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Abschaffung des Hebammenberufs? Fünf-Kilo-Baby in Hilter kommt per Hausgeburt auf die Welt

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Nicole Frankenberg mit ihrem Säugling Fionn, der per Hausgeburt auf die Welt gekommen ist. Hebamme Gerlinde Hüsemann hat sie während der Schwangerschaft und bei der Geburt begleitet. Die Geschwister Fiete und Femke sind im Krankenhaus geboren. Foto: Kathrin PohlmannNicole Frankenberg mit ihrem Säugling Fionn, der per Hausgeburt auf die Welt gekommen ist. Hebamme Gerlinde Hüsemann hat sie während der Schwangerschaft und bei der Geburt begleitet. Die Geschwister Fiete und Femke sind im Krankenhaus geboren. Foto: Kathrin Pohlmann

Hilter. Ein fünf Kilogramm schweres Baby kommt nicht alle Tage auf die Welt und schon gar nicht per Hausgeburt. Vor gut viereinhalb Wochen wurde Fionn geboren. Mutter Nicole Frankenberg aus Hilter hatte sich bei ihm bewusst für eine Hausgeburt entschieden. Doch eine Hebamme zu finden, war nicht einfach für die junge Mutter.

„Ich wollte das gerne, aber viele in meinem Umfeld haben mir davon abgeraten, auch der Arzt, der mich während der Schwangerschaft begleitet hat“, sagt die 34-jährige Mutter. Natürlich sei sie verunsichert gewesen. Zwar hat Frankenberg bereits zwei Kinder, doch die kamen im Krankenhaus zur Welt. „Die Hausgeburt war ein schönes Erlebnis für mich. Es ist eine vertraute Umgebung und ich war sehr entspannt“, erzählt sie. Keine Geräte, an denen sie angeschlossen war, keine klinische Umgebung wie im Krankenhaus und keine unbekannte Hebamme an ihrer Seite. „Viele Frauen sehen im Krankenhaus ihre Hebamme, die sie bei der Geburt begleitet das erste Mal. Und das bei so einem intimen Erlebnis wie einer Geburt“, sagt die junge Mutter. Sie würde sich wünschen, dass mehr Frauen den Mut haben zuhause zu entbinden, doch die Mütter seien vielfach verunsichert. Auf den Ostfriesischen Inseln seien Hausgeburten noch ganz normal, sagt ihre Hebamme Gerlinde Hüsemann. „Wie sollte es dort auch anders gehen?“ Die langjährige Hebamme hat eine klare Meinung zum Thema Hausgeburten: Gefährlich seien diese nicht, sagt Hüsemann. Damit vertritt sie einen Standpunkt in einer Debatte, der nicht ganz unumstritten ist.

Beiträge wieder erhöht

Hüsemann hat Frankenberg während der Schwangerschaft begleitet und war auch bei der Geburt dabei. Sie ist eine von zwei Hebammen in der Region, die überhaupt noch Hausgeburten durchführt. Hüsemann ist überzeugt davon, dass Hausgeburten auf lange Sicht abgeschafft werden sollen, denn daran verdiene weder das Krankenhaus, der Arzt, noch die Krankenkasse etwas. Bei einer Geburt muss ein Arzt nicht anwesend sein. „Die Kaiserschnittquote ist nach wie vor hoch. Der ist planbar und damit lässt sich natürlich Geld machen“, sagt sie. Außerdem seien die Kosten für die Haftpflichtversicherung für Hebammen dermaßen gestiegen, dass es sich für einige Frauen nicht mehr lohne, diesen Beruf auszuüben. „Ich kenne keinen Fall einer Hebamme, die verklagt wurde. Bei den hohen Kosten müsste es viele Fälle geben. Doch mir ist keiner bekannt“, sagt Hüsemann. 

Beiträge wieder erhöht 

Laut des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) sind die Beiträge seit 1. Juli wieder erhöht worden. Die Haftpflichtprämie für freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen steigt somit auf 8174 Euro im Jahr. Zudem gebe es kaum noch Versicherungen, die eine Haftpflichtversicherung für Hebammen anbieten, sagt Hüsemann. Sie ist Hebamme aus Leidenschaft. In den Ruhestand verabschieden kommt für die resolute Frau nicht infrage. Obwohl der Job ständige Rufbereitschaft – sieben Tage die Woche, 24 Stunden – verlangt. „Das ist kein einfacher Beruf und das macht auch nicht jeder Partner mit. Die meisten Hebammen sind alleinerziehend“, sagt sie. Sie habe Glück, ihr Mann sei bei ihr geblieben – auch, wenn so manche Familienfeier ohne sie stattfinden musste. 

Hüsemann will für den Berufsstand kämpfen 

Seit 1977 ist Hüsemann Hebamme und sie will weiter für ihren Berufsstand kämpfen, so lange es geht. Sie hat schon vor Jahren einen Erfolg errungen. So mussten Hebammen damals noch die Fahrtkosten selbst tragen. Mit ihrem Anwalt hat sich erreicht, dass die Fahrtkosten für die Hebammen übernommen werden. „Würden Männer in diesem Beruf arbeiten, dann wäre die Situation eine andere. Die würden sich das nicht gefallen lassen. Doch es ist ein Frauenberuf und daher schlecht bezahlt“, sagt Hüsemann. Es gebe ein paar Männer, die als sogenannte Entbindungshelfer arbeiten, Hüsemann sieht den Beruf aber in Frauenhand. „Körperkontakt ist bei der Arbeit sehr wichtig, ich habe selbst Kinder und kann den Schwangeren von meinen Erfahrungen berichten. Ich glaube nicht, dass Frauen sich dabei wohlfühlen, wenn das ein Mann übernimmt“, sagt Hüsemann. Auch Frankenberg will Frauen weiter Mut machen. 


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