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Zukunft des Geländes unklar Herzlaker Gut Einhaus teilweise in neuem Besitz

Von Tim Gallandi | 09.02.2017, 18:45 Uhr

Das als Reitsportzentrum bekannte Gut Einhaus am Rande von Herzlake erlebt einen Besitzerwechsel: Der ukrainische Milliardär und Reitsportmäzen Oleksandr Onischtschenko hat einen Teil des Geländes an eine Ukrainerin veräußert. Die künftige Nutzung des Geländes ist indes unklar.

„Eine Landsfrau von Oleksandr Onischtschenko aus der Ukraine hat große Teile dieses Bereichs gekauft und übernommen“, erklärte Hans Bösken. Auf Anfrage bestätigte der Herzlaker Gemeindebürgermeister damit entsprechende Informationen unserer Redaktion. Über die Kaufsumme wollte Bösken keine Angaben machen. Auch die Verwaltung um Gemeindedirektor Günter Bölscher hält sich mit Details bedeckt.

Der scheinbare Rückzug Onischtschenkos markiert eine weitere Etappe einer Entwicklung, die im Frühsommer 2016 ihren Anfang nahm: Damals hatte der Reitsportförderer 44 seiner Pferde an das Gestüt von Paul Schockemöhle verkauft, womit zwischenzeitlich auch die Teilnahme des Emsbürener Springreiters René Tebbel an Olympia in Rio de Janeiro gefährdet schien. Letztlich konnte Tebbel in Rio starten, da Schockemöhle die Pferde dem ukrainischen Team zur Verfügung stellte.

 (Weiterlesen: Olympiastart für René Tebbel gefährdet) 

Immunität entzogen

René Tebbel hatte die Springreiter-Equipe der Ukraine seit 2013 trainiert und war später selbst wieder in den Sattel gestiegen. Als Stützpunkt für die Mannschaft hatte Oleksandr Onischtschenko, selbst aktiver Reitsportler und seit 2002 Präsident des ukrainischen Reitsportverbands, das Gut Einhaus in Herzlake erworben.

Der heute 47-jährige Onischtschenko war durch Geschäfte in der Erdgasbranche zum Milliardär geworden. Später stieg er auch in die Politik ein und zog 2012 als Abgeordneter ins ukrainische Parlament. Wegen des Verdachts der Korruption wurde Onischtschenko dann im Juni 2016 die parlamentarische Immunität entzogen: Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit anderen Offiziellen des staatlichen Gasunternehmens Ukrgazvydobuvannya Gas zu Dumpingpreisen an fiktive Firmen verkauft zu haben. Diese hätten dem Unternehmen das Gas zum Marktpreis wieder zurück verkauft. Die Differenz in Höhe von 120 Millionen US-Dollar sollen die Offiziellen eingestrichen haben. Bei einer Verurteilung drohten Onischtschenko bis zu zwölf Jahre Haft.

Von Verkaufsvorhaben überrascht

Nach Entzug der Immunität tauchte der Politiker unter. Laut ukrainischen Medienberichten von Ende Juli 2016 soll er sich in London aufhalten und dort politisches Asyl beantragt haben.

Zum Verkauf stand das Gut Einhaus ebenfalls seit dem Frühsommer 2016, wie Hans Bösken schildert. Damals hätten er und andere Vertreter der Gemeinde Herzlake sowie des Landkreises Emsland zunächst Gespräche über die künftige bauliche Ausstattung des Gutsgeländes geführt. Dabei habe man mit Architekten und Beauftragten Onischtschenkos zu tun gehabt: „Persönlich bin ich ihm nie begegnet“, sagt der Bürgermeister. Am selben Tag sei die Gemeinde von der Mitteilung eines Oldenburger Maklerbüros überrascht worden, wonach das Gut Einhaus zum Verkauf angeboten werde.

Warten auf Pläne

Betroffen von der nun stattgefundenen Veräußerung an eine Ukrainerin sei der Großteil des Guts; ein kleinerer Teil ist weiterhin in Besitz des Oligarchen. Welche Pläne die neue Besitzerin mit dem Gelände hat, ist Bösken zufolge unbekannt: „Für uns ist das alles unbefriedigend.“

Dennoch ist die Gemeinde nach Worten des Bürgermeisters um Einblicke bestrebt. Derzeit warte man auf Signale seitens der Eigentümerin. Sollte es diese innerhalb der nächsten Wochen nicht geben, will Herzlake selbst die Initiative ergreifen. Auf dem Gut Einhaus, wo es zuletzt rund 30 Arbeitsplätze gab, fehle zurzeit ein direkter Ansprechpartner, da die letzte Verwalterin nach Böskens Informationen nicht mehr im Amt ist. Ebenso unklar sei, wie viele der Beschäftigten dort noch tätig sind.