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Psychische Krise als Chance Film „Plan B“ von Andrea Rothenburg in Meppen

15.10.2015, 11:05 Uhr

Menschen mit psychischen Erkrankungen wird oft mit Vorurteilen begegnet. Der neue Film von Andrea Rothenberg zeigt drei starke Frauen, die an der Auseinandersetzung mit ihren psychischen Problemen gewachsen sind. Am 2. und 3. November 2015 lädt das St.-Vinzenz-Hospital aus Haselünne um 19 Uhr dazu ein, den Film „Plan B. Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ in den Germania Lichtspielen in Meppen zu schauen.

Manu B. muss verarbeiten, dass sie im Krankenhaus von einem Krankenpfleger betäubt und missbraucht wurde. Heike Korthals erkrankte als junge Mutter und bekam Psychosen. Maike Nordmann litt als Kind an Depressionen. Diese holten sie später wieder ein. Die Berliner Regisseurin Andrea Rothenburg zeigt in ihrem Interviewfilm die Porträts dreier Frauen aus dem Psychiatrischen Krankenhaus in Rickling. Als Tochter eines Psychiaters verbrachte sie als Kind viel Zeit in der Psychiatrie bei ihrem Vater.

Aus Stigmatisierung holen

Ihr ist es ein Anliegen, psychiatrieerfahrene Menschen aus der Stigmatisierung zu holen. „Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen. Das Eis, auf dem alle Menschen gehen, ist sehr dünn und das Thema außerordentlich wichtig“, sagt Rothenburg, „ein Schicksalsschlag zum Beispiel kann einen Menschen schneller in die Psychiatrie bringen, als sich viele vorstellen.“

Erkrankungen reflektieren

Ihr Film „Plan B. Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ zeigt, wie die drei Protagonistinnen ihre Erkrankungen reflektieren und daraus ihren eigenen Mehrwert ziehen, dass sie am „Plan A“ gescheitert sind. Damit machen sie gleichzeitig Betroffenen Mut. Durch die authentisch gezeigten Frauen berührt der Film, ohne Mitleid zu erzeugen, und bietet die Grundlage für die anschließende Podiumsdiskussion in dem Meppener Filmhaus Germania Lichtspiele. Moderiert von der Regisseurin werden Experten aus dem Emsland wie Chefarzt Dr. Marius H. Houchangnia , Oberarzt Dr. Alfred Fischer, Psychotherapeutin Annika Schulte und Kunsttherapeutin Anke Keuter der Psychiatrie und Psychotherapie des Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals sowie zwei Betroffene ins Gespräch kommen.

Berliner Regisseurin

Das St.-Vinzenz-Hospital hat die Berliner Regisseurin nun zum zweiten Mal nach Meppen eingeladen, um den Menschen im Emsland ihre Filme zu zeigen. Anke Keuter zeigt sich sehr begeistert von der Filmarbeit Rothenburgs: „Ihr geht es vor allem darum, die Menschen in der Gesellschaft der Selbstoptimierer und Leistungsbringer sichtbar zu machen, ihnen und ihrer Geschichte Raum zu geben. Als ich ihren ersten Film gesehen habe, ‚Alfred und CO.‘, hat es mich beeindruckt, wie viel Sympathie für jeden einzelnen mitschwingt.“ Dass Menschen mit psychischen Erkrankungen schnell in eine Schublade gesteckt werden, hat ihrer Meinung nach viel mit Ängsten zu tun. „Auch im Emsland höre ich noch oft genug, wie groß die Scham ist, Patient in psychiatrischer Behandlung zu sein“, sagt die Kunsttherapeutin und macht deutlich: „Das ist keine Schande, sondern der Versuch, Hilfe zu bekommen.“

Viele Informationen

Nach ihrer Einschätzung können die Zuschauer durch den Film viele Informationen über psychische Erkrankungen, deren Behandlung und Impulse zu eigenen Lösungswegen bekommen. „Darauf bezieht sich schließlich der neue Film: was ist, wenn Plan A nicht funktioniert?“

Dokumentarfilm

Um 17 Uhr wird außerdem Rothenburgs Film „Tiefdruckgebiete“ gezeigt. In diesem Dokumentarfilm geht es um eine Frau, die kurz nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben wurde, stets unter dieser Trennung litt, Alkohol missbrauchte, sich selbst verletzte. Nach mehreren ambulanten und stationären Therapien bekam sie schließlich die Diagnose Borderline. Als sie die Malerei für sich entdeckte und auf einer Spezialstation für Menschen mit einer Borderline-Erkrankung therapiert wurde, zeigten sich ihr plötzlich neue Horizonte.