Nachfolgenutzung unklar Fachklinik für Suchtkranke zieht nach Haselünne


Lähden-Holte. Über 25 Jahre gehörte die Fachklinik Holte-Lastrup St.-Josef-Stift für überwiegend alkoholabhängige Patienten zum Alltagsbild im Ortsteil Holte-Lastrup der Gemeinde Lähden. Am Mittwoch verlassen die Patienten endgültig das Ortsbild prägende Gebäude an der Lähdener Straße.

Sie beziehen gemeinsam mit den Patienten der Fachklinik Emsland für Drogenabhängige in Sögel Räumlichkeiten in der neuen Fachklinik Hase-Ems an der Hammer Straße in Haselünne.

Nach einer gemeinsamen Hausrunde mit Patienten und Klinikpersonal werden die Patienten die letzten privaten Utensilien in ihre Koffer packen und auf die Busse warten, die sie in mehreren Etappen nach Haselünne bringen. „Uns allen fällt der Abschied aus Holte-Lastrup sehr schwer“, sagt Bernd Röben, Leiter der Einrichtungen in Trägerschaft des Caritas-Verbandes in Holte-Lastrup und Sögel, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Weinend, weil die Patienten und das Klinikpersonal in Holte „die Ruhe, das Grün und die Stille der Klinikumgebung“ sehr schätzten und immer wieder auf diese Vorzüge hinwiesen. Optimistisch, weil die neue Klinik Hase-Ems in der direkten Nachbarschaft zum St.-Vinzenz-Hospital Haselünne neue Möglichkeiten in den Therapien biete. Lob und Dank zollt er den verschiedenen Vereinen des Ortes, der Kirchengemeinde, der Gemeinde Lähden und der Holter Schule „für die gute Zusammenarbeit in den ganzen Jahren“.

Bis auf zwei Mitarbeiter wechselt nach Angaben Röbens das gesamte Holter Klinikpersonal in die neue Hase-Ems-Klinik. „Das erfüllt mich mit Stolz“, erklärt Röben, der auch die Hase-Ems-Klinik in Trägerschaft des Caritas-Verbandes leiten wird.

Vor rund drei Wochen hat die heiße Umzugsphase in Holte begonnen, von der man zunächst wenig im Tagesablauf bemerkte. Seit einer Woche ist das anders. Und erst recht in den letzten beiden Tagen, bevor morgen Patienten und Personal Holte endgültig verlassen. Immer wieder transportieren Fahrzeuge der Klinik Material, Computer, Akten und vieles mehr Richtung Haselünne. „Den Umzug bestreiten wir mit eigenem Personal“, fasst auch Röben mit an. „Es ist toll, wie besonnen die Patienten auf die Unruhe reagieren“, stellt er ihnen ein sehr gutes Zeugnis aus.

Vertrautheit

Jeder Patient wird beim Umzug nach Haselünne von seinem Therapeuten in sein neues Zimmer in der Hase-Ems-Klinik begleitet. „Das schafft Vertrautheit in der neuen Umgebung“, erläutert der Klinikleiter. Was letztlich noch an Mobiliar und sonstigen Einrichtungsgegenständen von Holte-Lastrup nach Haselünne wandert, hänge auch von der Nachfolgenutzung des Klinikgebäudes in Holte-Lastrup ab.

Welche Nutzung das ab Donnerstag leer stehende Gebäude erfährt, das ist nach Auskunft von Christian Nacke beim Bischöflichen Stuhl in Osnabrück, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung St. Josef, „noch nicht spruchreif. Es laufen mit Hochdruck Gespräche über eine Folgenutzung“, weiß Nacke, dass man „alsbald eine Entscheidung treffen“ müsse. „Das Kuratorium wird sehr zeitnah tagen“, teilte der Kuratoriumsvorsitzende telefonisch mit, um eine Entscheidung herbeizuführen. Lähdens Bürgermeister Bernhard van der Ahe ließ auf Nachfrage unserer Redaktion wissen: „Wir wissen von nichts, wie es weitergehen soll.“ Nach früheren intensiven Gesprächen sei es im letzten halben Jahr mit Informationen aus Osnabrück ruhig geworden, hofft van der Ahe auf eine gute und schnelle Lösung.


Wegen der vielen Tuberkulosekranken erhielt Holte am 12. Februar 1912 in einer Baracke eine Krankenpflegestation mit zwölf Betten, die von zwei Franziskanerinnen aus Thuine betreut wurde. Der 1914 geplante Bau eines festen Gebäudes wurde wegen des Ersten Weltkriegs verschoben. Erst am 15. Oktober 1923 konnte das neue Krankenhaus eröffnet werden. 1927 wurde eine Kapelle angebaut. 1955 und 1958 ist das Haus auf 38 Betten erweitert worden. 1978 kündigte die Landesregierung die Schließung an. 1980 wurde eine Umwandlung in einer Suchtklinik mit 40 Betten beschlossen, die 1987 ihren Betrieb aufnahm. 1996/97 erfolgte eine Erweiterung auf 50 Betten und verbunden mit einer Renovierung, in die 4,5 Millionen Euro investiert worden sind.

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