Früher Saisonstart in der Region Preis für Spargel bleibt im Osnabrücker Land trotz höherer Erntekosten stabil

Der Spargel ist zurück: Die Spargelhöfe Wenner und Borgmeyer starteten bereits mit dem Verkauf. Foto: Swaantje HehmannDer Spargel ist zurück: Die Spargelhöfe Wenner und Borgmeyer starteten bereits mit dem Verkauf. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Trotz der erneuten Anhebung des Mindestlohns auf 9,19 Euro bleibt der Preis für ein Kilo Spargel im Vergleich zum Vorjahr stabil. Landwirte wollen die Mehrkosten für die Saisonkräfte durch die frühe Ernte des Edelgemüses ausgleichen.

Der gesetzliche Mindestlohn für Erntehelfer stieg in den vergangenen Jahren sukzessive an. Erst 2018 wurde er auf 8, 84 Euro angehoben. Die Spargelbauern aus der Region Osnabrück reagierten und erhöhten den Preis zum Saisonstart um einen Euro auf 11, 90 Euro pro Kilo der Klasse 1. Mit Beginn des Jahres 2019 stieg der gesetzliche Mindestlohn erneut – auf nun 9,19 Euro. Landwirte rechneten noch im vergangenen Sommer damit, dass sich dies auch auf die Verkaufspreise auswirke. Spargelbauer Jörg Wenner aus Hilter sieht nun doch davon ab und erklärt: 

"Über die Saison hinweg versuchen wir pro Kilo 30 Cent mehr zu verdienen, um die Mehrkosten aus der Mindestlohnerhöhung auffangen zu können."

So warm wie in einem Gewächshaus 

Seit Montag, 25. März, wird auf dem Spargelhof von Michaela Kaiser-Wenner und Jörg Wenner der erste Spargel verkauft. Am Dienstag folgte der Verkauf an den Außenstellen in der Stadt und der Region. Etwa zwei Wochen früher startet der Verkauf somit im Vergleich zum Vorjahr. Die Ernteerträge sind bislang noch gering, werden mit den steigenden Temperaturen aber deutlich zunehmen. 

Foto: Swaantje Hehmann


Dass bereits Ende März der erste Spargel auf den Feldern gestochen werden konnte, begründet der Hilteraner Spargelbauer mit den vielen Sonnenstunden im Februar. Hinzu kämen die teils hohen Temperaturen bis zu 18 Grad Mitte März. Wenner nutzt dabei eine spezielle Anbaumethode. Er bedeckt seine Spargelreihen mit einer Dreifach-Folie, wodurch sich auch die Zwischenräume der Folien erwärmten: "In den Folientunneln ist es dann so warm wie in einem Gewächshaus", berichtete er. 

Michaela Kaiser-Wenner und Jörg Wenner läuteten die Spargelsaison bereits ein. Foto: Swaantje Hehmann


Frühe Ernte auch bei Borgmeyer, Toppheide erst später 

Während der Spargelhof Toppheide aus Glandorf erst Mitte April mit der Ernte startet, konnte auch Spargelbauer Borgmeyer aus Dissen schon an diesem Wochenende mit dem Verkauf auf seinem Hof beginnen. Das Wetter der vergangenen Wochen habe kräftig mitgewirkt, so Betriebsleiter Björn Borgmeyer:

"Ende Februar war ich wegen der vielen Sonnenstunden und hohen Temperaturen äußerst nervös. Nach einer Hochrechnung hätten wir bereits am 15 März ernten können."

Dass es dann doch erst zwei Wochen später losging, habe am Wind gelegen, der viel Wärme aus den Anlagen genommen habe. Borgmeyer nutzt ebenfalls die Drei-Folien-Technik, die letztlich viel Wärme speicherte und den frühen Saisonstart ermöglichte.

Samstag begann bereits der Hofverkauf, dem die Außenstellen in den kommenden Tagen folgen, sagte Betriebsleiter Björn Borgmeyer. Teurer als 11,90 Euro für das Kilo der Klasse 1 werde der Spargel bei ihm nicht sein. Wie üblich werden die weißen Stangen im Laufe der Saison mit den steigenden Mengen billiger. 

Unbefristete Verlängerung der "70-Tage-Regelung" 

Spargelbauer Jörg Wenner aus Hilter zeigte sich indes erleichtert über den Erhalt der "70-Tage-Regelung" für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte in der Vergangenheit angekündigt, die Übergangsregelung zum Jahresbeginn 2019 auslaufen zu lassen. Im Dezember 2018 hat der Bundesrat aber einer unbefristeten Verlängerung der "70-Tage-Regelung" zugestimmt. Die Spargelbauern können ihre Erntehelfer somit auch weiterhin über diesen Zeitraum sozialversicherungsfrei beschäftigen. 

Foto: Archiv/ David Ebener

Eine Rückkehr zur "50-Tage-Regelung", wie sie bis 2014 bestand, wäre für die Landwirte zu einem "Riesenproblem geworden", betonte Wenner. Er hätte seine rund 100 Erntehelfer dann nicht mehr für eine ganze Saison, sondern aufgrund der zusätzlichen Kosten lediglich für zwei Monate einstellen können. Das sei zum einen für die Erntehelfer, die oft aus dem Ausland kommen, weniger attraktiv. Zum anderen wäre damit der Arbeitsaufwand für die Bauern gestiegen. Schließlich hätten die neuen Kräfte dann wieder angelernt werden müssen, was dann auch der Kunde über einen höheren Verkaufspreis gespürt hätte. 


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