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Umfrage am Markt Haselünner Innenstadt autofrei? Bürgermeinung gespalten

12.01.2016, 13:01 Uhr

Der Marktplatz in Haselünne ist ein gemütlicher kleiner, von Läden gesäumter Stadtkern mit Kopfsteinpflaster. Auch Autos dürfen hier durchfahren. Andere Städte in der Umgebung, wie beispielsweise Haren, haben den Sommer über ihre Innenstädte für Autos gesperrt. Wir haben Passanten und Geschäftsinhaber befragt: Sollte der Haselünner Markt im Sommer für Autos gesperrt werden?

Schnell wird klar: Es ist ein heikles Thema, bei dem es bei den Bürgern zwei klare Meinungen gibt: Entweder dafür oder dagegen. Kaum jemandem ist diese Frage egal. Auf der einen Seite stehen die Bürger, auf der anderen die Geschäftsleute, sodass es während der Befragung sogar zu Diskussionen kommt.

Eine 49-jährige Haselünnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, findet die Idee einer autofreien Stadtmitte sehr gut. „Dann kann man gemütlich in der Eisdiele sitzen und auch mal die Kinder laufen lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass etwas passiert.“ Ein autofreier Markt sei auf jeden Fall schöner.

Caféinhaber will Bewegung auf der Straße

Der Inhaber eines Cafés, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, hört die Antwort der Frau und mischt sich ein: „Der Markt sollte auf keinen Fall für Autos gesperrt werden. Dann stirbt die Stadt aus. Bewegung ist Leben.“ Als Beispiel berichtet er von seinen Cafés. Eines davon sei weniger besucht gewesen, weil es in einer ruhigeren Straße lag. „Die Leute wollen was sehen“, betont er. Er befürchtet einen Einbruch der Einnahmen von 25 Prozent, wenn der Markt gesperrt würde. „Auf Kinder muss immer geachtet werden. Das macht keinen Unterschied.“ Er schlägt stattdessen eine Einbahnstraße ohne Parkbuchten vor. Zudem müsse das Pflaster weg, da unter anderem Senioren darauf schlecht laufen könnten.

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So wie er sehen das die meisten Geschäftsinhaber rund um den Marktplatz. Viele wollen ihre Namen nicht nennen, da sie durch ihre Läden im Fokus der Öffentlichkeit seien. Sie möchten sich nicht dem Risiko von Anfeindungen oder Kundenverlusten aussetzen, indem sie öffentlich ihre Meinung preisgeben. Privat stehen viele der Geschäftsinhaber einer Sperrung wohlgesonnen gegenüber, doch aus geschäftlicher Sicht sind sich alle einig: Wenn der Markt für Autos gesperrt ist, stirbt Haselünne irgendwann aus.

Umsatzeinbruch von 40 Prozent?

Annelie Dauskardt und Christel Schnakenberg, beide 56 Jahre alt, erzählen, was Geschäftsinhaber sagen. „Wenn der Markt gesperrt wird, kommen die Leute nicht mehr. Die sind es gewohnt ihre Taschen vom Geschäft direkt ins Auto zu stellen. Keiner möchte weit schleppen.“ Die beiden rechnen sogar mit einem Rückgang der Einnahmen um 40 Prozent. „Es fehlen viele kleine Geschäfte. Die Leute fahren lieber nach Meppen.“

Die Geschäftsinhaber sind sich einig: die Leute sind faul und möchten am liebsten bis an den Laden fahren. Die Streckenführung rund um den Markt gebe eine Sperrung nicht her. Derzeit fahre jeder über den Markt. Ein oft genanntes Beispiel ist die Woche vor dem Weihnachtsmarkt, wenn für den Aufbau gesperrt sei. Dann könne man schon merken, dass weniger Leute kämen.

Eine Sperrung sei an Wochenenden nur mit Aktionen machbar, ist eine genannte Meinung.

Kunden oft zu bequem

Viele Bürger sehen das Thema von der anderen Seite. Sie brauchen sich schließlich keine Gedanken über Kunden machen. Der 32-jährige Silvio Kramer befürwortet eine Sperrung. „Es sollte immer gesperrt werden. Die Autofahrer nehmen keine Rücksicht auf Fußgänger. Kaum einer fährt Schrittgeschwindigkeit. Außerdem parken alle wie sie wollen, aus Bequemlichkeit.“

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Auch andere, die nicht namentlich genannt werden möchten, bemängeln die Rücksichtslosigkeit einiger Autofahrer. „Man kommt kaum über die Straße“, berichtet eine 57-jährige Haselünnerin. Ohne Autos sei das Sitzen vor den Eiscafes angenehmer.

Der 77-jährige Hans Günter Van de Bürie aus Holte-Lastrup besucht selber oft den Markt und fände eine Sperrung „nicht schlecht“.

Die Befragung zeigt: Viele Bürger würden sich über eine ruhigere Innenstadt freuen. Auf der anderen Seite fürchten die Ladeninhaber Schaden für ihr Geschäft und ein schrittweises Aussterben der Innenstadt.