Mehr als 100 Gäste „Kino im Moor“ Herzlake zeigt sehenswerte Tragikomödie

Von Martin Reinholz

Mehr als 100 Gäste nutzten die Gelegenheit, die französische Tragikomödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ im Rahmen eines besonderen Ambientes im „Kino im Moor“ am Torfwerk Hahnenmoor zu sehen. Foto: Martin ReinholzMehr als 100 Gäste nutzten die Gelegenheit, die französische Tragikomödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ im Rahmen eines besonderen Ambientes im „Kino im Moor“ am Torfwerk Hahnenmoor zu sehen. Foto: Martin Reinholz

Herzlake. Der Verein Torfwerk Hahnenmoor hat im Rahmen ihrer Reihe „Kino im Moor“ die französische Tragikomödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ („Létudiante et Monsieur Henri“) gezeigt. Mehr als 100 Gäste nutzten das einmalige Ambiente am Herzlaker Torfwerk, um die tiefsinnige, melancholische mit durchaus ernsten Hintergründen und Bezügen gespickte Komödie zu sehen.

Bedenken bei den Verantwortlichen des Torfwerks-Vereins löste zunächst die Tatsache aus, dass der gezeigte Film gerade vor nicht ganz zwei Wochen im Rahmen einer „Sommer-Kino“-Reihe im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen war, wo er mit 3,48 Millionen Zuschauern das Sender-Normalniveau toppte. Eine vor Filmbeginn durchgeführte Abfrage des Vereinsvorsitzenden Dieter Pixa, wer denn den Film gesehen habe, zeigte jedoch, dass niemand unter den Gästen dabei war.

Zentrale Figuren der Komödie sind der grantige Witwer Henri (Claude Brasseur), sein Sohn Paul (Guillaume de Tonquèdec) und die junge Studentin Constance (Noèmie Schmidt). Unter massiver Prüfungsangst leidend und bestimmt von Versagensängsten entflieht Constance, nachdem sie gerade zum fünften Mal durch die Führerscheinprüfung gefallen ist, der Provinz und will nach Paris, um dort ihr Glück zu suchen. Da sie über wenig finanzielle Ressourcen und Sicherheiten verfügt, kommt sie als Untermieterin bei dem kauzigen Rentner Monsieur Henri unter, der mit seiner Schildkröte in einer Pariser Altbauwohnung lebt. Sein Sohn Paul, der bei der Vermittlung nicht untätig war, hofft so, dass eine junge Mitbewohnerin etwas auf seinen alternden Vater aufpassen kann.

Keine Regeln

Schon die Vereinbarung gewisser Regeln zwischen den zukünftigen Wohngemeinschaftsmitgliedern Constance und Henri bietet eine Fülle an guten und witzigen Dialogen. Als Henri Constance die 20-seitige Hausordnung überreicht, fügt er nur trocken hinzu: „Das ist eine Zusammenfassung“. Prompt kommt es zu Problemen. Die chaotische und immer angebrannte Constance hält sich an keine Regeln. So spielt sie heimlich auf dem Klavier der vor 30 Jahren verstorbenen Ehefrau des Vermieters und klaut zuweilen heimlich die Pantoffeln von Henri. Als ihre Kreditwürdigkeit ebenfalls ein Problem darstellt, schlägt ihr Henri einen Deal vor: Sie soll Paul von seiner Ehefrau Valerie (Frèdèrique Bel) entzweien. Dafür dürfe sie sechs Monate mietfrei wohnen. Verzweifelt nimmt sie das unmoralische Angebot an ...

Sehenswert

Trotz der Tatsache, dass „Frühstück bei Monsieur Henri“ eine Komödie ist, besteht der sehenswerte Film aus tiefsinnigen, melancholischen Momenten mit durchaus ernsten Hintergründen und Bezügen. Der bereits über 80-jährige Claude Brasseur und die Schweizerin Noèmie Schmidt gefallen als gute Protagonisten in ihren Rollen. Regisseur Ivan Calbèrac reiht in dem Film sämtliche Klischees aneinander, die ein Zusammenleben in solch einer „Zwangsgemeinschaft“ von jung und alt hervorbringt. Schließlich zeigt der Film aber auch, dass es Gemeinsamkeiten der Menschen gibt, die am Anfang oder am Ende ihres Lebens stehen.

Der Film debütierte im August 2015 auf dem „Festival du Film Francophone d`Angoulème“ und kam im Oktober 2015 in die französischen Kinos. Das Team des Vereins Torfwerk Hahnenmoor rund um den Vorsitzenden Dieter Pixa verstand es, durch kulinarische Angebote den Kinoabend für die Besucher zu einem schönen Erlebnis zu machen. Das besondere Ambiente der alten Verladehalle des Torfwerks und die einsetzende Dunkelheit nach einem heißen Tag mit aufkommendem frischem Wind machten das „Open-Air-Kino“ zu einem besonderen Erlebnis.


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