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„Wo immer du auch bist“ Haselünne: Inge Zolker zu Gast in der Rathaus-Galerie

Von Helmut Diers | 05.09.2011, 08:55 Uhr

Im Emsland und auch weit darüber hinaus ist Inge Zolker bei Kunstinteressierten keine Unbekannte. Die 1942 in Kappeln an der Schlei geborene Meppenerin stellt bis zum 30. September in der Rathaus-Galerie der Stadt Haselünne Bilder unter dem Thema „Wo immer du auch bist“ aus.

In der Vernissage geriet die stellvertretende Bürgermeisterin Anne-Rose Lübken regelrecht ins Schwärmen, als sie Inge Zolker als „im Rathaus schon lange bekannte Künstlerin mit viel Herzblut zu den Facetten der Kunst“ begrüßte und auf die bereits lange Tradition der Rathaus-Galerie verwies. Die wurde übrigens 1984 vom damaligen Stadtdirektor Heinz Möllering ins Leben gerufen.

„Die ist eine ganz besondere Ausstellung“, sagte Lübken mit Blick auf die bereits verschiedenen Ausstellungen Zolkers in der Stadt und in der Rathaus-Galerie. Mit Vorschusslorbeeren bedachte die Bürgermeisterin Oberstudienrat Jürgen Thom, der die einführenden Worte zur Ausstellung sprechen sollte. Die Vorschusslorbeeren waren mehr als berechtigt.

Thom sezierte sozusagen verbal die Werke der Künstlerin und gab damit den zahlreichen Vernissagegästen einen tiefen Einblick in das Ausstellungsthema und die Intention Zolkers, mit der sie die Bilder und die ausgestellte Skulptur geschaffen hat. Das Ganze dann noch mit ausgewählter klassischer Filmmusik von Paul Verheyen am Klavier dramaturgisch glänzend in Szene gesetzt. „Die Musik passte haargenau zum Thema der Ausstellung“, strahlte die Künstlerin Zufriedenheit zur Dramaturgie pur aus.

Über Jahrzehnte habe Zolker, der von Kindesbeinen an das Malen und Kunstschaffen ein Herzensanliegen ist, ein umfangreiches und immer wieder neu fantasievolles sowie meisterlich gestaltetes Werk den Betrachtern präsentiert. In der aktuellen Ausstellung nimmt Zolker, die zu den Mitbegründern des Meppener Kunstkreises 1978 gehört und zehn Jahre lang die Malgruppe „Prisma“ organisatorisch leitete, den Besucher mit in ihre „sehr persönlich gefüllten künstlerischen Werke“.

Reise durch die Zeit

Thom weiter: „Sie nimmt uns alle mit auf eine lange Reise durch die Zeit, zu den Wurzeln ihrer Existenz zurückreichend, auf eine Suche, die dem unbekannten Vater nachspürt, ausgelöscht im Chaos des Zweiten Weltkrieges bereits als Kriegsgefangener, in eine Lebensgeschichte hinein, wie sie viele erfahren haben, die jedoch aber auch ganz individuell und einzigartig geprägt ist.“ Was Thom dann ausführte, machte schon fast glauben, er selbst sei bei der gedanklichen Umsetzung und Gestaltung der Werke hautnah dabei gewesen. So sagte er, dass die Signalfarbe Rot in den Bildern einen Blickfang schaffe. Rot signalisiere hier nicht Gefahr, sondern weise ganz besonders auf die Suche Zolkers „nach Beziehung und Nähe zu einer geliebten, wenn auch unbekannten Person, zum Vater der Künstlerin, geht, den sie wegen der Wirren des Zweiten Weltkrieges niemals kennenlernen konnte, der aber in ihren Genen lebt und mit dem sie durch Erinnerungen und Erzählungen stets verbunden gewesen ist“. Die Farbe Schwarz stehe in starkem Kontrast zum Rot. „Die Distanz zum Vater gebiert Trauer, hierfür steht die Farbe Schwarz.“

Während das Erdgeschoss der Rathaus-Galerie „die dramatische Entwicklung der erfahrenen Trennung (dominierende dunkle Farbstrukturen)“ und die „Überwindung der Trennung (rote Farbstrukturen) mit den Bildern symbolisiere, sei, so Thom, im Obergeschoss der Weg der „Findung“ „in großer künstlerischer Vielfalt“ gestaltet. Dieser sei „in sich stringent verlaufend angelegt und durch die Reihenfolge der Kunstwerke nachvollziehbar“.