Nach 128 Jahren geschlossen Besitzer der Gaststätte Krenzien in Hilter suchen Nachfolger

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Viel Zeit haben Ursula und Wolfgang Krenzien in ihrer Gaststätte verbracht. Bereits als Zehnjähriger hat er in der Kneipe seiner Großeltern ausgeholfen. Foto: André HavergoViel Zeit haben Ursula und Wolfgang Krenzien in ihrer Gaststätte verbracht. Bereits als Zehnjähriger hat er in der Kneipe seiner Großeltern ausgeholfen. Foto: André Havergo

Hilter. Das Gasthaus Krenzien in Hilter ist seit Juli geschlossen. Die Inhaber Ursula und Wolfgang Krenzien sind in den Ruhestand gegangen. Sie suchen einen Nachfolger, der das Lokal übernimmt. 128 Jahre Geschichte stecken in den Mauern des Gebäudes – es war eine Institution in der Gemeinde.

Wo bis vor kurzem noch Gläser klirrten, Teller schepperten und lachen zu hören war, ist es jetzt still. Aus der Gaststätte Krenzien an der Natruper Straße in Hilter scheint im Dunkeln kein Licht mehr auf sie Straße. Die Stühle stehen aufgereiht an den Eichenholztischen als würden sie nur darauf warten, dass in ein paar Stunden der Betrieb losgeht. Eine kleine Blume trohnt auf einem Deckchen, Fußballfanschals hängen an der Garderobe, die alte Zapfanlage von 1890 glänzt. Sie könnten von heute auf morgen den Betrieb wieder starten, doch die Zeit ist vorbei. Ursula und ihr Mann Wolfgang Krenzien haben am 30. Juni zum letzten Mal die Tür ihrer Gaststätte als Wirte abgeschlossen. 


Der Tresen ist leer, Gläser klirren nicht mehr – in der Gaststätte Krenzien ist es still geworden. Seit dem 1. Juli ist sie geschlossen. Foto: André Havergo

Es gab eine kleine Feier zum Abschied. Der Männergesangsverein hatte eigens ein Lied auf das Gasthaus und seine Besitzer komponiert. „Emotional war das schon“, sagt Wolfgang Krenzien. Jetzt sind die beiden im Ruhestand und die Gaststätte Krenzien ist seit dem geschlossen. Sie freuen sich auf die Zeit, die sie jetzt endlich haben. Zeit für Reise, für Familie und für Hobbys. Wie es mit dem Lokal weitergeht, ist unklar. "Wir wollen die Kneipe gerne verpachten. Eine Jugenddisco wollen wir aber nicht haben. Wir wohnen oben drüber. Dann hätten wir nichts vom Ruhestand", sagt Wolfgang Krenzien. 


Die alte Zapfanlage von 1890 haben bereits die Urgroßeltern von Wolfgang Krenzien genutzt. Sie wurde dem Wirt einmal geklaut. Doch sie ist wieder aufgetaucht. Foto: André Havergo

Seine Urgroßeltern haben hier schon gearbeitet, sie haben alles aufgebaut. Die Halle neben der Gaststätte war in den 1950er Jahren Kino, Theater und Turnhalle in einem. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er mit 18 Jahren die Kneipe mit samt der Halle. Damals gab es noch kein Restaurant. "Ich hab schon als Zehnjähriger hier ausgeholfen", sagt Wolfgang Krenzien. 


Krenziens Urgroßeltern hatten in den letzten Jahren immer einen Blick auf das Geschehen in ihrer Gaststätte. Foto: André Havergo

Der Betrieb war für alle Familienmitglieder wie ein zweites Wohnzimmer. Ein freies Wochenende, 30 Urlaubstage im Jahr – sowas kannten die Krenziens nicht. Immer waren sie in der Gaststätte zu finden. "Wir waren selbstständig und haben sieben Tage die Woche gearbeitet. Dann hatten wir noch drei kleine Kinder. Das war manchmal hart ", sagt Ursula Krenzien. Nebenbei hat ihr Mann noch als Abteilungsleiter bei Mios in Belm gearbeitet. Sie fragt sich heute, wie sie das alles geschafft haben. 


Früher hatten Gaststätten eigene Postkarten. Oben ist die Gaststätte Krenzien zu sehen. Foto: Kathrin Pohlmann

Nicht jeder Gast wollte abends um elf Uhr nach Hause gehen. Manche haben da erst die Karten herausgeholt, erzählt Wolfgang. Bis vier oder fünf Uhr habe er dann manchmal am Tresen gestanden. "Wäre ich noch einmal jung, den Beruf würde ich heute nicht mehr ergreifen", sagt er.


Früher kam das Eichamt regelmäßig vorbei und schaute sich die Maße der Becher an. War alles in Ordnung gab es eine Gravur in die Becher. Foto: André Havergo

Zwischen Buchhaltung und Zapfanlage haben die beiden alles selbst gemanagt. Die Bürokratie sei mit den Jahren aber immer schlimmer geworden. „Der ganze Papierkram hat viel Zeit in Anspruch genommen“, sagt Wolfgang Krenzien. Ein Einschnitt war vor allem das Raucherschutzgesetz. "Weil wir 1984 alles umgebaut haben und dann auch Restaurantbetrieb hatten, durfte bei uns nicht mehr geraucht werden. Die mussten alle nach draußen", erzählt er. Für die Stammgäste sei das nicht ganz einfach zu verstehen gewesen.


Liebe zum Detail - viele Gegenstände aus dem Anfängen der Kneipe stehen noch heute in der Gaststätte. Foto: André Havergo

Dass es traditionsreiche Kneipen und Gaststätten schwer haben, diese Erfahrung haben auch die Krenziens gemacht. "Früher haben die Fernfahrer die Spesen noch bar ausbezahlt bekommen. Dann kamen sie nach Feierabend bei uns auf ein Bier vorbei", sagt der 68-Jährige. Geboomt habe die Kneipenkultur vor allem in den 60er und 70er Jahren. Damals sei die Mentalität noch eine andere gewesen. Es gab eine Wirtegemeinschaft in Hilter, gemeinsam hat man Brauereien besucht und sich ausgetauscht. Die Gemeinschaft gibt es lange nicht mehr, es gibt keine Kneipen mehr in Hilter. Mittlerweile habe jeder Verein seine eigenen Feiern. „Die Vereinsmitglieder zapfen dann in ihren Vereinsheimen ihr eigenes Bier“, sagt der 68-Jährige. 

Nach gut 128 Jahren ist jetzt Schluss: Wolfgang und Ursula Krenzien sind im Ruhestand. Sie suchen derzeit Nachfolger für ihre Gaststätte. Foto: André Havergo

Doch neben all der Arbeit sei auch viel Herzblut und Leidenschaft dabei gewesen, sagen die beiden. Ursula stand in der Küche, während Wolfgang Krenzien die Theke bediente. „Es gab Spargel, Grünkohl und beliebt waren auch immer die bayrischen Wochen, da gab es Haxen, Knödel und Sauerkraut“, erzählen sie. Im vergangenen Herbst kam dann irgendwann der Gedanke den Betrieb zu schließen. Irgendwann müsse es auch mal gut sein. „Wir mussten unsere Entscheidung irgendwann öffentlich machen, weil wir schon Anfragen für Hochzeiten und Weihnachtsfeiern bekamen“, sagt Ursula Krenzien. "Wir haben zwischen Spargel und Haxen zugemacht, kann man sagen", sagt ihr Mann und lacht. 


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