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„Beerdigung unserer Vorfahren“ „Stolpersteine“ erinnern in Herzlake an das Schicksal der Familie Meyer

Von Willi Rave

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rav Herzlake. Fünf sogenannte „Stolpersteine“, eingelassen in das Pflaster des Gehweges vor dem Haus der Familie Gerd Henkel, erinnern seit dem vergangenen Wochenende in Herzlake an das traurige Schicksal der jüdischen Familie Meyer, die hier bis zu ihrer Deportation beziehungsweise Flucht im Jahre 1941 gewohnt hat.

Die „Stolpersteine“, Betonwürfel mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet, sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. Auch die fünf Herzlaker „Stolpersteine“ wurden von Demnig gefertigt.

Im Rahmen einer eindrucksvollen Gedenkfeier begrüßte Gerd Henkel besonders die aus Israel und den USA angereisten Nachfahren der Familie Meyer, Vertreter von Kirche und Kommune sowie die Mitglieder des „Arbeitskreises Stolpersteine“ um Koordinator Willi Schmitz. Repräsentanten der Kirchen, Michael Grünberg als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück-Emsland, Willi Schmitz und Gerd Henkel nahmen die Verlegung der „Stolpersteine“ vor.

Die darauf befestigten kleinen glänzenden Metalltafeln tragen die Namen von Max und Helene Meyer und von deren Kindern Hans, Grete und Ernst. Karl Hanenkamp verlas die Kurzbiografien, der Posaunenchor untermalte das Zeremoniell. „Deportiert im Dezember 1941 – Riga – ermordet“ steht unter den Namen von Vater und Mutter.

Willi Schmitz, der die Kontakte zu den Nachfahren der „Meyers“ hergestellt hatte, ging beim anschließenden Empfang im Pfarrheim ausführlich auf die Lebensläufe der jüdischen Familie ein. Viehkaufmann Max Meyer habe im Ersten Weltkrieg als deutscher Soldat das Eiserne Kreuz erhalten. Er habe Helene Simon aus Werlte geheiratet, aus der Ehe seien drei Kinder hervorgegangen. Ernst und Grete seien 1939 unabhängig voneinander über Holland und Belgien nach England geflüchtet. Sohn Ernst habe bis zu seinem Tod im Jahre 2006 ein „bewegtes“ Leben geführt. 1945 sei er als englischer Besatzungssoldat ausgerechnet in Herzlake stationiert gewesen. Grete habe England drei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erreicht. Sie sei 1978 verstorben. „Für uns ist diese Gedenkstunde die Beerdigung unserer Vorfahren“, sagte in seiner Ansprache ihr sichtlich bewegter Sohn Mark, der in Florida arbeitet.

Hans, der für ein halbes Jahr ohne Grund in das KZ Oranienburg eingewiesen worden sei, habe Deutschland 1940 verlassen und war nach einer abenteuerlichen Seereise in Haifa gelandet. Bis zu seinem Tod im Jahre 1990 hat er am See Genezareth gearbeitet.


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