Überragender Simon Tunkin Musical Night auf der Waldbühne Ahmsen bröckelt

Von Iris Kroehnert

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LÄHDEN. Viel Bekanntes, einiges Neues, bewährte Darsteller, eine Band in Spiellaune, einen souveränen Moderator und einen überragenden Simon Tunkin, sowohl als Darsteller als auch als Sänger, dies bot die jüngste Auflage der Musical Night auf der Waldbühne Ahmsen.

Einmal mehr hieß das Motto „Lass den Zauber entstehen“. Moderator und Bandleader Axel Törber machte neugierig auf neueste Musicalhits, aber auch auf bewährte Klassiker, wie den Songs aus West Side Story. Ein größerer Ausflug nahm die Besucher der Ahmsener Musical Night mit zu Something Rotten, einem Musical, das seit gut zwei Jahren mit großem Erfolg am New Yorker Broadway läuft. Der Titel erinnert nicht von ungefähr an William Shakespeare. Das Stück mit tollen Ideen und viel Selbstironie erfordert allerdings von deutschen Besuchern Sattelfestigkeit in der englischen Sprache. Erzählt wird die Geschichte von einem Brüderpaar in finanziellen Nöten, das Nostradamus trifft und diesen bittet einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Blick in die Glaskugel

Nebenbei liefert Something Rotten eine humorvolle Erklärung, wie das Genre Musical entstanden sein könnte. Simon Tunkin als Nostradamus erklärt beim Blick in die imaginäre Glaskugel: „Es scheint ein Schauspiel zu sein, bei dem die Handlung stoppt, und der Schauspieler anfängt zu singen.“ Sodann führt der Musicalreigen auf der Waldbühne blitzschnell weiter zu Hello Dolly von 1964 und zur Westside Story, die Leonard Bernstein 1957 komponierte und deren Melodien und Musik nach wie vor schön zu hören sind und zu echten Evergreens wurden.

Gefühlvolle Balladen

Viel Beifall gab es für die schmissige Darstellung von „Eye of the Tiger“ aus Rocky, aber auch für gefühlvolle Balladen und schmachtende Liebeslieder, zum Beispiel aus Pocahontas und aus dem unvermeidlichen „The Beauty and the Beast“ oder aus „Ghost“. Beifall auch für Sascha Lien in der Rolle des Prinzen Ali aus Aladdin. Das Disney-Musical läuft in Deutschland seit fast zwei Jahren erfolgreich in der Neuen Flora in Hamburg.

Gründervater der USA

Neugierig machten die Ausschnitte aus dem Musical Hamilton, dem Shooting Star am Broadway, das laut Moderator Törber dort „für zwei Jahre im Voraus ausverkauft ist und den Musicalaward Tony gleich elf Mal einheimste“. Es erzählt die Geschichte von Alexander Hamilton, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten und dem ersten Finanzminister des Landes. Zu begeistern weiß die Musik, die sich starker Elemente aus Hip-Hop und Rhythm and Blues bedient. Auf der Bühne und in der Musik wird ein Spannungsbogen aus dem Kontrast von Moderne und Historie gebildet, was ausgesprochen reizvoll vom Ensemble der Musical Night in Ahmsen dargeboten wurde – mit Simon Tunkin in der Rolle des Alexander Hamilton.

Westside Story

Kurze Ausschnitte wurden auch aus dem Musical-Newcomer A Bronx Tale geboten, das in den 1960er-Jahren spielt und in gewisser Weise die Lebenswelt der Westside Story aufgreift. Für viel Rasanz, Komik und Klamauk sorgte der Ausflug zu Kinky Boots, das im kommenden Dezember seine Deutschlandpremiere im Operettenhaus Hamburg feiern wird. Einen ersten Eindruck der Show voller Glitzer und Glamour und der Musik von Cindy Lauper bekamen bereits die Musical Night Besucher in Ahmsen. In der Rolle der Drag Queen – natürlich – Simon Tunkin, der nicht nur durch Komik überzeugte, sondern auch sicher auf 15 Zentimeter hohen Higheels über die unebenen Steine der Waldbühne wandelte. Chapeau.

Weniger Zuschauer

Trotz der Ausblicke auf brandneue Musicals kam einem als Besucher der Show vieles bekannt vor. Die Darsteller waren exakt dieselben wie im vergangenen Jahr. Wiedererkennungsmerkmale boten auch die Kostüme, Requisiten, die Musik, die Reihenfolge, die Mixtur und der Ablauf. In sofern kann es nicht verwundern, dass der Besucherzuspruch zum Dauerbrenner der Gastspiele auf der Waldbühne zunehmend bröckelt und in diesem Jahr vermutlich hinter den Vorstellungen des Veranstalters zurückgeblieben sein dürfte.


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