Weihnachten auf Fidschi Wellendorfer Christian Sierp mit Freiwilligendienst in der Südsee

Christian Sierp und sein Lehrer Master Lai. Viele Fidschianer tragen die traditionellen Röcke. Bei besonderen Anlässen dürfen sie nicht fehlen. Foto: Peter SchmittChristian Sierp und sein Lehrer Master Lai. Viele Fidschianer tragen die traditionellen Röcke. Bei besonderen Anlässen dürfen sie nicht fehlen. Foto: Peter Schmitt

Hilter. Weihnachten in der Südsee entspannen mit Palmen und weißem Strand – für viele ist das ein Urlaubstraum. Für den 19-jährigen Christian Sierp aus Wellendorf ist der kleine Inselstaat Fidschi im Südpazifik für ein Jahr sein Zuhause. Der gelernte Tischler nimmt an einem Freiwilligendienst des Kolpingwerks Deutschland teil.

Hallo Christian, seit wann bist Du auf Fidschi? Inzwischen bereits seit gut dreieinhalb Monaten. Ende August ging der Flieger in Richtig Südpazifik.

Wie war es anfangs für Dich und wie ist es Dir bisher ergangen? Vor allem in den ersten Tagen war natürlich vieles neu und ungewohnt für mich. Beim Verlassen des Flughafens in Nadi bekam ich gleich das tropisch-schwüle Klima zu spüren. Ich habe, gerade in der ersten Zeit, viele neue Menschen kennengelernt und wurde sehr freundlich aufgenommen. Sich in einer neuen Umgebung und Kultur einzuleben braucht natürlich etwas Zeit. Die Unterstützung des gesamten Teams der Schule hat mir den Start in das Fidschi-Jahr auf jeden Fall deutlich erleichtert.

Was machst Du vor Ort? Meine Hauptaufgabe während des Freiwilligendienstes ist die Arbeit in der Tischlerei auf dem Projektgelände auf Viti Levu. Wir erarbeiten dort zusammen mit einem Teil der rund 70 Schüler die unterschiedlichsten Projekte. Die Möbel, die wir herstellen, werden für die eigenen Räume genutzt. Zum Beispiel gab es einen Schreibtisch für das neue Büro. Aber auch individuell nach Kundenauftrag angefertigte Möbel stellen wir her. Die Schüler in der Tischlereiwerkstatt lernen nicht nur den Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, sondern auch wie ein Haus gebaut wird, damit sie mit den erlernten Fähigkeiten auch anderen Bewohnern in Dorf helfen können.

Was war bisher das aufregendste Erlebnis? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. In den vergangenen Monaten ist schon so viel Spannendes passiert. Aber auf ein Erlebnis beschränkt, würde ich doch das Fischengehen in einem der umliegenden Dörfer wählen.

Warum ausgerechnet das Fischen? Nachdem ich mich etwas an das Klima und das neue Umfeld gewöhnt hatte, verbrachte ich eine Woche in einer Gastfamilie eines umliegenden Dorfes. Ich war dort, um den Alltag kennenzulernen und, um einen intensiveren Eindruck in die fidschianische Kultur zu bekommen. Mein Gastvater ist Fischer. Deshalb bekam ich die Chance mit ihm im motorisierten Zweimann-Boot aufs Meer zu fahren, um das Netz auszuwerfen. Hat mir wirklich viel Spaß gemacht, speziell wenn der Wellengang nicht so übertrieben war und wir nach getaner Arbeit mit dem Boot übers Wasser heizen konnten.

Feiert man eigentlich Weihnachten auf Fidschi? Da auf Fidschi viele Christen leben, wird natürlich auch Weihnachten gefeiert.

Vermisst Du gerade zu Weihnachten etwas aus der Heimat? Auf jeden Fall, sicher. Schneefall werde ich hier wohl nicht erleben und auf den Glühwein vom Weihnachtsmarkt muss ich in diesem Jahr wohl leider verzichten. Lebkuchen und selbst gebackene Plätzchen sind leider auch gestrichen. Das Weihnachtsfest 2017 wird auch das erste sein, was ich außerhalb von Deutschland verbringen werde. Freunde und die Familie vermisse ich gerade zur Weihnachtszeit ganz besonders. So richtige Weihnachtsstimmung ist deshalb noch nicht aufgekommen.

Welche Weihnachtstraditionen gibt es auf Fidschi? Gefeiert wird meist in der Familie, es gibt leckeres Essen und alle sitzen beieinander. Aber natürlich gehen viele auch in die Kirche.

Also ähnlich wie in Deutschland. Gibt es sonst noch andere Traditionen?

Wenn man nach Fidschi reist, sollte man auf jeden Fall ‚Kava‘probiert haben. Kava ist eine Wurzelpflanze die nach dem Ausgraben getrocknet und zerstampft wird, sodass eine Art Pulver entsteht. Das Pulver wird anschließend in einen Stoffbeutel gegeben und in einem Wasserbad geschwungen und ausgewrungen bis das Wasser die gewünschte schlammige Farbe erreicht hat. Der fertige Mix wird dann in eine große Holzschale namens Tanoa gegossen, um die eine Gruppe sitzt. Mithilfe von Kokosnussschalen wird das Gebräu dann serviert und getrunken. Ob zum Geburtstag, zum Willkommenheißen oder einfach auch beim gemeinsamen Rugby gucken, Kava darf auf keinen Fall fehlen.

