100 Jahre SPD Als Hilter ein bisschen rot wurde

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hält am Samstag die Festansprache. Foto: dpa/Bernd ThissenDer ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hält am Samstag die Festansprache. Foto: dpa/Bernd Thissen

Hilter. Unterlagen sind zwar kaum noch vorhanden, aber so viel steht fest: 1919 gründeten Hermann Rodefeld und Heinrich Varwig in Hilter einen SPD-Ortsverein. Am Samstag, 21. September, feiern die Hilteraner Sozialdemokraten ab 11 Uhr im evangelischen Gemeindehaus ihr 100-jähriges Bestehen. Die Festansprache hält Franz Müntefering.

Wie genau es zur Gründung kam, was die Sozialdemokraten in den ersten Jahren bewegte, all das ist weitgehend im Dunkel der Geschichte verschwunden: „Aus der Zeit von 1919 bis 1933 sind keine Unterlagen mehr auffindbar“, bedauert die heutige Vorsitzende Ruth Albers. Vermutlich wurden Protokolle und sonstige Dokumente nach der Machtübernahme Hitlers vernichtet oder gingen verloren. 

Deutlich besser sieht es für die Zeit nach dem Krieg aus: 1945 wurde der Ortsverein neu gegründet, Vorsitzender war Gustav Sprick, der dieses Amt bis 1966 innehatte. Ihm folgte Heinrich Söger, der die Geschicke des Ortsvereins in dieser Funktion für 29 Jahre mitprägte. 1995 wählten die Hilteraner Sozialdemokraten Rita Schwienherr zur Vorsitzenden. Ihr folgte 2003 Alois Redecker.

Nach dem Zusammenschluss mit dem Ortsverein Borgloh stand mit Monika Abendroth von 2005 bis 2018 erstmals eine Borgloherin an der Spitze des Ortsvereins. Schon fünf Jahre zuvor hatten sich die Ortsvereine Hilter und Borgloh zunächst zu einem Gemeindeverband zusammengeschlossen. Seit 2018 steht Ruth Albers an der Spitze der SPD Hilter und Borgloh.

Flüchtlinge und Vertriebene 

Das erste Sitzungsprotokoll vom 15. August 1945 befasste sich mit der Zusammensetzung der Wohnungskommission, da Flüchtlinge und Vertriebene eingegliedert werden mussten. Die Wohnraumbeschaffung war schwierig, da sich die Einwohnerzahl Hilters fast verdoppelt hatte.

Ende 1945 machte die SPD Hilter unter dem Motto „Wo bleibt das Brot? Wo bleibt die Milch? Wo bleibt das Fleisch“ gegen die Lebensmittelkürzungen mobil. Und weil Kohle zum Heizen fehlte, stellte die SPD Pferdefuhrwerke zur Verfügung, damit die Bevölkerung sich Holz aus dem Wald beschaffen konnte.

Und es blieb spannend. Zum Beispiel in den unruhigen Zeiten der Kommunalreform: Am 1. Juli 1972 wurde die nur zwei Jahre zuvor aus Allendorf, Borgloh-Wellendorf, Ebbendorf, Eppendorf und Uphöfen entstandene Gemeinde Borgloh zusammen mit Hankenberge in die Gemeinde Hilter am Teutoburger Wald eingegliedert. Flächenmäßig gehört Hilter seitdem zu den größeren Kommunen im Südkreis.

Knapp unter 40 Mitglieder

Im aktuellen Rat ist die SPD mit sieben Sitzen vertreten und damit hinter der CDU, die über die absolute Mehrheit verfügt, die zweitstärkste Fraktion. Jeweils rund ein Drittel der Hilteraner wählten bei den vergangenen Kommunalwahlen SPD, Tendenz leicht sinkend. Auch die Mitgliederzahl des Ortsvereins hält sich seit einigen Jahren stabil bei knapp unter 40 Mitgliedern, wobei der Altersdurchschnitt bei 58 Jahren liegt.


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