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Vier Millionen Euro Kosten Haselünner Kläranlage wird erweitert

Von Carola Alge | 08.01.2015, 17:01 Uhr

Die Stadt Haselünne rüstet ihre Kläranlage um. Umfangreiche Erweiterungen werden dazu durchgeführt. Annähernd vier Millionen Euro werden in die Maßnahme auf dem Areal an den Hammer Tannen investiert. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitung und Voruntersuchung laufen jetzt die Arbeiten.

Anlass für die Investitionsmaßnahme sind die derzeit fast ausgeschöpfte Leistungsgrenze der Kläranlage und die Einleitung von nährstoffreichem aufwendig zu behandelndem Abwasser. „Aufgrund der prognostizierten zusätzlichen Abwassermengen bzw. -frachten war es erforderlich, ein in die Zukunft gerichtetes Gesamtkonzept für die Kläranlage aufzustellen, um die Weiterentwicklung ansässiger gewerblicher Betriebe zu gewährleisten, Reserve-Kapazitäten vorzuhalten und um die gesetzlichen Einleitwerte gesichert einzuhalten“, so Bürgermeister Werner Schräer im Gespräch mit unserer Redaktion .

Bereits im vergangenen Jahr hat die Stadt Haselünne auf ihrer Kläranlage die mechanische Vorreinigung (Rechenanlage, Rechengutwaschpresse und Sandwäscher) erneuert ( wir berichteten ). Nun will sie die Möglichkeiten der Energiegewinnung für den Eigenbedarf aus den Abwasserinhaltsstoffen (Biogaserzeugung) nach heutigem technischen Standard unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte ausschöpfen und umsetzen. Um dafür ein hoch effektives Verfahren einzusetzen, wurde ein Fachbüro damit beauftragt, ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept für die Kläranlage zu erstellen – unter Berücksichtigung der Aspekte Abwasserproblematik, Gewässerschutz und Nutzung von alternativen Energiemöglichkeiten.

Nach umfangreichen Untersuchungen und der Abwägung von vier Varianten fiel die Entscheidung für den Bau einer anaeroben Vorbehandlungsanlage im Schwachlastverfahren mit dem Bau einer Blockheizkraftwerk-Anlage zur Energieeinsparung. Bei diesem Verfahren werden, erläutert Bauamtsleiter Martin Pohlmann, die Abwasser (Jahreseinleitmenge 2014: 575000 Kubikmeter von allen Haushalten und Betrieben) in einem Misch- und Ausgleichsbecken gesammelt und und einem 15 Meter hohen Abwasserreaktor mit einem Fassungsvolumen von 1800 Kubikmetern zugeführt. In diesem Reaktor werden die Schmutzfrachten in einem bis zu drei Wochen dauernden Faulprozess abgebaut und gleichzeitig Biogas gewonnen. Das Prozesswasser aus dem Reaktor wird über Lamellenabscheider der Kläranlage zugeführt und dort abschließend gereinigt.

Neben dem sogenannten Anaerobreaktor und dem Misch- und Ausgleichsbecken ist ein Gasspeicher und der Neubau eines Technikgebäudes vorgesehen. Außerdem soll die mechanische Reinigungsstufe der Kläranlage durch Optimierung der Rechenanlage, der Rechengutpresse und des Sandklassierers verbessert werden. „Durch diese Maßnahmen werden die im Abwasser enthaltenen organischen Bestandteile größtenteils ausgewaschen. Sie stehen dann den weiteren Reinigungsprozess zur Verfügung“, so Schräer.

Die Erdarbeiten für den Bau der Anlage sind abgeschlossen. Das Betriebsleitergebäude befindet sich zurzeit im Rohbau. Mit der Umsetzung der Vorbehandlungsanlage und der Anlagentechnik soll in Kürze begonnen werden.

Mit dem Erweiterungsbau, der aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Landkreis Emsland mit etwa 850000 Euro bezuschusst wird, sieht sich die Stadt Haselünne nach Einschätzung ihres Bürgermeisters „dank des Einsatzes innovativer Technik für das nächste Jahrzehnt gerüstet und gut aufgestellt“.