Feuerwerk aus Moabit Jazztrio Berlin 21 gibt denkwürdiges Konzert im Theater Meppen

Von Daniel Lösker

Herausragendes Jazztrio: Thibault Falk (Piano), Martin Lillich (Kontrabass) und Torsten Zwingenberger (Schlagzeug). Foto: Daniel LöskerHerausragendes Jazztrio: Thibault Falk (Piano), Martin Lillich (Kontrabass) und Torsten Zwingenberger (Schlagzeug). Foto: Daniel Lösker

Meppen. Das Jazztrio Berlin 21 steht für das quirlig-multikulturelle Lebensgefühl Moabits. Die Eigenkompositionen, sprudeln vor Musizierfreude, quirlig natürlich auch, aber selbstverständlich und zum Glück nicht ausschließlich. Schlagzeuger Torsten Zwingenberger, Kontrabassist Martin Lillich und der für den erkrankten Lionel Haas eingesprungene Pianist Thibault Falk zündeten im Theater Meppen ein Jazz-Feuerwerk der Extraklasse.

Da ist „Zimbaterranean“, eine Musikverflechtung afrikanischer und mediterraner Einflüsse im 6/4-Takt, welche, im Zusammenspiel mit dem auch nicht gerade gewöhnlichen 9/8-Metronom, zu einer wilden Achterbahnfahrt wird, die in punktierten Vierteln pulsierend auch den größten Skeptiker zu einem Fan werden lässt.

Es folgen „Povo Nuevo“, „Wedding Waltz“ oder „Kayesa Inn“. Letzteres beginnt mit einem ausgedehnten Percussions-Solo, dass in die afrikanische Savanne entführt, entwickelt dann einen Sog, dem nicht mehr zu entkommen ist und endet unter dem Jubel des Publikums brachial gewaltig. Lillichs Bass-Soli haben Kultcharakter. Aberwitzige Tempofahrten auf den Saiten der Bassgeige, lassen die dem Instrument mitunter nachgesagte Trägheit zu einem flirrenden Schwebezustand kondensieren.

Autodidakt als treibende Kraft

Zwingenberger ist nach eigener Aussage Autodidakt am Schlagzeug. Wer ihn sieht und vor allem hört, kann und wird dies nicht glauben. Er ist die treibende Kraft des Ensembles und besitzt offenbar mehr als vier Gliedmaßen. Artistisch und dennoch präzise gibt er dem Schlagzeugspiel eine neue Dimension. Mitunter ist das ein wenig dominant. Wenn aber eine Berliner Jazz-Ikone, wie Lillich den Bass spielt und Falk am Piano sitzt, dann hält das Konstrukt.

Das außergewöhnliche Klavierspiel Falks lässt sich schwer in Worte fassen. Der in Frankreich geborene Musiker wirkt beinahe demütig vor dem großen Steinway-Flügel, bevor er zu spielen beginnt. Doch mit dem ersten Ton kommt pures Vergnügen auf. Dabei ist seine Art, den Jazz zu interpretieren, von einer edlen Reinheit, wie man sie heutzutage nur selten geboten bekommt. Ein Intro wird unter seinen Händen schon mal zu einem kleinen klassischen Klavierkonzert und bleibt dennoch dem Genre treu.

Die Meppener Zuhörer erleben Außergewöhnliches, das wird bei Berlin 21 sofort klar. Jene, welche an diesem Abend etwas Besseres vorzuhaben glaubten, werden traurig feststellen müssen, dass sie ein herausragendes und denkwürdiges Musikereignis verpasst haben.


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