Casting für "Heidi" Waldbühne Ahmsen besetzt Rollen des neuen Familienmusicals

Die Kandidatinnen für die Titelrolle der Heidi (von links): Ida Eilers, Hanna Heidkamp, Lilli Albert und Leonie Determann mit Regisseurin Judith Röser. Foto: Tim GallandiDie Kandidatinnen für die Titelrolle der Heidi (von links): Ida Eilers, Hanna Heidkamp, Lilli Albert und Leonie Determann mit Regisseurin Judith Röser. Foto: Tim Gallandi

Lähden. Wer spielt wen im Sommer 2019? Für das Familienmusical "Heidi" hat die Waldbühne Ahmsen Antworten gefunden. Bei einem Casting wetteiferten die meist jungen Mimen um Haupt- und Nebenrollen.

Casting - klar, das kennt man aus dem Fernsehen, wenn nach Supertalenten oder gar künftigen Superstars gesucht wird: Hier die Kandidaten, zwischen sichtlicher Nervosität und äußerer Coolness, dort die strenggesichtigen Juroren, deren Reaktionen von Wohlwollen bis Häme reichen können. Das Auswahlverfahren für das nächste Familienmusical in Ahmsen hätte von solchen Show-Szenarien kaum weiter entfernt sein können.

Anspannung auf der einen Seite und prüfende Blicke auf der anderen lagen zwar auch im Spielerheim der Waldbühne in der Natur der Sache. Doch gerade die Jury - bestehend aus Wintertheater-Chef Hans-Walter Borrmann, Regisseurin Judith Röser, Choreografin Irina Kempel und Regieassistentin Pia Lake - agierte alles andere als scharfrichterlich, sondern freundlich-ermunternd.

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Erster Akt: Heidi

Vier Mädchen im Alter von knapp zwölf bis 13 Jahren trauen sich, für die Titelrolle vorzusprechen - und zunächst vorzusingen. Um dem Quartett die Aufregung zu nehmen, umreißt Röser die Situation: "Versucht mal, ein bisschen herunterzufahren. Die Heidi ist gerade ganz glücklich, sie ist zuhause." Vom folgenden Lied, dessen Melodie per Laptop durch die Lautsprecher geschickt wird, singt jedes Mädchen der Reihe nach ein paar Zeilen - und die Nervosität weicht einer gewissen Lockerheit.

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Als Nächstes steht Schauspielen an - und für Hanna, Ida, Leonie und Lilli die Herausforderung, Heidi in drei Emotionen nach Wahl zu verkörpern: traurig, glücklich, verliebt, erwartungsvoll, was auch immer. Dabei gilt es, sich den gefliesten Spielerheim-Boden eine sattgrüne Alm vorzustellen.

Das Dargebotene liefert den Juroren weitere Anhaltspunkte für ihre Beratung. Nachdem die Mädchen mit Dank zum Warten in den Nebenraum geschickt wurden, wird diskutiert. Wer hat am meisten überzeugt, gesanglich, stimmlich, darstellerisch? Zwei Favoritinnen kristallisieren sich heraus; die Jury steht vor der Qual der Wahl. "Wollen wir nicht beide besetzen - und sie teilen sich die Rolle?", schlägt Regieassistentin Lake mehr im Scherz vor. "Das wäre was ganz Neues", gibt Röser lachend zurück. Letztlich soll es aber doch nur eine Heidi geben. Die Entscheidung wird verschoben, erst einmal will man die Kandidaten für die Rolle des Peter in den Blick nehmen.

Zweiter Akt: Peter

Denn der Geißenpeter, wie er in Johanna Spyris Kinderbuch-Vorlage heißt, ist neben der Titelheldin eine weitere zentrale Figur des Musicals. Vier Anwärter - drei Mädchen, ein Junge - stehen parat, und nach Gesangs- und Schauspiel-Kostproben ist das Jury-Quartett erneut gefordert. Wer könnte den patenten Hirtenjungen am glaubhaftesten auf der Waldbühne verkörpern? Wieder wird nicht sofort entschieden; das Zusammenspiel der Heidis und Peters soll den definitiven Aufschluss geben.

