100 Jahre bewegtes Leben Frida Hagemann feiert 100. Geburtstag in Hilter

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In 100 Jahren sammeln sich einige Erlebnisse an: Frida Hagemann blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: Jörn MartensIn 100 Jahren sammeln sich einige Erlebnisse an: Frida Hagemann blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: Jörn Martens

Hilter. Es ist ein großer runder Geburtstag, den Frida Hagemann an diesem Mittwoch feiert – ein sehr großer, denn sie wird heute 100 Jahre alt. Im Seniorenheim Kastanienhof in Hilter steigt ihr zu ehren eine kleine Geburtstagsfeier.

Viele alte Freunde und Bekannte sind nicht mehr da, um mit ihr anzustoßen. „Plötzlich ist man 100 Jahre, ich habe fast alle überlebt“, sagt sie. Doch die Familie kommt vorbei.

Flotte Fliegeruniform

Geboren wurde Hagemann in Quakenbrück, aufgewachsen ist sie in dem Örtchen Berge. „Wir waren sechs Kinder zuhause. Ich habe drei Brüder und zwei Schwestern“, erzählt Hagemann. Die Liebe hat sie damals nach Osnabrück verschlagen. Auf einer Kirmes lernte sie ihren Mann kennen. In der flotten Fliegeruniform hat er ihr gut gefallen, wie sie sagt.

Heirat und Umzug nach Osnabrück

Sie heirateten und Hagemann zog nach Osnabrück. Sie war im Gesangverein und hat in der ersten Etage im Rosenhof Walzer getanzt. In ihrer neuen Heimat Osnabrück fühlte sie sich schnell wohl.

Der Zweite Weltkrieg

Doch ihr Leben hatte auch Schattenseiten: Den Zweiten Weltkrieg hat sie am eigenen Leib erfahren. Frida Hagemann und ihr Mann wurden evakuiert und mussten nach Tschechien fliehen. Dort erlebte sie die Angriffe der Alliierten. „Sie haben Zeitbomben geworfen, die explodierten abends alle zur gleichen Zeit“, erinnert sie sich. „Das war schrecklich.“

Weiter nach Bayern

Von Tschechien ging es weiter nach Bayern. Dort kam sie als Flüchtling mit ihrem Sohn und der Cousine auf einem Bauernhof in der Nähe von Dachau unter. „Ich habe dort auf die Kinder aufgepasst. Die Bäuerin hat sich um den Hof gekümmert. Eine Krise schweißt Menschen zusammen“, sagt Hagemann. Irgendwann sollte es dann in die Heimat zurückgehen.

Der Zug in die Heimat

Von Nürnberg aus fuhr ein Zug nach Osnabrück. „Es gab keine Personenwagen mehr, wir sind in einem Güterzug befördert worden“, sagt die 100-Jährige. Viele Gleise waren zerstört. Zehn Tage dauerte ihre Reise. Auf dem Weg machten sie Halt im hessischen Hanau. „Da war ein Flüchtling, der meine silberne Uhr haben wollte. Ich tauschte sie gegen Brot und Butter. Was sollten die Kinder auf der Fahrt sonst essen?“

Bewegtes Leben

Zurück in Osnabrück war die Familie wieder vereint, ihr Mann kam aus der Gefangenschaft zurück. Sie bauten sich in Osnabrück ihr Leben wieder auf. Die beiden haben die Wälder im Osnabrücker Land durchwandert, sie sind im Harz, am Bodensee und im Schwarzwald gewesen. „Wir waren auch ein paar Mal in Amerika. Ein Bruder von mir ist in die USA ausgewandert“, erzählt Hagemann. 50 Jahre waren sie verheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie nach Borgloh zu ihrem Sohn. Seit rund zwei Jahren lebt sie nun im Seniorenheim in Hilter. Die 100 Jahre merkt man ihr nicht an, so lebendig erzählt sie von ihrem bewegten Leben. Den runden Geburtstag feiert sie im Kreis der kleinen Familie mit Sohn und Enkel.


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