Eicheln und Eckern fallen unreif ab Dürre färbt den Teuto schon jetzt herbstlich

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Hilter. Seit fünf Monaten kein Regen, von einzelnen Ausnahmen abgesehen. Anfang Juli gab es durch eine Gewitterfront 30 Liter pro Quadratmeter. „Das war eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Jürgen Schulte-Uffelage (67), Waldbauer am Teutoburger Wald in Hilter.

Mit Sorgen beobachtet er seinen Buchenbestand am Südhang, wo sich Spitzendürre in den Kronen der mächtigen Bäume zeigt. Dazwischen immer wieder kahle Bäume. Auffällig ist auch die Laubfärbung, eigentlich ein herbstliches Ereignis, das an schönen Tagen das Herz erfreut. Jetzt, Anfang August, trübt es die Stimmung vieler Waldbauern. Die Laubfärbung kommt zwei Monate zu früh, eine Auswirkung der langen Trockenheit und der Hitze.

Eschen vom Aussterben bedroht

Zum Hof Schulte-Uffelage, den Henning Schulte-Uffelage (41) bewirtschaftet, gehören 85 Hektar Mischwald, bestanden zu je 50 Prozent aus Laub- und Nadelgehölzen. Seit altersher liegt die Verteilung bei 80 Prozent Buche, der Rest sind Eichen, Ahorn, Wildkirsche und die Esche, die wegen des Eschentriebsterbens vom Aussterben bedroht ist. Bei den Nadelgehölzen dominieren Kiefern und Fichten zu 80 Prozent, dann folgen Lärchen und Douglasien.

Ausfallerscheinungen zeigen besonders die Buchen, die eigentlich auf den Kalkstein-Verwitterungsböden am Südhang des Teuto eine gute Nährstoffsituation vorfinden. Problematisch sind jedoch die flachgründigen Böden, die mit 10 bis 30 Zentimeter humöser Schicht bei langen Trockenheit schnell austrocknen und somit den Großbäumen nicht genügend Nahrung liefern. Fehlt Wasser, reagieren die Bäume durch verfrühte Laubfärbung, Blattabwurf und einer verstärkten Tracht. So nennt der Fachmann die Bildung von vielen Früchten, zu sehen an Eichen, Buchen und Nadelgehölzen.

Erhaltungstrieb der Bäume

Eicheln, Bucheckern, Tannen- und Kiefernzapfen treiben normalerweise alle fünf bis sieben Jahre außergewöhnlich stark aus, in den letzten Jahren wiederholte sich das Phänomen des Erhaltungstriebes alle zwei bis drei Jahre. Für Jürgen Schulte-Uffelage offenbart es eine Stresssituation, in die die Bäume auch durch Dürre und Hitze gekommen sind. Die Früchte reifen jedoch nicht ab, sondern fallen unreif zu Boden. Unter vielen Eichen ist das gerade zu beobachten. Sonst regnen Eicheln und Eckern erst im Oktober/November, wenn das Laub fällt.

Der Klimawandel ist da

In den letzten Jahren hat Altbauer Schulte-Uffelage zunehmende Baumschäden beobachtet: „Seit zehn/zwölf Jahren geht das schon so, mit immer längeren Trockenphasen. Keine Frage, wir haben eine Klimaveränderung, das zeigt sich auch in den Wintermonaten“. Seine Schadensschätzung liegt zwischen 10 und 15 Prozent. Um das Ökosystem Wald zu stabilisieren, sei eine breitere Baumartenvielfalt wichtig, ist sich Stefan Kleine-Wechelmann mit Schulte-Uffelage Junior und Senior einig.

Wenn in der Diskussion um die Unterschutzstellung (Landschaftsschutz) davon gesprochen wird, bei Neuanpflanzungen heimische Laubwälder (Buche, Esche und Ahorn) zu bevorzugen, bringen sie daneben unter anderen auch die Küstentanne, Weißtanne, Douglasie, Lärche und Amerikanische Eiche nach dem Motto „Risiko reduzieren durch Vielfalt“ ins Gespräch. Dabei haben sie auch das Eschentriebsterben im Hinterkopf. „Niemand kann sagen, wie sich unser Wald in den nächsten 50 Jahren entwickelt, aber der Buchenbestand wird sich ganz sicher verändern“.

Unachtsamkeit Gefahr für ganzes Ökosystem

Die monatelange Trockenheit hat die Waldbauern im Osnabrücker Land zu einem dringenden Appell veranlasst. Waldbesucher sollten sich an die Verbote halten, offenes Feuer, Rauchen und Grillfeuer im Wald zu entzünden. Dazu gehört auch der Waldsaum, wo viele Gräser am Halm verdorren.

Stefan Kleine-Wechelmann (51), Vorstandsmitglied des Waldbauernverbandes im südlichen Landkreis, erinnert auch daran, dass weggeworfene Flaschen oder Scherben wie Brenngläser wirken können. Er bittet die Waldbesucher, alle Abfälle nach einem Picknick einzusammeln und erst in der heimischen Mülltonne zu entsorgen. Ohnehin sollten die festen Wege nicht verlassen werden. „Wenn es zu einem Waldbrand kommt, ist das ganze Öko-System Wald betroffen“.


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