Grausiger Fund Arbeiter lassen verendetes Rehkitz am Bach in Hilter liegen

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Hilter. Michaela Schulte hat vor einigen Wochen einen grausigen Fund gemacht: Ein totes Rehkitz lag am Bachlauf vor ihrem Haus in Hilter. Die Hinterbeine des Tieres fehlten.

„Zuvor hatten Arbeiter mit einer Motorsense per Hand den Bachlauf gemäht“, erzählt Schulte. „Warum müssen um diese Jahreszeit Bachufer gemäht werden? Es ist doch bekannt, dass sich Kitze dort aufhalten können“, sagt sie und ist entsetzt. Derzeit herrscht Brut- und Setzzeit und für diese Zeit gibt es bestimmte Regeln, denn Tiere bekommen um diese Jahreszeit ihre Jungen oder brüten. Schulte hat das tote Kitz nach dem Fund in ihrem Garten beerdigt. (Weiterlesen: So werden Rehkitze im Landkreis Osnabrück vor dem Mähwerk gerettet)

An Ort und Stelle liegengelassen

Offenbar haben die Arbeiter das Tier mit der Sense tödlich verletzt und einfach an Ort und Stelle liegengelassen. So schildert es zumindest Schulte. „Dies muss dem Jagdausübungsberechtigten gemeldet werden; wenn man nicht weiß, wer für das Revier zuständig ist, kann dies bei der Polizei erfragen“, sagt Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff. Fälle, wie der in Hilter müssten demnach gemeldet werden. „Sollten allerdings Tiere getötet oder verletzt werden, kann dieses den Tatbestand der Tierquälerei nach dem Tierschutzrecht nach sich ziehen. Beispielsweise wenn ein Landwirt bewusst eine Wiese mäht, wo mit höchster Wahrscheinlichkeit mindestens ein Rehkitz drin liegt, und er nichts unternommen hat“, so Riepenhoff weiter.

Vergrämungsmaßnahmen

Grundsätzlich sollten vor Mäharbeiten Vergrämungsmaßnahmen oder ein Durchsuchen der Flächen vorgenommen werden, da gerade jetzt in der Brut- und Setzzeit mit Rehkitzen aber auch Bodenbrütern zu rechnen sei, sagt der Sprecher.

Unterhaltungsverband verantwortlich

Ulrich Schierhold Geschäftsführer vom Unterhaltungsverband Nr. 96 „Hase-Bever“ bestätigt den Vorfall in Hilter, für den der Verband verantwortlich ist. Er bedauert das Geschehene. Warum die Mitarbeiten das tote Rehkitz nicht gemeldet haben, weiß er nicht. Dass dies ihre Pflicht gewesen wäre, sei bereits intern geklärt worden.

Eigentlich wird erst wieder im August gemäht

Da der Rankenbach nach Angaben des Unterhaltungsverbands ein Gewässer sogenannter zweiter Ordnung ist, darf laut Landkreis in Ausnahmefällen zu dieser Jahreszeit gemäht werden, wenn der Abfluss bei Starkregen behindert wird. „Ansonsten setzt die Gewässerunterhaltung erst wieder im August ein“, sagt Riepenhoff. Es habe vorab ein umfangreiches Abwägungsverfahren mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gegeben, so Schierhold. So sei man gemeinsam zu der Wahl einer „zweimal jährlich vorzunehmenden beidseitigen Böschungsmahd mit handgeführten Mähmaschinen“ gekommen. „Natürlich ist sich der Verband des besonderen Rücksichtnahmegebotes in der Brut- und Setzzeit bewusst und wird auch nicht da tätig, wo kein abgewogenes Erfordernis dafür besteht“, sagt Schierhold.

Neugeborenes entdeckt

Vor gut einer Woche wurde ein weiteres Rehkitz auf dem Feld in der Nähe des Rankenbachs in Hilter geboren. Das hat Michael Schulte beobachtet. Sie hat nun ein Schild aufgestellt mit dem Hinweis „Vorsicht Rehkitz“, damit so ein Vorfall nicht noch einmal passiert.


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