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Altes Gebäude mit Leben füllen Eine Zukunft für das Haus Witte

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tb Herzlake. Fast scheint es, als seien die letzten Gäste gerade erst gegangen. Auf den Tischen im Schankraum des alten Herzlaker Gasthauses Witte stehen Kerzen neben gefüllten Bierdeckelständern, nebenan im kleinen Versammlungsraum glänzt das Parkett. Aber die Gaststätte direkt am Haseufer steht schon seit vielen Jahren leer. Ex-Bürgermeister Gerd Henkel will das ändern. Er hat das mehr als 100 Jahre alte Gebäude gekauft.

Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist gerade erst trocken – am 16. September hat Henkel das Anwesen, zu dem ein vermietetes Nebengebäude gehört, gekauft. Der langjährige Politiker wolle sich nicht selbst hinter den Tresen stellen und Bier für ein paar Kneipengänger zapfen, sagt er. „Hier sollen sich Kultur und Tourismus treffen und ergänzen. Dafür ist das alte Gasthaus Witte der ideale Ort.“

Groß genug für Vorhaben fast jeglicher Art ist das Haus jedenfalls – 22 mal elf Meter, und das mal drei, es gibt drei Stockwerke. Früher, daran erinnert sich Henkel, „früher wurden große Feste gefeiert im großen Saal.“ Aber der parkettbelegte Raum im zweiten Stock wird schon lange nicht mehr benötigt, „die großen Feste gibt es ja kaum noch“.

Deshalb will Henkel Schritt für Schritt vorgehen und zunächst das Untergeschoss zu einer touristischen Perle des Hasetals weiterentwickeln. Er will näher ran ans Ufer der Hase, damit die Gäste Sommer wie Winter mit Blick aufs Wasser Kaffee trinken können. Die Innenräume sollen umgebaut und modernisiert, die Außenfassade dem jahrzehntealten Ursprungsbild wieder angenähert werden. Vielleicht richtet er oben Gästezimmer ein. „Ich möchte hier kulturelle Veranstaltungen anbieten und es möglich machen, sich generationenübergreifend zu treffen.“

Außerdem setzt er auf Rad- und Flusswanderer, deren Strecken genau an diesem Punkt vorbeiführen. Ein Café oder Bistro, dazu Lesungen, Musik und Literatur – im kommenden Frühjahr soll, wenn alles klappt, der Betrieb starten. „Aber es kann auch länger dauern“, sagt der 64-Jährige. „Das ist schon ein kleines Abenteuer, das ich da begonnen habe. Vielleicht ist es die letzte große Aufgabe in meinem Leben.“

Aus der Politik will sich der UWG-Mann deshalb nicht zurückziehen. Als Bürgermeister und auch danach hatte er mehrfach versucht, einen neuen Nutzer für das Haus zu finden, den Heimatverein, das DRK und schließlich Investoren. Als er niemanden fand, kaufte es Henkel von den Erben der letzten Bewohnerin Magda Witte. Sie hatte bis zu ihrem Tod vor rund fünf Jahren noch mit über 90 Jahren Saal und Kneipe in Ordnung gehalten. Und das, obwohl schon lange niemand mehr hier sein Bier trank.

Nun also will Gerd Henkel sein Glück versuchen, Schritt für Schritt.


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