Schicht im Schacht 500 Jahre Bergbau in Borgloh - 1963 endete die Ära

Von Horst Troiza und Kathrin Pohlmann

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Bergmann Martin Hoffmann bei der Arbeit im Schacht. Unter Tage war es für die Männer nicht ungefährlich. Im Laufe der Jahre gab es auch einige Todesfälle. Foto: Archiv/Kurt LöckmannBergmann Martin Hoffmann bei der Arbeit im Schacht. Unter Tage war es für die Männer nicht ungefährlich. Im Laufe der Jahre gab es auch einige Todesfälle. Foto: Archiv/Kurt Löckmann

Hilter. Jahrhundertelang wurde auf dem Gebiet der damaligen Samtgemeinde Borgloh Bergbau betrieben. Ohne das „schwarze Gold“ wären Handwerker wie Schmiede oder Salzsieder kaum in der Lage gewesen, ihr Handwerk zu betreiben. 1963 war es nach 500 Jahren vorbei mit dem Bergbau in Borgloh.

Urkunden belegen, dass es bereits seit 1461 Bergbau in der Region um Borgloh gegeben hat. Der Abbau der Steinkohle zu dieser Zeit war eher primitiv. Die Kohle führenden Schichten reichten häufig bis an die Erdoberfläche, sie wurde meist im Tagebau gewonnen. Die Schächte, aus denen die Kohle geholt wurde, waren nur wenige Meter tief.

Die Zeche Kronprinz in Borgloh-Wellendorf. Ein Artikel zu dem Thema erschien am 1. Oktober 1963 in der Neuen Tagespost. Foto: Archiv/Kurt Löckmann

In der vorindustriellen Zeit hatten die Menschen kaum Bedarf an diesem Bodenschatz. Die ersten Abnehmer der neuartigen Energie waren Schmiede, die die stärkere Hitzeentwicklung im Vergleich zu Holz für ihre Arbeit zu schätzen wussten. Auch Salzsieder setzten Kohle ein, um das damals wertvolle weiße Gold zu gewinnen und Schnapsbrenner, um ihren Alkohol herzustellen. Als Heizmaterial wurde Kohle nicht genutzt, Kamine und Schornsteine waren für den heißen Abbrand nicht geeignet.  


Verschiedene Bodenschätze, die in der Region vorkommen: links: Anthrazitkohle aus dem Piesberg und rechts Steinkohle aus dem Bergbau in Borgloh. Foto: Kathrin Pohlmann


Doch mit der Zeit erhöhte sich die Nachfrage. Abbaugebiete auf Borgloher Gebiet gab es auf dem Gersberg, dem Strubberg, dem Lohnberg und dem Hasberg. Die Flöze waren zum Teil 30 Zentimeter bis einen Meter dick. In der Frühen Neuzeit begannen die Betreiber tiefer in der Erde zu schürfen, was jedoch große Probleme mit sich brachte. Dennoch war der Bergbau immer auch problematisch. 


Bergmann Reinhold Hoffmann bei der harten Arbeit im Schacht. Schutzkleidung war damals rar. Wer das Foto damals gemacht hat, ist unbekannt. Foto: Archiv/NOZ


Die größten Schwierigkeiten bereitete das Wasser – je tiefer man die Schächte in die Erde trieb, desto mehr behinderte es die Arbeit der Bergleute. An manchen Stellen flossen bis zu 300 Liter Quellwasser pro Minute in die Stollen und mussten abgepumpt werden. Anfangs nutzte man Pferdekraft für die Pumparbeit, später dampf betriebene Pumpen. Wenn Wassereinbrüche oder Verwerfungen den Kohleabbau unmöglich machten, grub man an anderer Stelle neue Schächte.


Bergmann Erwin Lux mit dem Presslufthammer beim Kohlenabbau. Foto: Archiv/Kurt Löckmann


Es gab nicht nur für die Bergleute ein Auf und Ab in den Schächten, auch für die Pächter, die die Rechte vom Landesherrn erhielten, war der Betrieb ein Glücksspiel. Die Chronik des Borgloher Bergbaus berichtet von einem Albrecht von Cappel auf Gut Borgloh, dem als bischöflicher Landdrost seit 1603 als Dienstgehalt der Erlös aus dem Kohlebergwerk zugesichert wurde – und damit Pleite ging. 

Die Zeche bei Nacht. Auch hier ist der Fotograf des historischen Fotos nicht bekannt. Foto: Archiv/NOZ

An die Arbeitsbedingungen für die Bergleute darf man in diesem Zusammenhang gar nicht erst denken. Die Bergleute hatten nur einfach Kleidung. Kerzenschein leuchtete ihnen den Weg unter Tage. Es war dunkel, nass und dreckig. Nicht selten wurden die Bergleute mit einem einfachen Seil und einer Pechfakel in den Schacht hinunter gelassen. Später gab es tragbare Grubenlampen mit einer offenen Karbidflamme, die dem Bergmann den Weg leuchteten. Bei unbeständigem Wetter kamen Sicherheitslampen, die mit Benzin oder einem Akku betrieben wurden zum Einsatz.

Bergmänner kommen von ihrer Schicht. Sie haben alle eine tragbare Lampe mit dabei. Foto: Archiv/ Kurt Löckmann

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Lage, der Abbau der Kohle wurde industrialisiert. Es war nicht zuletzt die Gründung der Georgsmarienhütte, die den Bedarf an Kohle in die Höhe schnellen ließ. Zu den besten Zeiten waren 574 Bergleute (1888) in der Region beschäftigt, ein Jahr später nur noch 322. Grund dafür war unter anderem, dass mit Fertigstellung von Bahnstrecken die benötigte Steinkohle im Ruhrgebiet billiger eingekauft und mit Zügen ins Osnabrücker Land transportiert werden konnte.

Dem alten Bergmann Josef Schürmeyer steht die Trauer um die Schließung des Schachts ins Gesicht geschrieben. In der Zeche war Ende September 1963 Schicht. Foto: Archiv/ Kurt Löckmann

Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg blühte der Bergbau in Borgloh noch einmal auf. In dieser Zeit wurden bis zu 50 000 Tonnen Kohle an die Erdoberfläche geholt. Doch auch in jenen Jahren gab es immer wieder Probleme mit dem einbrechendem Wasser. Als auch noch Gas und Öl als Konkurrenzprodukte zur Kohle populär wurden, wurde das Interesse an Steinkohle aus Borgloh zurückgedrängt. Zudem war es politischer Wille, den Bergbau zu zentralisieren, so dass kleinere Bergwerke geschlossen wurden. 1963 traf es dann als letzten in der Region den Kronprinzenschacht in Wellendorf und das Kapitel Bergbau im Osnabrücker Land wurde geschlossen.


Dokumentation des Bergbaus in Borgloh

Es ist der Forschungsarbeit des Heimatvereins Borgloh zu verdanken, dass diese Entwicklung nahezu lückenlos dokumentiert wurde. Das vom Heimatverein herausgegebene und von Autor Josef Heidemann verfasste Buch „Steinkohlebergbau im Kirchspiel Borgloh“ gibt einen detaillierten Überblick über das Bergbauwesen. 

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