Beginn 2019 mit „Heidi“ Waldbühne Ahmsen hat neue Familienmusical-Regisseurin

Die Kulissen der Waldbühne Ahmsen werden für die neue Familienmusical-Regisseurin Judith Röser nicht mehr lange ungewohnt sein. Im kommenden Frühjahr starten die Proben für „Heidi“. Foto: Tim GallandiDie Kulissen der Waldbühne Ahmsen werden für die neue Familienmusical-Regisseurin Judith Röser nicht mehr lange ungewohnt sein. Im kommenden Frühjahr starten die Proben für „Heidi“. Foto: Tim Gallandi

Lähden. Das Familienmusical auf der Waldbühne Ahmsen steht vor dem Beginn einer neuen Ära. Federführend dabei ist Regisseurin Judith Röser als Nachfolgerin von Walter Edelmann. Erstes Stück unter ihrer Ägide wird „Heidi“.

Mit der Übernahme der Regie auf der Waldbühne im Lähdener Ortsteil stößt Judith Röser in ungewohnte Dimensionen des Inszenierens vor. Nicht dass sie in ihrem Metier eine Anfängerin wäre: Die diplomierte Tanz- und Theaterpädagogin sowie Schauspielerin und Regisseurin ist seit gut zwei Jahrzehnten auf und neben der Bühne aktiv, blickt auf zahlreiche Projekte, darunter Kindermusicals, in ganz Deutschland zurück. Auch auf Freilichtbühnen hat sie schon gespielt, zuletzt im vergangenen Sommer in Melle, wo sie die Mutter im Musical „Schlager lügen nicht“ gab.

Aber Ahmsen wird dann doch eine ganz neue Erfahrung, zumal sie bislang nur in überdachten Theatersälen Regie führte, wo die Bühnen deutlich kleiner sind und die Ensembles weniger Köpfe zählen. Die 39-Jährige freut sich auf die Herausforderung der erweiterten Dimensionen: „Große Raumbewegungen auf der Bühne haben mich immer fasziniert“, sagt sie und bekundet: „Ich liebe Musik und Tanz – und die Verbindung aus Schauspiel, Tanz und Gesang.“ Beste Voraussetzungen also für den neuen Job.

Mit viel Energie

Den Platz auf dem Regiestuhl der Ahmsener Familienmusicals übernimmt Röser von Walter Edelmann. Dieser hatte die Inszenierungen seit 1990 geleitet, ehe er sich zum Abschluss der jüngsten Spielzeit aus gesundheitlichen Gründen verabschiedete. Bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin hörte sich der Vorstand der Waldbühne in der Theaterszene um, wie die stellvertretende Vorsitzende Sarah Cordes schildert. Über das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) in Lingen, wo Judith Röser bereits gewirkt hatte, ergab sich der Kontakt zur Kandidatin.

Diese lernte die Waldbühne bei einer Aufführung von „Die kleine Hexe“ kennen: „Es ist spannend, wie viele Menschen mit viel Energie hier arbeiten“, findet sie. Und nach Gesprächen mit dem Vorstandsteam um den Vorsitzenden Josef Meyer wurde klar, dass offensichtlich die Chemie stimmt. Sie erhielt das Okay und kann loslegen.

Judith Röser wuchs in Bad Essen auf, studierte später in Köln, Lingen und Regensburg, arbeitete unter anderem in Dortmund. Heute lebt sie mit Mann und drei Kindern in Osnabrück. Als Familienmusical ihrer Premierensaison 2019 wurde „Heidi“ ausgewählt, nicht zuletzt, da das Waldbühnen-Publikum bei einer Probeabstimmung mehr Beifall dafür spendete als für den Alternativkandidaten „Käpt’n Sharky“. Eine Entscheidung, mit der die neue Regisseurin zufrieden ist: „Das ist ein Stück, das auch meine Kinder sehr mögen“, sagt sie.

Generationsübergreifend

Die Geschichte des Waisenmädchens Heidi, das erst beim einsiedlerischen Großvater Alm-Öhi in den Alpen, später in der bürgerlichen Gesellschaft Frankfurts lebt, ist generationsübergreifend bekannt: durch das Buch von Johanna Spyri, durch die japanische Zeichentrickserie aus den 1970ern, durch diverse Realfilme, die die Handlung mitunter in die Gegenwart verlegen. Für die Inszenierung auf der Waldbühne versprechen die Macher aber Wiedererkennungswert. Judith Röser sieht in „Heidi“ zeitlose Fragen behandelt: „Was ist Heimat? Wie ist es, in eine andere Kultur zu kommen? Wie gehe ich mit Heimweh um?“ Die Geschichte zeige eine heile Welt, dies aber mit Tiefgang.

Noch ist offen, welche der beiden existierenden Musicalfassungen zu sehen sein wird. Das Premierendatum hingegen steht schon fest: der 16. Juni 2019, drei Wochen nach der ersten Aufführung des geistlichen Stücks „Anatevka“ (ein Bericht hierzu folgt).

Workshop zum Start

Bis dahin gibt es für Judith Röser und ihr Ensemble eine Menge zu tun: Einem Workshop zum gegenseitigen Kennenlernen folgen die Rollenbesetzung sowie erste Lese- und Gesangsproben, ehe im Februar oder März die Außenproben beginnen. Bei den Choreografien wird ihr Irina Kempel zur Seite stehen, die schon in der Ära Edelmann für die Tanzschritte verantwortlich zeichnete. Außerdem gilt es, das Skript dergestalt zu überarbeiten, dass ungefähr 60 Darsteller mitwirken können.

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht die Regisseurin darin, das Bühnengeschehen so zu lenken, dass die Zuschauer im Wortsinn die ganze Breite wahrnehmen. Sie will „weg vom Fernseh-Effekt“. Es gelte, die Energie von der Bühne ins Publikum zu tragen – bis zu den hintersten Zuschauerreihen.


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