Guter-Montag-Prozession Jahrhundertealte Tradition in Borgloh

Von Sina-Christin Wilk


Hilter. Auch wenn Traditionen einem Wandel unterliegen, werden sie vielerorts gepflegt. In Borgloh ist die „Guter-Montag-Prozession“ fester Bestandteil des Gemeindelebens. Die St. Pankratius Kirche lädt jedes Jahr am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag zur gemeinsamen Eucharistiefeier und anschließenden Gang des Prozessionswegs.

Seit wann genau die Guter-Montag-Prozession begangen wird, ist nicht bekannt. Es gebe aber Dokumente, die den Ursprung vor rund 700 Jahren datieren, informierte Frank Baumann, Schriftführer des Pfarrgemeinderats. Was ursprünglich als sogenannter Schnatgang stattfand, um festgelegte Ortsgrenzen zu überprüfen, entwickelte sich zur lokalen kirchlichen Festprozession.

Vier Altäre

Seit gut 200 Jahren lockt die Prozession in der noch heute gepflegten Form zahlreiche Besucher, die sich gemeinsam auf den knapp zweistündigen Gang machen, um gemeinsam zu singen, zu beten und an einem der vier Altäre, die den etwa sechs Kilometer langen Weg säumen, einer Andacht unter freiem Himmel zu lauschen. Zentrale Themen gemäß der Eucharistie, der „Danksagung“: Die Frage nach Halt und Orientierung sowie das soziale Miteinander.

Obwohl es um 19 Uhr immer noch um 29 Grad Celsius warm war, setzte sich die Prozession nach der Messe aus rund 100 Teilnehmern zusammen. Mit dabei: Vertreter der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland, der Kolpingfamilie Borgloh und des Telgter Wallfahrtvereins.

Singend in Richtung der ersten Station

Ausgestattet mit Gesangsbüchern machte sich die Gruppe von St. Pankratius aus unter der Leitung von Pastor Zbigniew Kadziela singend in Richtung der ersten Station auf: Am Alten Borgloh. Hier habe einst die erste Kirche der Gegend gestanden, erklärte Hans-Hermann Oberholthaus, der mit roter Kelle gewappnet das offizielle Schlusslicht der Prozession bildete, den Standort des ersten Altars. Schon seit einigen Jahren begleite er die Prozession regelmäßig. „Das Aufrechterhalten der Tradition liegt mir am Herzen“, so Oberholthaus. Auch seine Bewunderung für die Natur könne er im Rahmen des andächtigen Gangs gut ausdrücken.

Auf schmalen Straßen

Vor dem Altar, der auf einem Hügel steht, warteten bereits einige Menschen auf die singende Prozession, die sich die schmale Straße herunterschlängelnd näherte. Einige Bewohner aus unmittelbarer Nachbarschaft, darunter zahlreiche Kinder.

Hildegard Schäfer ist ebenfalls Anwohnerin und berichtete: „Die Nachbarschaft legt immer für die Blumendeko zusammen. Wir haben uns am Sonntag getroffen und den Blumenkranz für den Altar gebunden. Der Blumenteppich ist heute hinzugekommen, da gibt es immer sehr kreative Ideen.“

Unter strahlend blauem Himmel versammelten sich die Teilnehmer in einem Halbkreis am Fuße des Altarhügels, um der Predigt des Pastors zu folgen, bevor sich die Prozession singend zur nächsten Station aufmachte.