Mit dem Trecker in die Klinik Schwangerentransport im Winter 1979 in Herzlake

In Schneeverwehungen steckengebliebene Autofahrer fragten bei Familie Vorjans in Herzlake um Hilfe nach. Foto: Rudi RickersIn Schneeverwehungen steckengebliebene Autofahrer fragten bei Familie Vorjans in Herzlake um Hilfe nach. Foto: Rudi Rickers

Herzlake. Mit besonderen Erlebnissen verbunden ist für Leserin Hildegard Vorjans die Erinnerung an den Jahresanfang 1979:

„Es ist noch so, als wenn es erst kürzlich wäre, ich kann mich noch bildlich daran erinnern. Das Weihnachten 1978 verlief ähnlich wie in diesem Winter: Seit Tagen regnete es, jeder war am Jammern, dass es kein schönes Weihnachten war, immer nur Regen, kein Schnee, also keine weiße Weihnacht.. Aber kurz vor Sylvester schlug das Wetter um, es fing an zu schneien und es schneite immer weiter, bis um Mitte Januar nichts mehr ging.

Als schönste Erinnerung weiß ich noch, dass wir nach der morgendlichen Fütterung unserer Schweine und Bullen uns im Wohnzimmer vor dem Fenster hinsetzten, und nur aus dem Fenster schauten und auf eventuelle Besucher warteten, die unbedingt irgendwo hin wollten und dabei im hohen Schnee stecken blieben, und bei uns um Hilfe baten. Wir wohnen an der L55, also an einer Landesstraße, auf der unter normalen Umständen immer viel Verkehr herrscht. In diesen Tagen, wie gesagt, kamen nur „Schneebrüchige“ zu uns, denen mein Mann dann mit unserm Schlüter-Trecker half, das jeweilige Auto herauszuziehen und wieder auf die richtige Spur zu bringen. Das zog sich so über etliche Tage hin, ich habe auch seit jener Zeit nie wieder so müßig vor diesem Wohnzimmerfenster gesessen und einfach nur Kaffee getrunken.

Am 26. Januar heiratete mein Schwager, es lag immer noch viel Schnee, meine Schwägerin trug sogar weiße Lackstiefel unter ihrem langen Brautkleid. Am Montag nach der Hochzeit statteten meine Schwiegereltern ihnen einen Besuch ab, um Geschenke und Glückwunschkarten eingehend zu betrachten und auch eine Nacht in ihrem neu umgebauten Haus zu verbringen. An dem Tag, an dem wir sie zurückerwarteten, begann es wieder mächtig zu schneien, dabei kam auch noch ein starker Wind auf, so dass die Schneemassen ordentlich verwehten und man die Straßen weder befahren, noch erkennen konnte. So blieben meine Schwiegereltern noch fast 14 Tage bei meinem Schwager und wir hatten somit die Gelegenheit, mal endlich für uns alleine zu sein, wir haben die Zeit genossen.

Eine zweite Episode bleibt mir auch in lebhafter Erinnerung. Unsere Nachbarin erwartete zu der Zeit ihr drittes Kind. Als am Abend des 13. Februars die Wehen die baldige Geburt ankündigten, musste sie schnell handeln, sie rief den Nachbarn an und bat ihn, sie mit seinem Trecker in die zehn Kilometer entfernte Geburtsklinik zu fahren, damit das Kind auch unbeschadet zur Welt kommen würde und nicht im eigenen Schlafzimmer. Zu der Zeit waren die Hausgeburten noch nicht so populär. Auf jeden Fall kam das Kind am 14. Februar gesund zur Welt. Lediglich unsere nachbarschaftlichen Besuche zum neuen Erdenbürger verlegten wir dann in die schneefreie Zeit, als Mutter und Kind wieder zuhause waren.“


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