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„Wärme und Atmosphäre“ Sozialministerin Rundt eröffnet Haselünner Tagesklinik

Von Carola Alge | 12.02.2015, 18:31 Uhr

Seit Januar werden bereits die ersten Patienten in der neuen gerontopsychiatrischen Tagesklinik betreut. Am Donnerstag wurde die Einrichtung am Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals, einzige ihrer Art in Niedersachsen, im Beisein von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) offiziell eröffnet. Die zeigte sich von dem 1,6 Millionen Euro teuren Bau angetan; „Hier herrscht eine wertschätzende und angenehme, eine extrem positive Atmosphäre.“

Die Segnung der neuen Räumlichkeiten nahm Generalvikar Theo Paul gemeinsam mit dem Haselünner Pfarrer Johannes Bartke vor. Für ihn ist die Heilung der Kranken neben der Verkündigung des Evangeliums „das wichtigste Zeugnis Jesu vom anbrechenden Reich Gottes“. In der neuen Tagesklinik seien Sehen und Hören besonders gefragt. „Man wird gesehen, man wird ernst genommen, einem wird zugehört. Sehen und Hören sind Voraussetzung, um geheilt zu werden“, betonte der Geistliche.

Der Generalvikar wünschte sich, die neue Einrichtung möge „ein Ort heilender Präsenz im Herzen einer verwundeten Welt sein.“ Ein Ort, an dem die Hilfesuchenden und Kranken ihre Würde, ihre Kostbarkeit und Einmaligkeit erlebten. Der Tag dieser Einweihung rufe uns in Erinnerung: „Die Kranken gehören in Haselünne in die Mitte der Stadt. Nicht am Rande, sondern in der Mitte sind sie anzutreffen. Wir können von ihnen für unser Leben sehr viel lernen.“

Angebot schließt wichtige Lücke

Mit dem neuen Angebot in der Gerontopsychiatrie wird für Sozialministerin Cornelia Rundt eine Lücke geschlossen und wichtige professionelle Hilfe für ältere Menschen angeboten. Es sei therapeutisch notwendig und sinnvoll, Menschen, die beispielsweise unter Depressionen und Ängsten litten, auch tagesklinisch mit einer speziell auf ihre Symptomatik zugeschnittenen Therapie an einem Ort zu behandeln. Idealerweise finde dabei – wie in Haselünne – eine enge Verzahnung mit der somatischen Medizin statt.

Der kontinuierliche Ausbau von ambulanten, teilstationären und stationären Behandlungsangeboten in Niedersachsen habe zu einer deutlichen Verbesserung in der Behandlung und Betreuung psychisch Kranker geführt. Dennoch bleibe bei ihrer Versorgung auch künftig viel zu tun.

Depressionen

In der EU würden heute fast 50 Millionen Bürger an psychischen Störungen leiden. Das seien mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. In vielen EU-Mitgliedstaaten seien Depressionen sogar das am weitesten verbreitete Gesundheitsproblem und gehörten damit zu den häufigsten Erkrankungen.

Dieser Herausforderung werde man sich stellen müssen. Das niedersächsische Sozialministerium habe deshalb ein Psychiatriekonzept zur Versorgungsstruktur und Entwicklung der stationären Krankenhausversorgung entwickelt. Im November dieses Jahres soll der Entwurf des Landespsychiatrieplans den niedersächsischen Fachgremien und Verbänden für eine mögliche Stellungnahme zugeleitet werden. Der endgültige Landespsychiatrieplan werde im Februar 2016 vorliegen.

Die tagesklinischen Behandlungsangebote bezeichnete die Sozialdemokratin als „entscheidenden Baustein der Versorgung“. Nachdrücklich warnte die Ministerin davor, Patienten mit psychischen Erkrankungen „in eine falsche Schublade zu stecken“. Der Grat zwischen dem sogenannten normalen Leben und dem einer psychiatrischen Erkrankung sei sehr schmal. Jedem von uns könne es passieren, durch einen Schicksalsschlag selbst einer solchen Behandlung zu bedürfen. Den in Haselünne betreuten Patienten wünschte sie, „dass eine Behandlung möglichst vielen von ihnen ein Leben im gewohnten Umfeld bei positiver Entwicklung für ihre Gesundheit ermöglicht“.

Von der Gestaltung der Tagesklinik zeigte sich stellvertretende Landrätin Margret Berentzen angetan. Es sei ein lichtdurchflutetes Gebäude entstanden, „das viel Wärme und Atmosphäre ausstrahlt“. Gepaart mit hervorragenden Therapiemöglichkeiten, sei die Einrichtung in jeder Hinsicht eine „wertvolle Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot im Bereich der Psychiatrie hier am St.-Vinzenz-Hospital.“

Qualitätssprung

Das Krankenhaus habe sich mit seinem Vollversorgungsauftrag für das Emsland im Bereich der Psychiatrie seit der Gründung der Abteilung im Jahr 1996 kontinuierlich weiterentwickelt. Dank sagte Berentzen in dem Zusammenhang dem Land Niedersachsen, das die stattliche Summe von 1,6 Millionen Euro für den Bau dieser Tagesklinik zur Verfügung gestellt hat. Aber auch der Landkreis Emsland habe schon einiges investiert, um den Standort Haselünne im Bereich der Psychiatrie und der Inneren zu festigen und zu sichern.

Mit der neuen Einrichtung habe das St.-Vinzenz-Hospital „einen weiteren Qualitätssprung vollzogen und ist seinem Anspruch, eine moderne, gut ausgestattete Einrichtung zu sein, die für die Herausforderungen der Zukunft bestens aufgestellt ist, einen weiteren Schritt näher gekommen.“

Tagesklinik wichtiger Mosaikstein

Als einen kleinen, aber sehr wichtigen Mosaikstein im Angebot des St.-Vinzenz-Hospitals bezeichnete Klaus Schütte die Tagesklinik. Der Dank des Kuratoriumsvorsitzenden des Haselünner Krankenhauses galt unter anderem Planern und Handwerkern. Sie alle hätten hervorragende Arbeit geleistet und dann in kürzester Zeit die Pläne in ein konkretes Bauwerk umgesetzt.

Bürgermeister mit Entwicklung des Krankenhauses zufrieden

Bürgermeister Werner Schräer zeigte sich sehr zufrieden mit der Entwicklung des Krankenhauses „mitten in der Stadt, mitten in der Bevölkerung und nahe an der Hase, wo man zur Ruhe kommen kann“. Hier habe sich eine hervorragende Gesundheitsschiene entwickelt. Die sei ausbaubar. „Schauen Sie sich vor der Heimfahrt noch einmal auf dem Gelände um und nehmen Sie sie mit nach Hannover, dass sich hier weitere Investitionen lohnen.“ Die Tagesklinik jedenfalls gliedere sich hervorragend in das Stadtbild ein.

Marius Houchangnia , Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, bezeichnete die Tagesklinik als „wichtigen Mosaikstein für die Gesundheitsregion Emsland, aber auch das gesamte Land, denn eine vergleichbare Einrichtung gebe es bisher nicht. In Haselünne starte ein wichtiges und spannendes Pilotprojekt, „das nicht auf den Erfahrungen anderer Häuser aufbauen kann“.