Moderne Sprache und Regieideen „Luther“ feiert Premiere auf der Waldbühne Ahmsen

Von Iris Kroehnert


Lähden. Gemessen am großen Beifall nach der Vorstellung, kam das Schauspiel „Luther – im Kampf mit Gott und Teufel“ bei den Premierenbesuchern der Waldbühne Ahmsen sehr gut an.

Zu allermeist erntete das Stück sehr viel Zustimmung und manche kecke Regieidee löste sehr viel Freude und Spaß aus. Doch es waren auch ein paar wenige kritische Stimmen zu hören.

Insbesondere die Rolle des Teufels vermochte den einen oder anderen Theaterbesucher zu irritieren. Doch genau diese Besetzung im aktuellen Stück der Waldbühne darf als ein gelungener dramaturgischer Kniff gesehen werden. Zum einen fungiert der Teufel als Erzähler und zum anderen dient die Rolle dazu, um die innere Zerrissenheit des Luther sichtbar zu machen. Eine Vorgehensweise in der Regie, die auf der Theaterbühne unbedingt als legitim angesehen werden muss. Gerade dieses Stück lebt von der Darstellung des inneren Zwiespalts seines Protagonisten. Eine Schwierigkeit, die Regisseur Bernd Aalken hervorragend gelöst hat.

Zudem standen ihm mit Marcel Grol als Teufel und Matthias Siemer als Luther exzellente und recht unverbrauchte Nachwuchsspieler zur Seite, wenngleich man beide auch schon in verschiedenen Stücken gesehen hat und insbesondere Siemer schon mehrfach auf sich aufmerksam machte. Diesmal war es Grol, der seine Empfehlung für die „erste Garde“ der Waldbühne Ahmsen abgab und den man auch zukünftig in größeren Rollen unbedingt wieder sehen möchte.

Er gab einen modernen coolen Teufel im langen Gothicmantel und in Lederhosen. Und er war aalglatt. Unterstrichen wurde dies durch seine gegelte Frisur, die offenbar dem Irokesenstyling, das Grol noch während der Proben auf seinem Haupt trug, in allerletzter Minute weichen musste. Eine sehr gute Idee!

In weiten Teilen bediente sich Aalken, was vom Grundsatz her auch für die Stückvorlage gilt, einer modernen Sprache, was sicherlich von den meisten Theaterbesuchern als wohltuend empfunden werden durfte. So gelang manches Wortspiel als Witz, der Gelächter erntete. Ein Beispiel: Luther sitzt auf der Wartburg und arbeitet an der Bibelübersetzung. Laut denkt er nach: „In unserer Sprache bedeutet das Wort Wille gleichsam Stärke. Willensstärke… Jemanden deinen Willen aufzwingen. Im griechischen Original bedeutet dieses kleine Wort Leidenschaft, Feuer, Verlangen. Sogar fleischliches Verlangen.“ Der Teufel kontert: „Bedenke, der Schinken ist uralt. Schreib doch einfach: Sex.“

Wette mit dem Teufel

Für nicht mindere Fröhlichkeit sorgte die Wette zwischen Teufel und Luther ziemlich am Anfang des ersten Teils. Der Teufel sagt: „Wir sind moderne Leute – nicht Winnetou und Old Shatterhand. Deine Hand genügt mir.“ Dann geben sich die beiden die Hand, wie Winnetou und Old Shatterhand – und tatsächlich: aus dem Off erklinkt die Titelmelodie der Winnetou-Filme. Da möchte man sich die Ohren reiben. Viele Besucher sprachen nach der Premiere genau diese Szene an. Als besonders lustig wurde der Einfall empfunden und deshalb in Erinnerung behalten. Andere beschrieben genau diese Szene als „befremdlich“, als „an den Haaren herbeigezogen“ und als „überflüssigen Einfall“. Ähnlich erging es der Szene mit den tanzenden und singenden Nonnen, was etwas von „Sister Act“ hatte. Hier teilten sich die Meinungen ebenfalls – wenn auch nicht so stark.

