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Unser Adventskalender – achtes Türchen Energie aus Abwasser – moderne Technik in der Kläranlage Haselünne

Von Markus Pöhlking | 08.12.2016, 07:30 Uhr

Etwas Abwasser und ein paar Klärbecken war vorgestern: Heutige Abwasserreinigungsanlagen sind komplexe technische Systeme. Hinter der achten Tür unseres Adventskalenders liegt das Klärwerk in Haselünne – eine moderne Anlage, die sich via Abwasser quasi energieautark macht.

Ihr aktuelles Erscheinungsbild erhielt die Kläranlage in Haselünne erst seit diesem Jahr. Für insgesamt 4,2 Millionen Euro wurde die Anlage im Gewerbegebiet Hammer Tannen erweitert. Ein technisches Herzstück der Anlage ist die Vorbehandlungsanlage. In ihr wird Abwasser gewissermaßen in Energie verwandelt. Grundlage des Prozesses sind sehr fett- und zuckerhaltige Abwasserzuflüsse, die überwiegend der in Haselünne ansässigen Lebensmittelindustrie entspringen. Aufgrund seiner Beschaffenheit kann dieses Wasser nicht ohne Weiteres in den normalen Klärprozess geleitet werden, da es Schwimmschlamm bildet, der den Reinigungsprozess behindert.

Automatischer Prozess

In der Vorbehandlungsanlage werden dem Wasser genau diese Stoffe entzogen. Den Prozess, der für diese Verwandlung zuständig ist, erläutert Timo Giese, der Betriebsleiter der Kläranlage: „Das fettige Abwasser wird zunächst gespeichert, dann wird sein pH-Wert gemessen. Je nach Resultat wird dem Wasser Lauge zugeführt, um die Säure zu neutralisieren.“

Messung und Laugenzuführung funktionieren vollautomatisch. Das entsprechend behandelte Wasser wird anschließend einem sogenannten Anaerobreaktor zugeführt – der knapp 15 Meter hohe Turm charakteristisch für das Gebäude. In dem Reaktor verbleibt das Wasser drei Wochen bei einer konstanten Temperatur von 37 Grad. „Während dieser Zeit und unter diesen Bedingungen gast das Wasser aus“, erklärt Giese. Das vom Gas befreite Wasser, nach Gieses Worten eine „tiefschwarze Brühe“, wird daraufhin dem Regelklärbetrieb zugeführt, das Gas der Energiegewinnung: In einem großen Behälter wird es zunächst zwischengespeichert. Ihm kommt damit eine Art Pufferfunktion zu: „Durch eingelagertes Gas können wir Schwankungen vermeiden und eine konstante Zufuhr gewährleisten“, beschreibt Giese. (Weiterlesen: Unser Adventskalender führt auf die Kuppel des Domes in Haren)

50 Kilowattstunden für Eigenbetrieb

Mit der Energie des Gases, das den Speicher verlässt, wird dann letztlich ein Gasmotor betrieben. Der erzeugt eine Leistung von 50 Kilowattstunden, womit die Kläranlage ihren Bedarf fast komplett decken kann. „Ziel ist es, die Kläranlage mit der hier erzeugten Energie autark betreiben zu können“, sagt Giese. Aktuell klappe das noch nicht zu hundert Prozent, da sich verschiedene Prozesse noch einspielen müssten - „aber wenn das System richtig läuft, trägt sich die Kläranlage in Sachen Energie selbst.“