„Da ist der Teutoburger Wald zwischen“ Zwangsheirat zwischen Hilter und Borgloh vor 46 Jahren

Von Horst Troiza

Es war 1972 keine Wunschheirat, die Hilter und Borgloh zu einem Paar machte. Es gibt noch heute eine Abgrenzung zwischen den beiden, die nicht allein nur geografischer Natur ist. Foto: Horst TroizaEs war 1972 keine Wunschheirat, die Hilter und Borgloh zu einem Paar machte. Es gibt noch heute eine Abgrenzung zwischen den beiden, die nicht allein nur geografischer Natur ist. Foto: Horst Troiza

Hilter. Fast genau auf den Tag vor 46 Jahren wurde aus Borgloh, Hilter und Hankenberge die Gesamtgemeinde Hilter. So ganz zusammengewachsen sind besonders die beiden Erstgenannten nie: „Da ist nun einmal der Teutoburger Wald zwischen“, kommentiert jemand, der es wissen muss.

Die bildhafte Analyse stammt von Alfons Musenberg, dem ersten Gemeindedirektor des aus der niedersächsischen Gemeindegebietsreform entstandenen Konglomerats aus drei ehedem unabhängigen Gemeinden. Musenberg trat seinen Dienst damals am 1. Januar 1973 an, ein halbes Jahr nach der verordneten Heirat der drei Partner. Denn das, was „die da oben“ in Hannover Anfang der 70er-Jahre im Rahmen der Kommunalreform beschlossen wurde, wurde nicht immer und überall von „denen da unten“ mit Begeisterung aufgenommen.

Mehr als nur der Teutoburger Wald

Und in diesem speziellen Fall war es nur allein der Teutoburger Wald, der Hilter und Borgloh trennt. Damals zumindest gab es, wenn auch unsichtbar, eine politische Demarkationslinie. Hilter war sozialdemokratisch, Borgloh ein Bollwerk der Christdemokraten. Im Bund regierte zwar von 1967 an eine Große Koalition, doch so weit war man auf dem Land noch lange nicht.

Als sich die Gemeindegebietsreform 1968 am politischen Horizont abzuzeichnen begann, war man in Borgloh schnell tätig geworden. Mit dem Ziel, die Einwohnerzahl zu steigern, war es 1970 zum Zusammenschluss mit Allendorf, Wellendorf, Ebbendorf und Uphöfen gekommen. Das reichte jedoch nicht. „Um zur Großgemeinde werden zu können wären 8000 Einwohner nötig gewesen“, erklärt Musenberg.

Auf Partnersuche

Da für die meisten Borgloher Ratsmitglieder Hilter in jenen Jahren aber alles andere als der Wunschpartner war, schaute man sich anderweitig um. Und warf werbende Blicke in Richtung des nahegelegenen Kloster Oesede. Dort war man aber schon auf die Lösung einer Stadt Georgsmarienhütte gekommen. In Betracht gekommen wäre auch ein Zusammenschluss mit Wellingholzhausen und Gesmold, aber auch das mochte man in Borgloh nicht wirklich. Ein Vorschlag aus der Verwaltung des Landkreises, sich in Richtung Holte, also Bissendorf umzutun, fand ebenfalls keine Mehrheit.

Hilter hatte sich ebenso umgeschaut. Dort blickte man in Richtung Dissen. Da wäre dann wohl die größte Konzentration von Margarine in der Geschichte der Bundesrepublik entstanden. Daraus wurde nichts, weil auch Remsede mit einbezogen werden sollte, das sich aber lieber nach Bad Laer orientierte. So kam es zum Zusammenschluss mit Hilter. 1972 war es dann soweit, die Großgemeinde Hilter mit Borgloh und Hankenberge nahm die Geschäfte auf. „Im Nachhinein ist alles doch gut gelaufen“, blickt Musenberg zurück, der 24 Jahre sein Amt ausübte. Richtig zusammengewachsen seien Hilteraner und Borgloher aber nicht. „Hier und dort gibt es eben noch einen, bei dem die Uhren anders ticken“. Auf politischer Ebene ist es zu einem Vertrauensverhältnis gekommen, aber noch immer trennt der Höhenzug des Teutoburger Waldes die beiden Ortsteile.

Ich komme aus Borgloh ...

Allerdings: So zerrüttet wie die Glandorfer und die Laerer Kommunalehe waren die Verhältnisse zwischen Borgloh und Hilter wohl nie. Dem Vernehmen nach sollen die Glandorfer eines abends den damaligen Innenminister auf der B 51 gestoppt und ihm bei einem Spargelessen ihre missliche Situation geschildert haben. Ob die Qualität des Spargels oder die der Argumente den Ausschlag gegeben haben ist nicht überliefert, jedenfalls sind die beiden Südkreisgemeinden zusammen mit einer weiteren Kommune im Osten Niedersachsens zu den wenigen Orten, deren Zwangsheirat nachträglich wieder geschieden wurde. Borgloh und Hilter haben sich zusammen gerauft, auch wenn ein Borgloher nur selten sagen würde, er käme aus Hilter.