Rugby ist in Fidschi ein großes Thema, oder? Ja. Rugby, würde ich auch durchaus als Tradition bezeichnen. Rugby ist mit Abstand Nationalsport Nummer eins. Egal wo man sich befindet, Rugby wird in allen Altersgruppen gespielt und die bunten Trikots der lokalen Teams sind nicht zu übersehen. Um Verletzungen zu vermeiden, wird allerdings meist das weniger gefährliche „Touch-Rugby“ gespielt. Das fidschianische Siebener-Rugbyteam ist seit dem Erfolg in Rio ja auch in unseren Gegenden durchaus bekannt.

Wie wirst Du die Weihnachtsfeiertage verbringen? Weihnachten werde ich im kleinen Kreis mit einigen befreundeten Novizen verbringen. Ich bin schon sehr gespannt wie die Feier hier ablaufen wird und freue mich wirklich schon darauf. Gerade zu festlichen Anlässen gibt es meistens ‚Lovo‘. Dabei werden Steine auf einem Lagerfeuer erhitzt, auf denen dann später das Fleisch und Gemüse mit Palmblättern abgedeckt langsam garen kann. Diese Methode verleiht dem Essen eine leicht rauchige Note und auch die Konsistenz ist sehr besonders und äußerst lecker. Eins ist sicher, eine ordentliche Ration Kawa darf an Weihnachten natürlich nicht fehlen, gibt ja schließlich was zu feiern!

Und was machst Du an Silvester? Silvester werde ich in Nadi verbringen, wo es hoffentlich eine fette Party geben wird. Im Oktober war ich doch sehr verwundert, als ich Feuerwerk in lokalen Supermärkten und Geschäften sah. Das lag allerdings an dem Hindu-Feiertag ‚Diwali‘. An dem Tag wird an den Gott des Lichts erinnert. Leider war die Nacht sehr regnerisch, weshalb nicht wirklich geböllert wurde. Ich denke, dass der Jahreswechsel in diesem Jahr umso mehr richtig zünden wird – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was wünschst Du Dir für 2018? Ich wünsche mir weiterhin noch eine gute Zeit in Fidschi verbringen zu dürfen und auf viele spannende Menschen zu treffen. Der Großteil meines Freiwilligendienstes steht erst noch an. Die im November gestartete Zyklonsaison wird noch bis ungefähr April anhalten. Ich wünsche mir auf jeden Fall vor einem verheerenden Sturm wie „Winston“ 2016, verschont zu bleiben. Damals haben sehr viele Fidschianer ihr Zuhause verloren. Die Schäden sieht man heute noch.

Was hast Du bisher gelernt bzw. nimmst du für dich nach dem Aufenthalt mit? Meine bisherige Zeit in Fidschi war schon eine unglaublich bereichernde Erfahrung für mich. Jeden Tag lerne ich etwas Neues dazu und darf einen weiteren, meist sonnigen Tag erleben. Als Freiwilliger bin ich in der glücklichen Situation nicht nur die Strände und Touri-Attraktionen erleben zu dürfen. Ich bekomme die Chance tiefer in die Kultur einzutauchen und auf viele ‚Locals‘zu treffen, die uns meist mit offenen Armen empfangen. Die Menschen hier sind sehr daran interessiert Geschichten und Erfahrungen aus Deutschland und Europa zu hören, um sich ein Bild machen zu können.

Das Leben ist schon anders als in Deutschland, oder? Ja, den Alltag in Deutschland habe ich oftmals als stressig und durchgeplant empfunden. Hier in Fidschi herrscht eine andere Zeit, ‚Fijitime‘. Das sagt man, wenn es manchmal etwas länger dauert oder man auch mal eine halbe Stunde oder Stunde auf den Bus warten muss. Anfangs habe ich Situationen wie diese als sehr störend und nervend wahrgenommen. Aber gerade die Geduld ist eine Eigenschaft, die ich auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen werde. Auch die Lebensfreude und der Zusammenhalt untereinander sind Aspekte, die ich ständig erlebe und sehr schätze.

Eine Frage noch: Du trägst jetzt Rock?

Diese Röcke nennt man ‚Sulu‘. Der Sulu ist Teil der traditionellen Nationalkleidung. Er ist angenehm zu tragen, speziell auch im Schneidersitz. Nicht nur Männer, sondern wirklich alle Menschen in unserem Umkreis tragen Sulu, weil es eben Tradition ist. Ich bevorzuge aber doch eher eine kurze Hose. Aber gerade zu festlichen Anlässen wie in dem Fall zur Abschlussfeier der Schüler aus dem zweiten Jahr oder beispielsweise auch in der Kirche zur Messe muss der Sulu schon sein. Da alle den tragen, habe ich kein Problem damit.


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