Diakoniepastorin bald im Ruhestand Doris Schmidtke: Frauen ermutigt

Das Büro in Osnabrück hat Doris Schmidtke bereits in der vergangenen Woche geräumt. Akten und andere Unterlagen sortiert die langjährige Superintendentin nun zu Hause in Hilter in die Regale ein. Foto: Horst TroizaDas Büro in Osnabrück hat Doris Schmidtke bereits in der vergangenen Woche geräumt. Akten und andere Unterlagen sortiert die langjährige Superintendentin nun zu Hause in Hilter in die Regale ein. Foto: Horst Troiza

Hilter. Nach fast 40 Dienstjahren als Pastorin und Superintendentin wird am Samstag Doris Schmidtke mit einem Gottesdienst in St. Katharinen in Osnabrück verabschiedet. Auch aus dem Ruhestand bleibt die zuletzt als Diakoniepastorin tätige Theologin aktiv und wird weiter dem Aufsichtsrat der DIOS-Diakonie Osnabrück Stadt und Land und dem Kuratorium der Diakoniestiftung Osnabrücker Land angehören.

Frau Pastorin, Sie haben 14 Jahre lang als Superintendentin den Kirchenkreis Georgsmarienhütte geleitet. Vor welchen Aufgaben haben Sie in jenen Jahren gestanden, was war besonders zu bewältigen gewesen?

In der ersten Dekade nach der Jahrtausendwende hatte es gravierende finanzielle Einschnitte gegeben. Bei uns fielen sie noch härter aus als in den umliegenden Kirchenkreisen. Schmerzlich war, dass wir uns damals von etlichen Mitarbeitern trennen mussten, was in den Kirchengemeinden nicht immer leicht zu vermitteln gewesen ist. Das ist auch mir persönlich sehr nahegegangen. Wir haben auf die Entwicklungen reagiert, Instrumente wie Fundraising, Freiwilligenmanagement geschaffen, die Stiftung gegründet. Zeit und Kraft hat auch die Zusammenlegung der Kirchenkreise und Kirchenkreisämter gekostet. Im Ergebnis sehe ich Letzteres heute allerdings noch als entwicklungsfähig. Die Kirchenkreisgremien haben sich gut zusammengefügt, doch die Identität der evangelischen Kirche im Osnabrücker Land ist noch entwicklungsfähig

Frau Schmidtke, was haben Sie aus dieser Zeit als besonderes Ereignis in Erinnerung behalten?

Da war vor allem die Phase, in der Frauen in Leitungspositionen der evangelischen Kirche im Land wie auch der Region präsent gewesen sind. Margot Käßmann bekleidete das Amt der Landesbischöfin, Doris Janssen-Reschke war Landessuperintendentin und ich Superintendentin in GMHütte. Ich denke, das hat viele andere Frauen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen.

Was haben Sie nicht erreichen können?

Geschlechtergerechtigkeit. Der Frauenanteil an Leitungsgremien in der evangelischen Kirche ist heute eher weniger geworden, obwohl Frauen in der Kirche die Mehrheit stellen. Ebenso wäre ich gern stärker auf die Frage über den Umgang mit dem dritten Geschlecht eingegangen: Was bedeutet die geschlechtliche Differenzierung für unser Denken und für unser Handeln, das von der Einteilung in Mann und Frau geprägt ist, etwa bei Taufen oder im Konfirmandenuntericht.

Was wird perspektivisch noch an Herausforderungen auf die Kirche zukommen?

Als nächstes stehen im März die Kirchenvorstandswahlen an. Wir haben inzwischen gelernt, dass Ehrenamtliche Begleitung und Zuspruch benötigen, Unterstützung, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können.

Wie steht es um die Ökumene, die Zusammenarbeit der beiden großen christlichen Konfessionen?

Das geht zum großen Teil gut. Caritas und Diakonie arbeiten seit geraumer Zeit zusammen, deren Stiftungen ebenfalls. Im gerade erst vergangenen Lutherjahr war gut zu spüren, wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Ökumene ist. Bei allen Bemühungen um Gemeinsamkeit gibt es aber noch Unterschiede, wie zum Beispiel den Zugang der Frauen im Priesteramt.

Sie waren jetzt vier Jahre lang als Diakoniepastorin tätig. Was ist in dieser Zeit geschehen?

Wir haben in dieser Zeit einiges voranbringen können, so etwa die Konferenz der Diakonie in Stadt und Landkreis Osnabrück. Ich bin Gründungsmitglied und kann sagen, dass sie sich prächtig entwickelt hat. Sie ist der Zusammenschluss von mehr als 40 Trägern diakonischer Einrichtungen. Unter ihrem Dach sind rund 5500 Mitarbeiter beschäftigt. Ich bin gewählte Vorstandsvorsitzende, trete aber im Februar zurück.

Da sind wir bei einem anderen Thema. Wie wird Ihr Ruhestand aussehen?

Ich werde weiterhin ehrenamtlich im Aufsichtsrat der DIOS - Diakonie in Stadt und Land tätig bleiben, ebenso im Kuratorium der Diakoniestiftung Osnabrücker Land. Privat hat die Haussuche oberste Priorität. Mein Mann, Bernd Knoblauch, arbeitet noch gut ein Jahr als Pastor der Johannes-der-Täufer-Kirchengemeinde Hilter, dann tritt auch er in den Ruhestand ein und wir verlassen das Pfarrhaus hier in Hilter. Wir bleiben auf jeden Fall im Osnabrücker Land. Wenn ich sonst noch Zeit habe, werde ich Radfahren oder Schwimmen gehen, Lesen und mich um meine fünf Enkelkinder kümmern.


Doris Schmidtke wurde am 3. Juni 1952 in Krummendeich im Landkreis Stade geboren.

Nach dem Abitur 1971 in Stade studierte sie Theologie in Göttingen und Heidelberg, legte 1976 die erste theologische Prüfung, 1978 die zweite ab. Erste berufliche Stationen nahm sie im Kirchenkreis Lüchow und Land Hadeln wahr. Danach war sie sechs Jahre lang für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Stade zuständig, bis sie am 1. 10. 1998 Superintendentin in GMHütte wurde. Mit ihren Amtskollegen aus Bramsche, Melle und Osnabrück leitete sie ab 2007 den Prozess der Neuordnung der Evangelischen Kirche im Osnabrücker Land ein. Von November 2011 bis April 2013 war sie Vorsitzende des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreisverbandes Osnabrück, vom 1. Januaer 2013 an Diakoniepastorin des Kirchenkreisverbandes.

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