„Die Fassung, die wir aufführen, würde ich nicht als unbedingt historisch bezeichnen“, ließ Aalken bereits während der Proben durchblicken. Die Premiere bestätigt diese Aussage. Stattdessen macht die Aufführung – genau wegen der oben beispielhaft geschilderten Szenen – Spaß und sie ist kurzweilig. Obwohl sie gerade im ersten Teil den Besuchern mit einer Stunde und 25 Minuten ordentlich Sitzfleisch abverlangt. Nach einer 20-minütigen Pause gibt es dann einen Nachschlag in Form von weiteren 45 Minuten.

Geschrieben wurde das Schauspiel von Jethro D. Gründer für den Lutherverein Eisenach. Vertreter des Vereins, darunter Vorstandsmitglied Bernd Spangenberg, waren eigens zur Premiere nach Ahmsen angereist. Josef Meyer, Vorsitzender der Waldbühne Ahmsen, sagte in seiner Begrüßungsansprache mit einem Augenzwinkern und mit Verweis auf das Jubiläumsjahr zur Reformation: „Eigentlich steht es ja bereits seit 500 Jahren fest, dass wir in dieser Spielzeit Luther als Thema aufgreifen.“

Politprominenz in Ahmsen

Eröffnet wurde die Saison an der Waldbühne durch den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der bereits in der Vergangenheit einige Vorstellungen - ob es nun drei oder vier waren, konnte er nicht mehr mit letzter Sicherheit sagen - besuchte. „Oberammergau und Ahmsen, das sind zwei Dinge, bei denen man froh sein sollte, eine Karte zu bekommen“, befand er. In seiner Einführung verwies er darauf, dass die Bibelübersetzung von Luther das meistverkaufte Buch der damaligen Zeit war. „Luther wirkte in die Breite und er löste damals so etwas wie eine Bildungsrevolution aus“, so Wulff weiter. Viel Applaus erntete der ehemalige Bundespräsident für seine Aussage: „Hass darf keine Relevanz in der Auseinandersetzung verschiedener Meinungen haben.“

Ein Wiedersehen mit lokaler Politprominenz gab es im Übrigen auch auf der Bühne. Lähdens ehemaliger Bürgermeister Bernhard van der Ahe hatte offenbar die kommunale Politbühne mit den Brettern, die die Welt bedeuten, getauscht und stand als Statist in der Rolle eines Wächters auf der Bühne. Dies sei als kleine Notiz am Rande festgehalten.

Bühnen- und Kostümbild, Maske sowie Requisite und Volksszenen müssen als rundum gelungen angesehen werden. Deutlich sichtbar war, dass die Technik in Sachen Beleuchtung aufgestockt hat und teilweise sogar farbiges Licht einsetzte. Dazu gab es - vielleicht für den einen oder anderen Geschmack ein bisschen zu viel – Pyrotechnik. Einige neue Gesichter im Ensemble sorgten für Frische und Farbe im routiniert aufspielenden Gesamtensemble.


Weitere Aufführungen

Neben den Kundgebungen der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) am Mittwoch, 31. Mai, und Donnerstag, 1. Juni, jeweils 15 Uhr, stehen folgenden Aufführungen auf dem Spielplan: Samstag, 3. Juni, 19.30 Uhr – mit Vorabendmesse, Samstag, 15. Juli, 19.30 Uhr, Sonntag, 16. Juli, 15.30 Uhr, Samstag, 22. Juli, 19.30 Uhr, Sonntag, 23. Juli, 15.30 Uhr, Freitag, 28. Juli, 19.30 Uhr, Sonntag, 30. Juli, 15.30 Uhr, Samstag, 5. August, 19.30 Uhr – mit Vorabendmesse, Sonntag, 6. August, 15.30 Uhr, Samstag, 12. August, 19.30 Uhr, Sonntag, 13. August, 15.30 Uhr.

Karten sind erhältlich im Vorverkauf unter anderem in den Geschäftsstellen der Meppener und Lingener Tagespost sowie der Ems-Zeitung in Papenburg.