Nordische Schwäne wieder da Weltenbummlerin „Martina two“ im Emsland



HERZLAKE/Rhede. In jedem Winter wiederholt sich im Emsland ein Schauspiel auf großen weißen Schwingen: Sing- und Zwergschwäne verbringen hier die kalte Jahreszeit. Etwa 1850 Tiere waren am vergangenen Wochenende an Ems und Hase.

Gezählt hat sie in diesem Jahr der Ornithologe Werner Schott aus Belm, der schon seit vielen Jahren im Winter das Emsland abfährt und mit einem Klickzähler die Bestände erfasst. Mit dabei waren in den Vorjahren auch der Osnabrücker Biologe Axel Degen sowie Norbert Fehrmann aus Niederlangen.

Die genauen Zahlen dienen dem besseren Verständnis der weißen Vögel und auch ihrem Schutz, wie Axel Degen berichtet. Denn die Schwäne brüten im hohen Norden – in Skandinavien oder Russland – und verbringen den Winter im vergleichsweise milderen Westen. Das Emsland ist für die seltener werdenden Zwergschwäne dabei das wichtigste Überwinterungsgebiet in ganz Deutschland.

Wann genau wie viele Tiere hier tagsüber auf Äckern Mais oder Gras fressen und nachts auf Gewässern schlafen, hängt auch von der Witterung ab. „Wenn es im Osten Deutschlands kälter wird, kommen von dort noch mehr Vögel“, sagt Axel Degen. Der kleine Kälteeinbruch Anfang Januar habe vor allem Hunderte der deutlich größeren Singschwäne ins Emsland fliegen lassen.

„Zwergschwäne sind schon vorher zahlreicher hier gewesen“, sagt Degen. Weil einige Tiere zu Forschungszwecken mit GPS-Sendern markiert worden sind, kann man ihren Weg recht gut verfolgen. Im Winter 2014/2015 hatten britische Biologen 18 Zwergschwäne mit Sendern ausgestattet. Einer von ihnen, „Martina two“ genannt, übernachtet derzeit gerne auf dem Flaarsee bei Rhede und fliegt von dort nicht nur auf angrenzende Äcker zum Fressen, sondern wechselt auch immer mal wieder zur Thülsfelder Talsperre bei Cloppenburg oder ins Hahnenmoor bei Herzlake.

Besonders interessant: Nach ihrer Beringung in Großbritannien war „Martina two“ auf eine große Halbinsel im Nordwesten Russlands im Nordpolarmeer geflogen, um dort in der Tundra zu brüten. Viele Tausend Kilometer vom Flaarsee in Rhede entfernt.

Noch wisse man längst nicht alles über die nordischen Schwäne, sagte Axel Degen. Ein Teil der Tiere brüte westlich des Ural, ein anderer Teil östlich dieses bis zu 2000 Meter hohen Gebirges, das auch einen Teil der asiatisch-europäischen Grenze darstellt.

Im Winter orientiert sich die westliche Population in der Regel gen Westen, also auch ins Emsland. Die östliche fliegt bis nach China. Weil einige mit Halsringen ausgestattete Schwäne aber bis zu fünf Jahre lang nicht in Westeuropa abgelesen wurden und dann im Winter plötzlich wieder in Deutschland oder Niederlanden auftauchten, ist es denkbar, dass diese Tiere vielleicht auch einige Winter in China verbracht haben.

Beweise gebe es dafür bisher nicht, sagt Axel Degen. Aber die nordischen Schwäne wären, wenn es sich bestätigen sollte, noch mehr als bereits bekannt, wahre Weltenbummler.


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