Rechtzeitig Reißleine ziehen "Davon wussten wir nichts": Hilteraner Reaktionen nach Hungertod von 300 Schweinen

Hier verendeten 300 Schweine. Der Pächter der Hofstelle hatte das selbst angezeigt.Hier verendeten 300 Schweine. Der Pächter der Hofstelle hatte das selbst angezeigt.
Stefanie Adomeit

Hilter. 300 Schweine sind auf einem Bauernhof in Natrup-Hilter qualvoll verhungert. So reagieren Bürgermeister Marc Schewski und der Landvolk-Vorsitzende Henning Schulte-Uffelage auf den Vorfall.

Henning Schulte-Uffelage ist der Vorsitzende des kleinen Hilteraner Landvolk-Ortsverbandes und selbst Schweinehalter. Von dem Vorfall in Natrup hatte er am Donnerstag noch nichts gehört. Deshalb könne er zu diesem speziellen Fall auch nichts sagen. 

Unendliches Leid

Grundsätzlich aber seien solche Vorfälle "ganz schlimm. Das tut mir wahnsinnig leid, weil es unendliches Tierleid bedeutet, meistens aber auch unendliches Leid der Menschen". Es müsse viel passieren, bis ein Landwirt seine Tiere so verwahrlosen lässt. "Das ist bitter."

Natürlich sei es nicht zu entschuldigen, 300 Tiere qualvoll verhungern zu lassen. "Da muss man rechtzeitig die Reißleine ziehen, damit es nicht zum Schlimmsten kommt", findet Henning Schulte-Uffelage. 

Archiv/Petra Ropers
Bürgermeister Marc Schewski

Keine Anzeichen

"Davon wussten wir nichts. Es gab keinerlei Anzeichen", sagte auch Hilters Bürgermeister Marc Schewski am Donnerstag auf NOZ-Anfrage zu dem furchtbaren Tod der 300 Schweine. Wenn es auch nur den kleinsten Hinweis auf tierschutzrechtliche Verstöße auf der Hofstelle gegeben hätte, wäre die Stadt selbstverständlich aktiv geworden.

Sprachlos und entsetzt sei er, bekannte der Bürgermeister. Jetzt sei es an der Staatsanwaltschaft, die Vorgänge auf dem Bauernhof aufzuklären und gegebenenfalls zu ahnden. 

Nur drei Schweine überlebten

Am Donnerstag hatte der Landkreis Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt, dass auf dem Hof im Ortsteil Natrup 300 Schweine verendet waren. Die Tiere sind verhungert, haben sich am Ende gegenseitig gefressen.

Stefanie Adomeit

Der Landkreis war aktiv geworden, nachdem der betroffene Landwirt eine Selbstanzeige erstattet hatte. Daraufhin rückte das Veterinäramt aus, rettete die drei überlebenden Schweine und ließ die Kadaver der übrigen 300 Tiere abtransportieren. Der Stall wurde gereinigt und desinfiziert. 

Verbot der Schweinehaltung

Gegen den Landwirt verhängten die Veterinäre ein Schweinehaltungsverbot. Der Vorgang soll jetzt an die Staatsanwaltschaft übergeben werden.

Wie der Landkreis Osnabrück auf Anfrage erklärte, werden Schweinehalter nur selten von den Amtsveterinären kontrolliert: "Das geschieht in der Regel nur anlassbezogen", sagte Sprecher Burkhard Riepenhoff unserer Redaktion. Einen Anlass für eine Kontrolle der Tierhaltung auf dem Natruper Hof habe es demnach zuvor nicht gegeben.


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