Schutzkleidung defekt Feuerwehr Hilter bald nicht mehr einsatzfähig?

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Hilter. Feuerwehr der Gemeinde Hilter braucht nach eigenen Angaben neue Einsatzkleidung, damit sie auch künftig noch einsatzfähig ist.

Laut Gemeindebrandmeister Ralf Telkämper sind in Hilter 37 von 54 Garnituren defekt, in Borgloh sind es zwölf von 45. „Wir sind einsatzbereit, aber wenn sich künftig nichts ändert, dann könnte es sein, dass wir es nicht mehr sind“, sagt Telkämper. Um das Thema ging es auch im vergangenen Feuerwehrausschuss. Die Feuerwehr hat einen Antrag für Haushaltsmittel gestellt. Sie geht davon aus, dass bei Ersatz und Reparatur der Kleidung mit Kosten in Höhe von 50.000 Euro zu rechnen ist. Bisher sind im Haushalt dafür 15.000 Euro angesetzt. „Ich weise darauf hin, dass ein Einsatz mit unvollständiger, defekter und nicht zugelassener Schutzkleidung nicht zulässig ist. Die Einsatzkräfte werden nicht kalkulierbaren Gefahren ausgesetzt“, schreibt der Gemeindebrandmeister in seinem Antrag an den Rat und die Verwaltung. Konkret geht es um 39 neue Feuerwehreinsatzjacken, 36 Hosen, 16 Helme und zehn Stiefelpaare.

Abgelöste Reflexstreifen

Kleiderwart Lars Vahlkamp nimmt eine Jacke aus dem Schrank. Er zeigt die abgelösten Reflexstreifen, einige Jacken sind mehr als zwölf Jahre alt. „Sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards“, sagt er. Ein Grund für die verschlissene Kleidung sei auch die unsachgemäße Reinigung. „Wir geben die persönliche Schutzausrüstung in die Reinigung, doch dort werden sie zum Beispiel oft nicht richtig imprägniert. Der Imprägnierer wird zusammen mit dem Waschpulver in die Trommel gekippt“, sagt Vahlkamp. Die Konsequenz: Die Kleidung ist von innen und außen imprägniert und nicht mehr atmungsaktiv. „Wenn sie dann in ein Feuer gehen, dann ist es als würden sie in der Jacke gekocht – wie bei einem Hummer“, sagt er. Die Ausrüstung ist laut Feuerwehr ein High-Tech-Produkt. Die Jacken bestehen aus einer speziellen Faser, sie enthalten eine Membran im Inneren, die die Einsatzkräfte vor Hitze schützt. „So eine Jacke muss für acht Sekunden 1000 Grad aushalten können“, erzählt der Kleiderwart. Es würden auch zu viele Stücke in eine Trommel gepackt. Allein die Jacken nehmen rund 300 Liter Wasser auf, werden in den Trommeln gequetscht und gedrückt. „Das beansprucht die Kleidung natürlich und sie wird leicht beschädigt“, sagt Vahlkamp.

Professionelles Nassreinigungssystem

Aus diesem Grund hat die Feuerwehr ein professionelles Nassreinigungssystem für die Einsatzkleidung beantragt. Kostenpunkt für das komplette System laut Gemeindebrandmeister: 35.000 Euro. „Aus wirtschaftlicher Sicht rechnet sich ein eigenes Nassreinigungssystem, wenn die komplette Schutzausrüstung wenigstens einmal im Jahr gereinigt wird“, schreibt Telkämper in dem Antrag. Kontaminierte Einsatzkleidung muss mit Vorsicht behandelt werden. Denn es setzen sich Partikel auf der Kleidung ab, die gesundheitsschädlich sein können. Die Kleidung darf nach einem Einsatz im Feuer nicht noch einmal angezogen werden. Erst muss sie gewaschen werden. Kleidung, die nicht im Einsatz war, wird in der Regel einmal im Jahr gereinigt.

Platz ist da

Der Platz für so eine Anlage sei da, das Waschsystem soll direkt an der Halle in Hilter angegliedert sein, so Telkämper. Gewaschen werden soll für Hilter und Borgloh. „Bisher wurde das Thema Hygiene in der Feuerwehr vernachlässigt. Hygiene macht Arbeit und kostet Geld. Doch Feuerwehrleute sind dem Risiko Krebs ausgesetzt“, sagt Experte Marko de Klein aus Einbeck. Er hat in Hilter einen Vortrag zu dem Thema gehalten. Häufig würden durch die Haut krebserregende Stoffe aufgenommen. Auch nach einem Einsatz kann die Kleidung noch schädliche Dämpfe freisetzen. Eine US-Untersuchung an mehr als 30.000 Feuerwehrleuten hatte kürzlich ergeben, dass bei ihnen öfter die Diagnose Krebs gestellt wird als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Daher sei der richtige Umgang mit kontaminierter Kleidung so wichtig.

Bereitschaft

Über die Anträge der Feuerwehr wurde im Ausschuss noch nicht abschließend abgestimmt. Grundsätzlich zeigten sich die Fraktionen aber bereit die Feuerwehr zu unterstützen. Denn die Einsatzkräfte dürften keinen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt werden, da waren sich alle einig. Sie beraten sich nun erst einmal. Die Feuerwehr hat angeboten den Ratsmitliedern und der Verwaltung beratend zur Seite zu stehen.


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