Borgloh, Bramsche und Bad Essen Die meistbefahrenen Motorradstrecken der Region – und ihre Kritiker

Von Kathrin Pohlmann, Bastian Rabeneck, Björn Dieckmann und Rainer Westendorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Hilter Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bissendorf/Georgsmarienhütte/Bramsche/Bad Essen. Der Frühlingsanfang ist auch der Auftakt zur Motorradsaison. Zum Ärger vieler Anwohner beliebter Motorradstrecken. Im Landkreis Osnabrück regt sich vielerorts Widerstand gegen die Lärmbelästigung. Manchmal stoßen die Vorhaben der Anwohner auf Verständnis, manchmal auch auf taube Ohren. Das Problem ist auch in NRW bekannt. Die Polizei zeigt dort Präsenz auf der Straße.

Die Holter Straße zwischen Bissendorf und Borgloh ist so eine Rennstrecke. Die Raserei und Lärmbelästigung auf der Kreisstraße 330 nehmen kein Ende. „Es geht so langsam wieder los“, sagt Anwohnerin Annette Kühne. Die Anwohner der Holter Straße fordern verschärfte Kontrollen der Motorräder, Geschwindigkeitsmessungen und Lärmmessungen. Denn an warmen Tagen sei es unmöglich, draußen im Garten zu sitzen, so Kühne. Der Lärm sei nicht auszuhalten. Am 19. April soll daher ein Treffen stattfinden: „Der Landkreis hat die Anliegerinitiativen der K 330 aus Holte und Borgloh zu einem nicht öffentlichen Anliegerforum im April eingeladen. Dort soll unter Beteiligung der Polizei und der betroffenen Gemeinden über Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden. Teilnehmen werden auch Vertreter des MSC Osnabrück als Veranstalter des alljährlichen Bergrennens und des Bundesverbandes der Motorradfahrer“, sagt Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff.

Der Landkreis hatte geplant weitere Rüttelstreifen auf der Strecke anzubringen. „Die von der Unfallkommission beschlossenen zusätzlichen Rüttelstreifen werden vor diesem Gespräch nicht markiert werden. Weitere Maßnahmen sind aktuell nicht geplant, können sich aber eventuell aus dem Termin ergeben“, so Riepenhoff weiter. Annette Kühne von der Anliegerinitiative ist froh über das Treffen. Doch wenn sich an der Situation an der Holter Straße nichts ändere, dann würden die Anwohner auch wieder eine Aktion gegen die Raserei organisieren. Da haben sie mittlerweile Erfahrung: Rund 200 Menschen nahmen im vergangenen Jahr an der Demo teil.

Eigenes Lärmmessgerät gekauft

Auch an der Borgloher Straße (K333) in Georgsmarienhütte hat sich eine Bürgerinitiative aus Anwohnern zusammengetan und ein zertifiziertes Lärmmessgerät angeschafft. Damit möchten sie symbolisch den „Tag des Lärms“ am 24. April nutzen und die faktischen Lärmwerte an der Borgloher Straße ermitteln, teilte Anwohner Eberhard Schröder in einer Pressemitteilung mit. Den Haken an der Sache bringt Bärbel Lührmann vom Ordnungswesen der Stadt GMHütte auf den Punkt: „Ob Gegenmaßnahmen bewilligt werden, hängt bei Kreisstraßen wie der Borgloher Straße nicht von der gemessenen, sondern vom berechneten Lärmniveau ab“.

Im Jahr 2015 führten mehrere Erhebungen zu dem Ergebnis, dass die Straße innerhalb von 24 Stunden von durchschnittlich 1100 Fahrzeugen genutzt wird. Nach dem Lärmaktionsplan der Stufe eins, den der GMHütter Rat nach EU-Richtlinien beschlossen hat, liegt der Grenzwert bei 6 Millionen Fahrzeugen im Jahr. Rechnet man die an der Borgloher Straße ermittelte Zahl der Fahrzeuge hoch, fehlen die rechtlichen Voraussetzungen für Gegenmaßnahmen. Das wäre auch der Fall, wenn es Differenzen zwischen gemessenem und berechnetem Pegel gäbe.

Die Unfallzahlen auf der Borgloher Straße rechtfertigen ebenfalls keine Gegenmaßnahmen. Laut Pressestelle der Polizei Osnabrück habe es im Jahr 2017 auf der K 333 keine Unfälle mit Beteiligung von Motorrädern gegeben. Lührmann weist zudem daraufhin, dass die theoretisch auf einer Kreisstraße zulässigen 100 Kilometer pro Stunde, auf der Borgloher bereits auf 70 Stundenkilometer limitiert sind.

Rüttelstreifen als Lösung

Die Frage, mit welchen Maßnahmen Motorradfahrern entlang der Serpentinen am Essenerberg Einhalt geboten werden kann, wurde auch in der Gemeinde Bad Essen jahrelang diskutiert. 2010 wurde die Bergstraße von Bad Essen nach Melle schließlich für Motorradfahrer gesperrt. Ein Verbot, das das Verwaltungsgericht allerdings wieder aufhob. Was tun? Die Antwort 2012 waren Rüttelstreifen auf der Fahrbahn. Dazu ist die Deckschicht an sieben Standorten über die gesamte Fahrbahnbreite gefräst worden. Anschließend erfolgte das Verfüllen der 50 Zentimeter langen Frässtelle mit Gussasphalt, wobei der Asphalt schwellenartig 1,5 Zentimeter erhöht eingebaut wurde. An jedem der sieben Standorte wurden fünf Rüttelstreifen im Abstand von jeweils rund fünf Metern eingebaut. Am Anfang und Ende der Strecke wurden zusätzlich zwei „Aufmerksamkeitsstreifen“ im Abstand von 20 Metern vor den nächsten Rüttelstreifen installiert.

Die nächste Etappe folgte 2015, als die Fahrbahnsanierung der Bergstraße anstand. Sollen die Rüttelstreifen wieder verschwinden, so wie es Bürger in einer Petition forderten? Nein: Unter anderem sprach sich der Verwaltungsausschuss des Bad Essener Gemeinderates einstimmig für den Wiedereinbau der Rüttelstreifen nach einer Sanierung der L 84 aus. Der Abschnitt wurde nun mit neuen, baulich andersartigen Rüttelstreifen, ausgestattet. Diese sind bis heute „im Dienst“.

„Mekka“ für Motorradfahrer

Zwischen den Bramscher Ortsteilen Engter und Evinghausen ist vor sechs Jahren die Landesstraße 87 saniert worden. Danach entwickelte sich die kurvenreiche Strecke zu einem „Mekka“ für Motorradfahrer. Mit dem steigenden Verkehrsaufkommen nahmen die Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern zu. Die Stadt Bramsche verhängte daraufhin Anfang 2015 auf Anraten der Polizei ein „Durchfahrverbot für Krafträder aller Art“ – das allerdings durch das Verwaltungsgericht Osnabrück umgehend für rechtswidrig erklärt wurde. Die Eilentscheidung von Ende April 2015 bestätigte das Gericht erst im Dezember 2017 endgültig. Nun sollen an der L 87, ähnlich wie in Bad Essen, Rüttelstreifen angebracht werden. Ob diese Maßnahme den Einwohnern von Engter und Evinghausen im Umfeld der Strecke hilft, bleibt abzuwarten. Sie protestieren seit Jahren gegen die hohe Lärmbelastung.

Zivile Beamte im Einsatz

Die Nachbarn in NRW kennen das Problem ebenfalls. Die Holperdorper Straße zwischen Holperdorp und Lienen ist eine beliebte Strecke für Motorradfahrer. Bei den Polizeibeamten ist die Kreisstraße 31 als Problemstrecke bekannt. Die Geschwindigkeit ist durchgehend auf 50 Kilometer pro Stunde festgelegt. Doch nicht jeder hält sich daran. Anwohner beschweren sich aufgrund der Lärmbelästigung. Zum Start in die Saison wird es nach Angaben der Polizei Kontrollen geben. Es soll die Geschwindigkeit gemessen, und die Fahrzeuge überprüft werden. Zudem wird es zivile Beamte auf Motorrädern geben, die regelmäßig die Strecke abfahren. „Wir zeigen Präsenz vor Ort, gerade an beliebten Wochentagen“, sagt eine Sprecher der Polizei in Steinfurt.

Und wie ist die Situation in den Bädern? „Vor 15 bis 20 Jahren gab es im Ortskern von Bad Rothenfelde mal ein Durchfahrtsverbot für Motorräder“, sagt Bürgermeister Klaus Rehkämper. Das sei aber schon lange nicht mehr notwendig. Der komplette Kern gilt heute als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, wo lediglich 30 Stundenkilometer erlaubt sind. An der Salinen- und der Frankfurter Straße in Bad Rothenfelde sind es lediglich 20 Kilometer pro Stunde. Damit verringert sich die Lärmbelästigung für die Anwohner ohnehin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN