Urteil am Amtsgericht Bad Iburg Streit beim Picknick: Mann schlägt Ehefrau mit Teller – Platzwunde

Von Heiko Kluge

Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

Hilter. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Amtsgericht einen Mann aus Hilter zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe. Der Angeklagte hatte seiner Frau eine Platzwunde beigebracht. Vor Gericht ließ er es an Einsicht vermissen.

Der 34-Jährige Mann räumte den Vorwurf der Anklage ohne große Umschweife ein. Offenbar im Anschluss an ein gemeinsames Picknick war der Angeklagte Ende Juni vergangenen Jahres mit seiner Ehefrau in einen Streit geraten. Doch die Auseinandersetzung eskalierte und schließlich zerschlug der Mann auf der Borgloher Straße in Hilter einen Porzellanteller auf dem Kopf seiner Frau. 

Die erlitt dadurch eine Platzwunde, die genäht werden musste, sowie eine Schädelprellung. Infolge der schwerwiegenden Verletzung verbrachte sie eine Nacht im Krankenhaus. „Ich war fertig“, beschrieb der Mann seine damalige Gemütsverfassung. Der 34-Jährige lebt seit etwas über einem Jahr in Deutschland. Nach eigenen Angaben hat er in seiner Heimat Iran keine Schule besucht und kann nicht lesen. Wegen seiner fehlenden Sprachkenntnisse musste eine Dolmetscherin die Einlassung des Mannes übertragen. 

Zurück nach Dänemark?

Er habe mit seiner Frau zurück zu ihrem vorherigen Aufenthaltsort Dänemark gewollt, berichtete der 34-Jährige. „Meine Frau war dagegen, deswegen habe ich sie geschlagen.“ Zwar erklärte der Angeklagte, die deutschen Gesetze zu respektieren, zeigte ansonsten aber wenig Einsicht. Ob es in seiner Heimat denn erlaubt sei, Frauen zu schlagen, wollte der Richter von dem Mann wissen. „Das ist doch normal“, erklärte der 34-Jährige.

Seine Ehefrau hat inzwischen mit den drei gemeinsamen Kindern Zuflucht in einem Frauenhaus in Hannover gefunden. „Ich will meinen Mann nicht mehr“, übersetzte die Dolmetscherin deren Ansicht. „Meine Kinder haben Angst vor ihm. Ich will mich von ihm trennen.“ 

"Ich werde das nicht akzeptieren"

Vom Richter befragt, ob er denn die Trennung akzeptieren werde, verneinte der Mann. „Nein, das wäre nicht okay. Wir sind eine Familie, das geht gar nicht. Ich werde das nicht akzeptieren.“   Auch die Brüder seiner Frau seien dagegen. Die Ehefrau bestätigte, von den männlichen Mitgliedern ihrer Familie unter Druck gesetzt worden zu sein. 

Wegen der durchaus schwerwiegenden Verletzungen hielt die Staatsanwältin eine achtmonatige Freiheitsstrafe für angezeigt. Obwohl der Mann strafrechtlich in Deutschland bislang nicht in Erscheinung getreten war, sah sie in einer Bewährungschance das falsche Signal. „Er hat gezeigt, dass er nicht mit der Trennung von seiner Frau einverstanden ist und sich damit nicht an das hier geltende Recht halten will.“ Aus Gründen der Abschreckung und der Verteidigung der Rechtsordnung komme eine Bewährung nicht in Frage.

Trotzdem Bewährung

Das Gericht entschied trotzdem, die acht Monate dennoch zur Bewährung auszusetzen. „Abweichend von der Staatsanwältin bin ich der Meinung, dass man ihnen eine Chance geben kann“, begründete der Richter. Es solle abgewartet werden, ob der Mann sich künftig an hiesiges Recht halten wolle und die Bewährungsauflagen einhalte. „Ihre Frau ist nicht ihr Eigentum“, schärfte er dem 34-Jährigen ein. 

Die Bewährungszeit setzte das Gericht auf drei Jahre an und erteilte dem Mann die Weisung, während dieser Zeit jedwede Kontaktaufnahme gegen den Willen der Frau zu unterlassen. Auch über dritte dürfe der Mann keinen Kontakt herstellen, schärfte ihm der Richter ein. „Wenn ihre Frau in Ruhe gelassen werden möchte, dann haben sie sie in Ruhe zu lassen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN