eine Antwort zu finden, damit das Krankenhaus wieder vollen Betrieb aufnehmen kann.


Laut WHO haben sich bis Ende August mehr als 3700 Menschen mit dem hochgefährlichen Ebola-Virus. Etwa 1850 Menschen seien bereits an der Krankheit gestorben.

Die Senkung der Todesraten von Ebola-Patienten muss nach Einschätzung des Mediziners René Gottschalk oberste Priorität im Kampf gegen die Seuche sein. „Man kann solche Situationen relativ gut beherrschen, wenn man eine gute Intensivmedizin macht“, sagte der Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochansteckende und lebensbedrohliche Krankheiten beim Robert-Koch-Institut der „Frankfurter Rundschau“. Doch das könne Afrika nicht leisten. „Diesen Ländern ist nur noch von außen zu helfen.“