Verfahren am Amtsgericht Bad Iburg Frau blockiert Straße und nötigt Polizisten: Geldstrafe

Weil sie eine Straße blockiert und einen Polizisten genötigt hatte, musste sich eine Frau vor dem Amtsgericht Bad Iburg verantworten. Foto: Michael SchwagerWeil sie eine Straße blockiert und einen Polizisten genötigt hatte, musste sich eine Frau vor dem Amtsgericht Bad Iburg verantworten. Foto: Michael Schwager

Hilter. Wegen Nötigung verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg eine 50-Jährige Frau zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Die Frau hatte mit ihrem Auto über eine Stunde lang einen Weg in Hilter-Ebbendorf blockiert und war anschließend einem Polizisten zweimal leicht vor das Schienbein gefahren.

Es muss eine absonderliche Situation gewesen sein, die sich am vergangenen 26. Februar ab 17.30 Uhr auf der Straße „Zur Wolfsquelle“ in Hilter-Ebbendorf entwickelte. Die aus Melle stammende Frau hatte ihren siebenjährigen Sohn vom Schwimmunterricht abgeholt und musste auf dem Heimweg wegen einer Baustelle über die einspurige „Zur Wolfsquelle“ ausweichen. Kommt einem auf der schmalen Straße jemand entgegen, so müssen beide Fahrzeuge etwas auf den unbefestigten Randstreifen ausweichen, um aneinander vorbeizukommen.

Just mit dieser Situation sah sich die 50-Jährige an jenem Februarnachmittag konfrontiert. Offenbar aus der Sorge heraus, in den Graben neben dem Weg rutschen zu können, blieb sie einfach auf der Straße stehen und blockierte so den Weg für den ihr entgegengekommenen Wagen. Schnell hatte sich durch auflaufenden Verkehr eine Schlange von Autos vor dem PKW der Angeklagten gebildet, doch die wich und wankte nicht – eine ganze Stunde lang. 

Menschen umringen Auto

Der Fahrer des Wagens vor ihr sei ausgestiegen und habe bedeutet, sie müsse Platz machen, erklärte der Verteidiger der Frau. „Sie hat sich nicht getraut“, so sein Resümee. Stattdessen habe seine Mandantin dem Mann mit Gesten bedeutet, dass er zurückfahren solle. Mittlerweile seien immer mehr Leute aus ihren Wagen gestiegen und hätten das Auto der 50-Jährigen umringt. Da sie in ihrer Jugend Gewalterfahrungen gemacht habe, sei seine Mandantin nicht ausgestiegen. „Sie ist durch die gestikulierenden Personen in Panik geraten.“ Männer hätten auf ihr Auto geschlagen, sagte die 50-Jährige, „einer hatte einen Stein in der Hand.“ 

Auch wenn er keinen Stein gesehen hatte, war für den schließlich hinzukommenden Polizeibeamten die Situation jenseits des Alltäglichen: „Es war ein Tohuwabohu.“ Reden wollte die Frau, die sich in ihrem Wagen eingeschlossen hatte und auf dem Rücksitz neben ihrem Sohn saß, mit ihm nicht, so der Polizist. Auch Zureden und Klopfen halfen nicht. „Es war eine skurrile Situation.“ 

Gegen Schienbein gefahren

Aufgrund ihres seltsamen Verhaltens habe er sich gefragt, ob die Frau möglicherweise betrunken war oder unter dem Einfluss von Drogen stand. Auch habe er sich Sorgen um das Wohl des Kindes gemacht. Als der Fahrer des ersten Wagens in der wartenden Schlange etwas zurücksetzte und zur Seite fuhr, sei die Frau nach vorne auf den Fahrersitz geklettert. Aufgrund seiner Zweifel an der Fahrtüchtigkeit habe er die Angeklagte nicht wegfahren lassen wollen und habe sich deswegen vor ihr Auto gestellt, erinnerte sich der Beamte. Die Frau sei dennoch los- und ihm „leicht gegen das Schienbein gefahren“. 

Dieses Manöver habe die Frau noch ein weiteres Mal wiederholt, worauf er schließlich entschieden habe, die anderen Autofahrer anzuweisen, den Weg freizumachen und die Frau fahren zu lassen. Verletzt worden sei er nicht. Er habe während auch in Erwägung gezogen, eine Scheibe einzuschlagen, um mit der Frau reden zu können, so der Polizist. Wegen des Kindes im Auto habe er sich dagegen entschieden, so der Polizist. 

Frau öffnet Beamten nicht 

Der Richter machte aus seinem Befremden kein Hehl. „Dass man mit Zivilpersonen nicht klar kommt, alles schön und gut. Aber mit der Polizei?“ Sie habe dem Polizisten gesagt, er solle die anderen Männer wegschicken, dann werde sie mit ihm reden, sagte die Angeklagte. Der aber erklärte, die Frau habe nicht mit ihm gesprochen, sondern lediglich gestikuliert. Ihr Wegfahren begründete die 50-jährige damit, dass sie ihr Kind ins Bett habe bringen wollen. Sie sei ganz vorsichtig weggefahren, „in diesem Moment springt der Polizist vor mein Auto“. 

Als eine Polizeistreife wenig später die Wohnanschrift der 50-jährigen in Melle aufsuchte, weigerte sie sich, den Beamten zu öffnen. Sie habe ihr Kind ins Bett bringen müssen, so ihre Begründung. „Ihr Adrenalinspiegel war zwei Meter über ihrem Scheitel“, erklärte der Verteidiger den damaligen Zustand seiner Mandantin. 

Frau hätte zurückfahren können

Das Gericht indes hatte keinerlei Zweifel an der Richtigkeit der Aussage des Polizisten. Der Beamte sei in der Pflicht gewesen, die Frau festzuhalten, um die Situation zu klären. „Sie wollten sich den Weg erzwingen. Der Polizist hat daraufhin den Weg räumen lassen, damit sie vorbei können.“ Die Frau solle grundsätzlich ihre Einstellung zur Polizei ändern. „Sie machen einen psychisch labilen Eindruck“, meinte der Richter, „offenbar fühlen sie sich schnell in die Enge getrieben.“ Derartige Situationen müsse man anders regeln. 

Besonders skurril sei es, dass der Weg hinter dem Auto der 50-Jährigen frei gewesen sei – sie habe die ganze Zeit einfach rückwärts wegfahren können. Doch die Frau sei eine ganze Stunde lang in der Situation stehen geblieben. Mit ihrem Verhalten gegenüber dem Polizisten hatte sich die Frau zur Überzeugung des Gerichts einer Nötigung schuldig gemacht, die mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 90 Euro sanktioniert wurde. Von der Verhängung eines Fahrverbotes sah das Gericht ab.


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