„Die Kinder wollen gesehen werden“ Süderbergschule und Oberschule Borgloh starten gemeinsames Projekt zu Sprache

Durch Spaß am Spiel die Sprache lernen: Für die Grundschüler aus Hilter ein Angebot, das sie nicht missen möchten. Musiker Michael Schroth (von links), Bürgermeister Marc Schewski, Schulleiterin Elisabeth Wroblowski, Sozialamtsleiter Karl-Heinz Altevogt, Lehrerin Klara Mayer-Notbohm (Oberschule) und Schul-Sozialarbeiterin Anke Helbrecht stehen voll hinter dem tollen Projekt. Foto: Alexander HeimDurch Spaß am Spiel die Sprache lernen: Für die Grundschüler aus Hilter ein Angebot, das sie nicht missen möchten. Musiker Michael Schroth (von links), Bürgermeister Marc Schewski, Schulleiterin Elisabeth Wroblowski, Sozialamtsleiter Karl-Heinz Altevogt, Lehrerin Klara Mayer-Notbohm (Oberschule) und Schul-Sozialarbeiterin Anke Helbrecht stehen voll hinter dem tollen Projekt. Foto: Alexander Heim

Hilter. Wer aus einem anderen Land nach Deutschland kommt, für den ist das Erlernen der deutschen Sprache wichtig. In Hilter soll dabei ein besonderes Projekt helfen: das Theaterspiel ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

Es ist ein kleines, aber erlesenes Publikum, das die Vorführung um den Hund, der in die Küche kommt, neugierig betrachtet. Nur vier Mal haben sich die Mädchen und Jungen der Theater AG an der Süderbergschule zuvor getroffen. Geprobt haben sie  dieses Stück nicht im eigentlichen Sinne, so viel Zeit war ja noch gar nicht. Doch es gibt reichlich Applaus seitens des Auditoriums. Und die Zweit- bis Viertklässler strahlen vor Stolz. 

Ein internationales Lied haben sie zudem in Petto. „Hey, Hello, Bonjour, Guten Tag“, stimmen die zehn Jungen und zwei Mädchen an, als Musiker und Schauspieler Michael Schroth in die Saiten greift. Der Teamer der „theaterpädagogischen werkstatt Osnabrück“ begleitet die Grundschüler – und das gleich im doppelten Sinne.

Ganz frisch ins Leben gerufen ist nämlich das Projekt, an dem sich Süderbergschule und Oberschule Borgloh gleichermaßen beteiligen und von dem bislang 16 Jungen und Mädchen profitieren. Alle Teilnehmer haben dabei eines gemeinsam: Deutsch ist nicht ihre Muttersprache

Sprache als Schlüssel zur Integration

„Die Sprache ist als Schlüssel zur Integration extrem wichtig“, weiß Bürgermeister Marc Schewski. „Wenn wir die Schulen unterstützen können, sind wir dabei.“ Als über den Landkreis Förder-Gelder in Aussicht gestellt wurden, stellte sich die Frage, wie sie genutzt werden sollten. „Wir wollten nicht den 15. Sprachkurs anbieten, sondern etwas Spielerisches, das auf Freiwilligkeit setzt“, erläutert Hilters Sozialamtsleiter Karl-Heinz Altevogt. „Wir haben von dem Projekt gehört – und einfach mal nachgefragt.“

„Ich finde super, dass wir mit der „Theaterpädagogischen Werkstatt“ einen außerschulischen Partner haben“, betont Schul-Sozialarbeiterin Anke Helbrecht. „Da kommt jemand, den die Kinder nicht aus dem Schulalltag kennen und macht witzige Sachen. Und für die Jungs ist es auch klasse, dass da ein Mann steht.“ Einer, der zum Beispiel auch mal vorschlägt, Nasenpopel-Eis zu kaufen - und dies pantomimisch darzustellen. 

Stehen voll hinter dem Projekt: Nicht nur Liane Kirchhoff und Michael Schroth von der "theaterpädagogischen werkstatt" Osnabrück sind im Theaterfieber. Auch (hinten von links) Sozialamtsleiter Karl-Heinz Altevogt, Klara Meyer-Notbohm (Oberschule), Schulsozialarbeiterin Anke Helbrecht, Schulleiterin Elisabeth Wroblowski und Bürgermeister Marc Schewski sehen viele Vorteile. Foto: Alexander Heim


Hemmschwellen überwinden

„Das Ziel ist es, über das Spiel innere Hemmschwellen zu überwinden“, erläutert Liane Kirchhoff, zuständig für Projekte und Workshops bei der „theaterpädagogischen werkstatt“. „Es funktioniert immer, wenn man die Kinder erreicht. Dafür ist die Sprache zunächst einmal egal.“ Aus sich heraus kommen, den Quatsch einfach mal mitzumachen - das zähle. „Action without fear“ heißt das Konzept dahinter. „Die Grenzen werden dabei immer weiter gesteckt. Und die Kinder wollen gesehen werden.“

„Das packt sie richtig. Sie spielen das manchmal auch im Unterricht“, beobachtet Süderberg-Schulleiterin Elisabeth Wroblowski. „Sie spielen endlich eine positive Hauptrolle und genießen es, im Mittelpunkt zu stehen. Sie sind begeistert.“ Für viele sei dies die Gelegenheit, Sprache auf eine tolle Art und Weise zu lernen.

Oberschule ist als Kooperationspartner 

Dabei bezieht sich das Projekt nicht nur auf die Grundschule. Auch die Oberschule ist als Kooperationspartner mit im Boot. Warum? „Weil wir unbedingt Wege suchen, wie wir die deutsche Sprache vermitteln können“, erläutert Klara Meyer-Notbohm, Deutsch-Lehrerin an der Oberschule Hilter. Dass dies handlungsorientiert geschehe, sei ein großer Vorteil. „Sie üben etwa, nach vorne zu gehen und laut zu sagen: „Ich will!“ und erfahren „Ich kann laut sprechen“ Oft trauen sie sich das nicht, weil sie denken, sie sprechen falsch.“

Immerhin: aus sechs Nationen sind die Kinder nach Deutschland gekommen. Syrien ist dabei ebenso Herkunftsland wie Russland, Rumänien, Polen, Afghanistan oder die Türkei.

Spätere Aufführung nicht ausgeschlossen

Vier Mal haben sie nun bereits erste Erfahrungen gesammelt. Und so soll es weiter gehen. Immer montags. Stets für eineinhalb Stunden am Nachmittag. Spätere Aufführung nicht ausgeschlossen. Doch dafür ist noch Zeit. Schließlich läuft das aktuelle Projekt bis zum Februar 2020. „Wir kommen nicht mit einem fertigen Stück“, betont Liane Kirchhoff. „Das gibt es auch nicht. Viel wichtiger ist es, dass die Kinder sich mit ihren Ideen einbringen.“

Jetzt standen die Grundschüler erst einmal auf dem Catwalk, spielten „Germany's Next Top Model“ nach und warfen sich mit mitgebrachten Kostümen und Requisiten ebenso in Schale wie in Pose. Und wo die Reise beim nächsten Mal hingeht - das entscheiden sie selbst. Und, wer weiß, vielleicht stehen sie ja auch mit ihren verrückten und ausgefallenen Ideen bald in der Manage und damit im Scheinwerferlicht, wenn demnächst, kurz vor den Ferien, der Mitmach-Zirkus kommt.


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