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Ein Auswahlverfahren wie dieses bildet eine Premiere in Ahmsen, und auch Judith Röser, die als Nachfolgerin von Walter Edelmann in ihre erste Spielzeit als Familienmusical-Regisseurin geht, agiert nach eigenen Worten nicht oft mit dieser Art der Rollenvergabe: "Wenn ich die Gruppen gut kenne, entwickelt sich die Besetzung aus der Arbeit." Nun jedoch müssen sich Ensemble und Spielleiterin erst einmal kennenlernen, weshalb ein Casting nahe lag. Bei einem Workshop am Tag zuvor stimmten sich die Mitwirkenden (insgesamt sollen mehr als 60 Leute auf der Bühne spielen, davon 30 in Sprechrollen) erstmals gemeinsam ein. Röser zeigt sich beeindruckt von den Anwärtern:

"Die meisten können sich gut einschätzen. So hatten wir keine 30 Heidis zur Auswahl, sondern nur vier."

Intermezzo: Einsingen

Während die Jury die einen Kandidaten begutachtet, machen sich die anderen ein Stockwerk höher für ihren Auftritt warm, mit besonderem Fokus auf den Stimmbändern. Anne Linnenschmidt ist Sängerin und Musikpädagogin - und hilft der Jury mit ihren Einschätzungen zu den gesanglichen Fähigkeiten der Akteure bei der Entscheidungsfindung. Nun sind drei Anwärterinnen auf die Rolle des Fräulein Rottenmeier dran. Beim Einsingen verleihen sie der strengen Gouvernante, auf die Heidi während ihrer Zeit in der Großstadt trifft, diktatorischen Habitus.

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Dritter Akt: Heidi und Peter

Als die potenziellen Heidis und Peters miteinander agieren sollen, kommt es besonders auf Kreativität und Improvisationstalent an: Röser fordert sie auf, ein Kinderspiel (Fangen, Seilspringen oder Ähnliches) in die kurze Szene einzubauen. Außerdem müssen sie auf Zuruf der Regisseurin auf Unvorhergesehenes reagieren, etwa einen Wolkenbruch oder eine plötzliche leichte Verletzung.

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Vierter Akt: Die Entscheidung

Am Ende fällt die Wahl der Jury auf Hanna Heidkamp als Heidi. Sie wird damit erstmals eine Hauptrolle übernehmen "und hat uns alle überrascht", so die Regisseurin. "Denn sie wollte sich anfangs nur für die Rolle der Klara bewerben." Neben ihr auf der Waldbühne spielen werden Lea Nee als Peter sowie (um ein paar weitere Besetzungen zu nennen) Christoph Deters als Alm-Öhi, Annalena Loddeke als Dete und Hannah Taubken als Fräulein Rottenmeier.

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Wie geht es weiter?

Da nun die Rollen vergeben sind, folgt am 1. März die erste Probe, kündigt Judith Röser an. In den nächsten Wochen werden sich die Akteure demnach an das Stück und ihre Figuren heranpirschen. Das Arbeiten an den Rollen soll dazu dienen, diese glaubwürdiger darstellen zu können. Auf dem Programm steht später, voraussichtlich Anfang Mai, ein Theatercamp, bei dem das Ensemble ein Wochenende lang auf der Waldbühne proben wird. Ende Mai, Anfang Juni beginnt dann die Schlussphase der Proben, ehe "Heidi" am Sonntag, 16. Juni, um 15.30 Uhr Premiere feiert.

Zur Sache

"Heidi" als Musical
Das Kinderbuch "Heidi" von Johanna Spyri ist mehrfach für Film und Fernsehen adaptiert worden; unter anderem existieren mehrere Spielfilme und eine japanische Zeichentrickserie. Die Geschichte des Waisenmädchens Heidi, das erst beim einsiedlerischen Großvater Alm-Öhi in den Alpen, später in der bürgerlichen Gesellschaft Frankfurts lebt, existiert darüber hinaus in zwei Fassungen als Musical. Die jüngere, mit Musik von Michael Schanze, feierte erst im Oktober 2018 in Wien Premiere. Auf der Waldbühne Ahmsen wird jedoch die 2006 uraufgeführte Version zu sehen sein. Musik und Texte stammen von Claus Martin.



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