Rüde aus Tötungsstation im Tierheim Für Wolf gehaltener Hund in Holte-Lastrup gefangen

Von Carola Alge


Lähden. Der von mehreren Bürgern zunächst für einen Wolf gehaltene, seit Wochen durch Holte-Lastrup laufende, ursprünglich aus einer Tötungsstation stammende Hund Sunrise ist gefangen.

Wie berichtet hatte ein Video den Beweis gebracht, dass es sich bei dem Vierbeiner um einen Hund handelt, der im ostfriesischen Friedeburg entlaufen war. Dorthin war der 60 Zentimeter große Schäfermix-Rüde vom Verein Arche Noah Transilvania e. V. im Mai vermittelt worden. Der Verein unterstützt ein Partnertierheim in Rumänien. Dort wurde Sunrise aus einer Tötungsstation geholt. Nur etwa zwei bis drei Tage nach seiner Vermittlung nach Friedeburg büxte er am 12. Mai 2018 bei seiner neuen Familie durch die offene Haustür aus.

Einfangversuche scheiterten

Einfangversuche scheiterten. Der Vierbeiner lief ins 35 Kilometer entfernte Esens, wo er als „Wolf“ bei Jägern, Presse, Polizei und Anwohnern für einige Unruhe sorgte. Er hielt sich dort nur im Wald auf. An eingerichtete Futterstellen kam er, anders als gehofft, nicht. Es wird vermutet, dass er sich vom Abfall des in der Nähe befindlichen Internatsgymnasiums ernährte. Bis zum Beginn der Ferien. Mit Ausbleiben der Schüler und damit seiner offensichtlichen Nahrungsgeber verschwand der Rüde.

Eine neue Spur von dem etwa sieben bis acht Jahre alten Rüden gab es nicht. Bis zur Publikation eines Videos, das in Holte-Lastrup gemacht wurde und belegt, dass es sich bei dem im Ort herum laufenden, bis dahin unbekannten Vierbeiner nicht um einen Wolf, sondern um Sunrise handelt. Von Esens hierher legte er etwa 160 Kilometer zurück.

Video gibt Aufschluss

Mitglieder des Vereins Arche Noah Transilvania und andere User wurden durch die Veröffentlichung des Videos auf der Internetseite der Meppener Tagespost aufmerksam. Auf der Sequenz, die ein Holte-Lastruper filmte, erkannte im Laufe auch Katja Korthenkamp von der Arche den rumänischen Hund. Ein Mitglied eines Sicherungsteams aus Ostfriesland, das um Hilfe gebeten wurde, war zeitnah vor Ort, sah sich alle Sichtungspunkte an, sprach mit Anwohnern, Jägern sowie Bürgermeister Ludwig Pleus und richteten Futterstellen ein. Über die wurde versucht, an den sehr scheuen und ängstlichen Rüden heranzukommen.

Leben lang durchgeschlagen

Das gestaltete sich jedoch äußerst schwierig. Sunrise war es sein Leben lang gewohnt, sich durchzuschlagen, und witterte oft die Gefahr, die für ihn von Fallen an den Futterstellen ausging. „Eine fiel tatsächlich zu, aber sie war leer. Ein Blick auf die Kameras brachte die Ernüchterung, dass die Falle eine Sekunde zu spät verriegelte. Es war eine Sekunde, die für Sunrise reichte., um nicht hineinzutappen“, erzählt eine der Helferinnen der Hundesuchhilfe Ostfriesland. „Die Nerven lagen blank, die Enttäuschung war groß. Es hätte so einfach sein können“, schildert sie ihre Gefühle jenes Tages.

Von der Hundehilfe NiNo e.V. wurde kurze Zeit später eine andere Falle ausgeliehen, nachdem Sunrise wieder zuverlässig angefüttert war. „Aber als schlauer ‚Wolf‘ roch er den Braten natürlich und zeigte uns die Mittelkralle.“ Die Zeit drängte. Die Helfer wollten nicht noch einmal die Spur des Hundes verlieren. Es wurde ein Experte, Pet-Trailer Frank Weisskirchen, hinzugezogen, um Sunrise mittels Distanznarkose zu sichern.

Erfolg in der Nacht

Der hatte die Tage zuvor zwar die Futterstelle aufgesucht, fraß aber nicht mehr viel. Die Helfer schoben das zunächst auf die extreme Hitze der vergangenen Tage. Was sie zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Ein Anwohner, dem der Hund leidtat, fütterte ihn an anderer Stelle. Sunrise führte Streckenposten und Weisskirchen erneut an der Nase herum. Die störende Futterstelle des Holte-Lastrupers wurde geräumt. In der Nacht von Freitag auf Samstag führte die Aktion dann zum so lang erhofften Erfolg. Die Streckenposten hatten ab 20 Uhr Lauerposition bezogen. Um 3.17 Uhr konnte Sunrise mit einem Schuss narkotisiert und später zur Untersuchung zum Tierarzt gebracht werden.

Sunrise hat Bärenhunger

Happyend für den Vierbeiner, der sich jetzt zunächst in einem Tierheim in Ostfriesland befindet. Genannt werden möchte es nicht, da es befürchtet, dass Besucher den „Wolf“ sehen wollen. Sunrise solle sich erst mal erholen. „Er darf sich nun in Ruhe erholen, und wenn es ihm besser geht, wird in aller Ruhe von dem Tierheim ein neues Zuhause für ihn gesucht“, so eine Helferin gegenüber unserer Redaktion. Der Rüde kuschele begeistert, wedele mit dem Schwanz, sei neugierig und scheine froh über die Sicherung zu sein. „Dazu hat er einen Bärenhunger“. Das Fell habe etwas gelitten, die Pfoten seien leicht lädiert. Der erste Tierarztcheck habe insgesamt aber ein erfreuliches Ergebnis zum Zustand des Ausreißers ergeben.

Die Helfer sind über den guten Ausgang sehr glücklich. Und sie sind dankbar. „Ohne die Wahnsinnsarbeit vieler freiwilliger Helfer, Vereine, Personen, die Sichtungen durchgaben, Flyerhelfer und Behörden wäre das nicht möglich gewesen“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN