Zweiter Vorfall bei Landtagsvize Busemann Dörpen und Herzlake: Wieder Schafe im Emsland gerissen

Von Tobias Böckermann und Gerd Schade

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Ein totes Schaf ist in der vergangenen Woche in Dohren entdeckt worden. Weil der Verdacht besteht, es könnte von einem Wolf getötet worden sein, hat Wolfsberater Björn Wicks die Spurenlage untersucht. Foto: Björn WicksEin totes Schaf ist in der vergangenen Woche in Dohren entdeckt worden. Weil der Verdacht besteht, es könnte von einem Wolf getötet worden sein, hat Wolfsberater Björn Wicks die Spurenlage untersucht. Foto: Björn Wicks

Herzlake/Dörpen. In der Herde von Landtagsvizepräsident Bernd Busemann sind erneut Schafe getötet worden. In den letzten Wochen mehren sich nicht nur durch diesen weiteren Fall auch im Emsland die mutmaßlichen Nutztierrisse durch Wölfe. Denn auch in der Samtgemeinde Herzlake sind Schafe gerissen worden.

Wie der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, auf Anfrage bestätigte, sind am Dienstag der vergangenen Woche im Naturschutzgebiet Hahnenmoor bei Herzlake zwei Schafe einer großen Landschaftspflegeherde zu Tode gekommen. Sie waren durch einen flexiblen Elektrozaun und einen Herdenschutzhund geschützt. Am Mittwoch wurden dann zwei Schafe eines anderen Besitzers in Dohren angegriffen. Eines war sofort tot, ein Zweites musste eingeschläfert werden. Am Montag ist nach Angaben von Wolfsberater Björn Wicks ein möglicherweise vom Wolf getötetes Schaf in Wieste bei Werlte entdeckt worden.

Wie viele Wölfe gibt es im Emsland? Foto: Tobias Böckermann


Der Dörpener CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Busemann geht davon aus, dass für den Tod seiner Schafe „wieder ein Wolf“ verantwortlich ist. Bewiesen ist das bisher aber ebenso wenig wie beim ersten Übergriff auf seine Herde Anfang Oktober (wir berichteten).

Damals waren fünf Mutterschafe und drei Lämmer getötet worden, diesmal beklagt Busemann vier tote Schafe, „zum Teil übel zugerichtet und schwer zerfressen“, wie der Hobbyzüchter am Dienstag auf Anfrage erklärte. Busemann züchtet seit 30 Jahren das im Bestand bedrohte Bentheimer Landschaf. Seine Herde mit mehr als 100 Schafen, darunter bis zu 80 Muttertiere, weidet auf einer Fläche von knapp 20 Hektar zwischen Küstenkanal- und Emsbrücke.

Nach dem zweiten Vorfall habe er die Schafe nun aber gezwungenermaßen vorzeitig in ein geschlossenes Winterquartier gebracht. „Ich kann sie doch dem Wolf nicht sehendes Auges zum Fraß vorwerfen“, sagt Busemann.

Kein Verständnis

Kein Verständnis hat er dafür, dass das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nach inzwischen mehrwöchiger Prüfung noch immer nicht sagen könne, ob es sich bei dem ersten Vorfall um einen Wolfsriss handele. Busemann hält es für gut möglich, dass Wölfe nach dem Moorbrand im emsländischen Bundeswehrschießgebiet in Nachbarreviere ausgewichen sind.

Überdies zeigt sich der CDU-Politiker fest davon überzeugt, dass die Zahl der tatsächlichen Wolfsrisse in Niedersachsen weitaus höher ist, als derzeit offiziell registriert. „Viele Landwirte und Züchter melden ihre Vorfälle nicht, weil sie die Scherereien mit den Behörden nicht haben wollen“, meint Busemann.

Nach seiner Auffassung muss in der Debatte um den Wolf „endlich Klarheit her“, um die Bevölkerung nicht weiter zu verunsichern. Überdies bringe die wachsende Wolfspopulation „die ganze Natur durcheinander“. Wenn es bis zum kommenden Frühjahr keine klare Regelung gebe, werde er seine Schafzucht wohl oder übel aufgeben müssen, sagte Busemann.

Auswertung dauert Wochen

In allen geschilderten Fällen laufen die Untersuchungen noch. Es ist also noch nicht klar, ob tatsächlich ein Wolf für die Angriffe verantwortlich ist. Ehrenamtlich im Auftrag des Landes tätige tätige Wolfsberater haben in allen Fällen das Schadensbild nach genauen Vorgaben dokumentiert und wo möglich, Genproben genommen. Die Auswertung dieser Proben dauert in der Regel mehrere Wochen.

Auch in der Nachbarschaft des Emslandes gab es zuletzt mehrere Vorfälle. Allein im Oktober hatte es im Landkreis Leer vier mutmaßliche Wolfsrisse gegeben – auch hier stehen die Ergebnisse noch aus. In Weener und Bunde war jeweils ein Kalb getötet worden, in Ditzum zwei Kälber und in Pogum drei Schafe. Das Land Niedersachsen listet für 2018 bisher rund 200 Fälle auf, bei denen möglicherweise Wölfe Nutztiere getötet haben (wir berichteten). In gut der Hälfte der Fälle hat man den Wolf als Verursacher nachgewiesen – der Rest ist nicht zu klären oder noch in Bearbeitung. In 26 Fällen wurde der Wolf als Verursacher ausgeschlossen.

Nutztierrise häufen sich. Der Wolf steht im Verdacht. Foto: Tobias Böckermann


Und auch in den Niederlanden mehren sich Wolfsrisse, nachdem sich die Wolfspopulation aus Deutschland kommend dorthin ausgebreitet hatte. 2018 wurden 150 Schafe von einem Wolf getötet und die Regierung in Den Haag strickt mit Hochdruck an einem Konzept, das den Umgang mit dem Wolf regeln soll. Vorgesehen ist einem Bericht des Algemeen Dagblad zufolge, dass zunächst auf Ebene der einzelnen Provinzen wie etwa Drenthe entschieden wird, wie mit einzelnen Wölfen umzugehen ist, die vielleicht aggressiv gegen Menschen werden oder wiederholt gut geschützte Nutztiere reißen. Eine Tötung solcher Wölfe soll unter strengen Vorgaben möglich sein – Vorrang soll aber der Schutz der Weidetiere durch die Viehhalter haben. Auch wird der grundsätzliche Schutz der Wölfe bislang nicht angetastet.


Wie viele Wölfe gibt es im Emsland?

Aktuell gibt es im Emsland ein nachgewiesenes Wolfsrudel mit sechs Welpen. Allerdings sind nach Angaben der Landesjägerschaft in jüngster Zeit drei unterschiedliche Fähen, also weibliche Tiere, genetisch nachgewiesen worden. Eine handfeste Erklärung dafür gibt es aber noch nicht. Denn bislang ist es nicht gelungen, die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den drei Tieren zweifelsfrei zu klären. Möglich wäre, dass es sich bei allen drei Tieren um Mitglieder des gleichen Rudels handelt oder dass es mehr als ein Wolfsterritorium im Emsland gibt.

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