Die Ästhetik des Ruhestands Kunstausstellung „Alles nur geklaut“ in Herzlake

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Herzlake. „Alles nur geklaut“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Gemälden zweier Künstler aus der Samtgemeinde Herzlake, die nun im Rathaus zu besichtigen ist. Die Werkschau enthält Exponate unterschiedlicher Stile – und eine Fülle an Farben.

Bärbel Bodenstab und Paul Löffler-Eiffler haben so manches gemeinsam. Beide sind Anfang 70 und im Ruhestand, beide zogen erst vor ungefähr einem Jahrzehnt ins Emsland – sie nach Herzlake, er nach Holte-Lastrup. Und beide widmen sich mit Begeisterung der Malerei, wobei die Ästhetik dessen, was sie auf die Leinwand bringen, breit gefächert ist und sich bei diversen stilistischen Vorbildern bedient.

Dann gibt es da noch eine Parallele, sie ist räumlicher und zeitlicher Natur: 65 Werke – 30 von Bodenstab, 35 von Löffler-Eiffler – sind ab jetzt fast fünf Monate in den Fluren und im Treppenhaus des Herzlaker Rathauses ausgestellt. „Wir haben die ganze Bude mit Farben vollgeknallt“, kommentierte Löffler-Eiffler lässig während der Vernissage. Tatsächlich: Monochrom ist hier gar nichts, kunterbunt umso mehr.

Ankläge an Franz Marc

Regelmäßigen Ausstellungsbesuchern in der Region könnte Bärbel Bodenstab schon ein Begriff sein, schließlich präsentierte sie ihr Schaffen schon in Lingen und Bersenbrück, beim Kunstforum Waldbühne Ahmsen und 2014 auch bereits im Herzlaker Rathaus. Ihre Arbeitsweise folge keinem festen Schema, sagt sie: „Manchmal male ich wochenlang nichts, dann wieder drei Bilder in einer Woche, wenn es mich überkommt.“

Ihr Lieblingskünstler ist Lyonel Feininger, „aber den male ich nicht nach, der ist zu gut“. Franz Marc hingegen interpretiere sie gerne, was bei mehreren der in Herzlake präsentierten Werke unverkennbar ist. Neben Tieren – etwa Füchsen, mit kubistischen Anklängen dargestellt – porträtiert Bodenstab Landschaften und Menschen. Ein Selbstporträt zeigt die Künstlerin in jüngeren Jahren.

Verwurzelung in der Realität

Löffler-Eiffler ist pensionierter Gesamtschulrektor, der aus Passion musiziert und sich mit Überzeugung in der Kommunalpolitik (als SPD-Abgeordneter im Lähdener Gemeinderat) betätigt. Der bildenden Kunst widmet er sich ebenso begeistert – und was in den vergangenen Jahren im Atelier auf dem Dachboden entstanden ist, wird nun ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Der Autodidakt springt dabei munter zwischen (im weitesten Sinne) Im- und Expressionismus hin und her. Mal ist der von ihm „hochgeschätzte Claude Monet“ unverkennbar, mal scheint es einem von der Leinwand „Van Gogh!“ entgegenzurufen. Charakteristisch ist die Verwurzelung in der Realität: „Ich male nichts, das in meinem Kopf entstanden ist“, sagt der Künstler mit Verweis auf den Ausstellungstitel. Den Surrealismus lässt er links liegen, greift dafür die Vorlagen anderer Künstler oder real existierende Motive auf, etwa den Canale Grande in Venedig oder die Wassermühle in Stavern.

Musikalisch untermalt wurde die Ausstellungseröffnung von Paul Löffler-Eiffler selbst, unterstützt von Familienmitgliedern und Freunden, mit der Vinnerin Anna Schröer als Leadsängerin. Dass zur Setlist auch der Prinzen-Song „Alles nur geklaut“ zählte, war logisch.


Die Ausstellung kann bis zum 10. Januar 2019 im Rathaus Herzlake besichtigt werden. Öffnungszeiten: montags bis mittwochs 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, donnerstags 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, freitags 8.30 bis 12.30 Uhr.

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