Saalbetrieb hat geschlossen Früheres Gasthaus Lähdener Hof wird Zentrum für Gesundheit

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Über die künftige Nutzung des Lähdener Hofs informiert seit Kurzem eine Tafel an der Eingangstür: Hier soll in den nächsten Monaten ein Gesundheitszentrum eingerichtet werden. Foto: Martin ReinholzÜber die künftige Nutzung des Lähdener Hofs informiert seit Kurzem eine Tafel an der Eingangstür: Hier soll in den nächsten Monaten ein Gesundheitszentrum eingerichtet werden. Foto: Martin Reinholz

Lähden. Der Lähdener Hof, bisher ein Hotel und Restaurant mit Saalbetrieb, ist seit Anfang September geschlossen. Das Gebäude in der Ortsmitte von Lähden wird in Zukunft ein Gesundheitszentrum beherbergen.

„Nach fast fünf Jahren hier in Lähden habe ich mich entschieden, neue Wege zu gehen“, teilte die bisherige Inhaberin des Lähdener Hofs, Martina Henke, auf der Internetseite sowie der Facebookseite des Gastronomiebetriebs mit. „Ich bedanke mich für die schöne Zeit hier im Lähdener Hof und wünsche allen Gästen und Freunden des Hauses alles Gute, und vielleicht sehen wir uns in einer anderen Lokalität wieder.“ Nachfragen unserer Redaktion nach Hintergründen zu dieser Entscheidung blieben unbeantwortet.

Besitzer des Lähdener Hofs ist das Unternehmen ASP Projektsteuerung. Dessen Sprecherin Andrea Wemhoff erklärte auf Anfrage, man habe seit Ende 2017, als bekannt wurde, dass die Wirtin den auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängern wollte, „intensiv versucht, einen neuen Pächter zu finden. Aber es ist ja ein offenes Geheimnis, dass das nicht ganz einfach ist.“ So seien bundesweit Annoncen geschaltet worden; zudem habe es Gespräche mit Brauereien gegeben. All das, sagte Wemhoff, sei letztlich erfolglos geblieben. „Deshalb sind wir froh, dass wir das Gesundheitszentrum gewinnen konnten.“

Inhaberin der künftigen Einrichtung wird Christa Gödiker sein, die bereits in Haselünne eine Praxis für Naturheilverfahren betreibt. Die Eröffnung ist für Januar 2019 anvisiert.

Aushängeschild verloren

Das Hotel und Restaurant Lähdener Hof war der letzte Gastronomiebetrieb mit Saal im Ortsteil Lähden. Hier fanden nicht nur Familienfeiern statt, auch für Vereinstreffen und politische Versammlungen boten die Räume Platz. Und die Punkrockband Civil Courage feierte hier 2017 mit einem Konzert ihr 25-jähriges Bestehen.

Gemeindedirektor Ludwig Pleus nannte das Ende des Lokals gegenüber unserer Redaktion „fatal für Lähden mit seinen 1700 Einwohnern“. Große Feiern im Ortsteil seien zwar nach wie vor möglich, etwa im Jugendzentrum, aber ohne gastronomische Bewirtung.

„Es tut uns Leid, dass wir ein Aushängeschild verlieren“, bedauerte Lähdens Bürgermeister Franz Strüwing. Politik und Verwaltung der Gemeinde seien bestrebt gewesen, eine Nachfolgelösung zu finden: „Wir haben uns eingeklinkt und uns um potenzielle Pächter bemüht. Zu dem erhofften Übergang ist es aber nicht gekommen.“ Am Ende habe sich der Eigentümer für eine andere Nutzung entschieden. Man könne angesichts der Entwicklung keinen Schuldigen benennen, so der Bürgermeister: „Es sind wirtschaftliche Entscheidungen, die man akzeptieren muss.“

Suche geht weiter

Aus Strüwings Sicht ist das Aus des Lähdener Hofs umso bitterer, weil erst Anfang 2018 mit der Gaststätte Winkeler ein weiterer Gastronomiebetrieb mit Saal seine Türen geschlossen hatte: Damit sind binnen eines Dreivierteljahrs zwei Säle für je mehr als 200 Gäste weggefallen.

„Die Großgemeinde Lähden hat jetzt noch zwei Gaststätten mit Saal, eine in Holte, eine in Ahmsen. Aber im Ortsteil ist einiges verloren gegangen“, sagt Strüwing, der mit Blick auf die Gastronomie auch positive Beispiele sieht, namentlich das Hofcafé Vesperdeele in Herßum. Mit einem Ende der Saalbetrieb-Ära in der Ortschaft Lähden will sich der Bürgermeister trotz der jüngsten Entwicklungen nicht abfinden: „Wir werden weiter bemüht sein, woanders im Ort eine neue Gastronomie anzusiedeln.“

„Was bleibt, ist das Warten auf den Gast“

Die Schließung des letzten Saalbetriebs im Ortsteil Lähden lasse sich symptomatisch für die Entwicklung der dörflichen Gastronomie in der Region sehen, sagt Dieter Westerkamp vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Westerkamp ist Geschäftsführer des Dehoga-Bezirksverbands Osnabrück, zu dem auch das Emsland und die Grafschaft Bentheim zählen. „Wir verlieren jedes Jahr etwa 15 Prozent unserer Mitglieder, und 14 Prozent kommen neu hinzu“, sagt er. Während die Verluste aber zum Großteil im ländlichen Raum passierten, entstünden neue Gaststätten fast durchweg in urbanen Gebieten, zu denen der Dehoga-Vertreter neben Osnabrück Städte wie Lingen, Meppen und Papenburg rechnet.

Laut Westerkamp schließen Gaststätten, weil sie keinen Gewinn abwerfen, sich kein Nachfolger findet oder die Betreiber einen anderen Job übernehmen. Meist gebe die wirtschaftliche Situation den Ausschlag: „Von den 20 000 Betrieben in Niedersachsen erwirtschaften 15 000 nicht einmal die Netto-Umsatzgrenze von 250 000 Euro.“ Viele Gaststätten werden nach Westerkamps Worten von älteren Gastronomen geführt, deren Häuser abbezahlt sind. Sobald sie in den Ruhestand gehen, stehen ihre Kinder – sofern sie übernehmen wollen – oder potenzielle Pächter oft vor hohen Investitionsstaus. „Das macht es schwierig, Nachfolger zu finden“, sagt Westerkamp.

Schwierige Lage

Das Gästeverhalten trage vielfach, gerade auf dem Land, zur schwierigen Lage bei: „Viele gehen lieber in städtischen Gebieten feiern, weil sie dort mehr Möglichkeiten sehen.“ Doch auch die in zahlreichen Orten entstandenen Dorfgemeinschaftshäuser hätten den Nebeneffekt, dass seltener in den klassischen Saalbetrieben gefeiert werde. „Was bleibt, ist das Warten auf den Gast – und das rechnet sich nicht.“ In manchen Orten würden Gasthäuser von den Kommunen gekauft und verpachtet; hier und da übernähmen die Gemeinden sogar die Verluste der Gastwirtschaften, nur um die Lokale zu erhalten.

Hinzu komme das Ringen um personellen Nachwuchs, wobei Westerkamp diesen Faktor bei den ländlichen Gaststätten nicht überbewerten will: „Das ist ein generelles Problem der Gastronomie.“ In anderen Bereichen des Handwerks sei es ähnlich schwer, freie Ausbildungsplätze zu besetzen.


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