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Institutsambulanz PIA Pychiatrische Versorgung unter neuem Dach in Haselünne

Von Carola Alge | 02.11.2016, 09:05 Uhr

Der Rohbau wächst. Für annähernd eine Million Euro entsteht derzeit unweit des St.-Vinzenz-Hopitals in der Molkereistraße Haselünne in Nachbarschaft der Psychiatrischen Allgemeinpsychiatrischen PTK die Psychiatrische Institutsambulanz PIA.

Das Erdgeschoss steht, auf das erste Geschoss des Klinkerbaus wird in den nächsten Tagen die Decke aufgebracht. Das Dachgeschoss wird zurückliegend errichtet und mit weitläufiger Glasfront und Flachdach versehen. Außerdem erhält es eine Terrasse. Die Fertigstellung des Neubaus ist für Sommer 2017 geplant.

Menschen mit seelischen Erkrankungen

Bei der PIA handelt es sich um ein ambulantes Angebot der St.-Vinzenz-Hospital-Haselünne-GmbH für Menschen mit seelischen Erkrankungen, die in der Regel wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung ein besonderes Behandlungsangebot brauchen „Dieses Angebot zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Behandlung in einem multiprofessionellen Team erfolgen kann“, so Dr. Andreas Wilms, Psychiater und Psychotherapeut des Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals.

Mehrere Fachärzte

Zum Team der hauptamtlichen Mitarbeiter der PIA in Haselünne gehören mehreren Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologische Psychotherapeuten, eine Gesundheitspflegerin für Psychiatrische Pflege sowie eine Sozialarbeiterin. Verstärkt wird es durch eine Kauffrau im Gesundheitswesen und eine Medizinische Fachangestellte, die das Sekretariat leiten.

Behandlungsabläufe optimieren

Das Angebot der Psychiatrischen Institutsambulanzen soll sich nach Angaben von Verwaltungsdirektor Walter Borker entsprechend der gesetzlichen Rahmenbedingungen an Kranke richten, „die von anderen Versorgungsangeboten nur unzureichend erreicht werden“. Die Psychiatrische Institutsambulanz soll es unter anderem ermöglichen, Krankenhausaufnahmen zu vermeiden oder stationäre Behandlungszeiten zu verkürzen und Behandlungsabläufe zu optimieren, um dadurch die soziale Integration der Kranken zu stabilisieren.

Versorgungssystem

Wilms und Borker sehen die PIA als „unverzichtbaren Bestandteil des psychiatrischen Versorgungssystems“. Sie ergänze das Versorgungsangebot niedergelassener Nervenärzte, wolle es aber nicht ersetzen. Die Psychiatrischen Institutsambulanzen sollen Angebote für spezielle Patientengruppen vorhalten und unterstützen die ambulante psychiatrische Regelversorgung bei Versorgungslücken im Bereich der niedergelassenen Nervenärzte.

Um diesen Aufgaben nachzukommen, plant das St.-Vinzenz-Hospital nun einen Neubau, um die baulichen Voraussetzungen für diese Aufgabe zu schaffen bzw. zu verbessern. Die bisherigen in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten, die sich im Bereich der ehemaligen Bettenstation St. Elisabeth befinden, sind sowohl für die Patienten als auch für die Mitarbeiter unzureichend. Erforderliche Standards zum Beispiel im Bereich der Hygiene, Brandschutz und der Barrierefreiheit für körperlich eingeschränkte Patienten seien nicht gegeben. „Die hohe Schalldurchlässigkeit der Therapieräume kann nicht die gewünschte Wahrung der Privatsphäre gewährleisten“, betont Wilms. Der Wartebereich sei viel zu klein und wirke dadurch eher stressfördernd, als dass er eine stressreduzierende Atmosphäre schaffen könne. Deshalb habe der Bischöfliche Stuhl in Osnabrück einem Neubau zur Verbesserung der ambulanten Versorgung psychisch Kranker im Emsland am St.-Vinzenz-Hospital zugestimmt. Überwiegend werden hier, so der Verwaltungsdirektor, „in einer enormen Kraftanstrengung Eigenmittel des Krankenhauses verwendet, da eine Förderung durch Landesmittel, wie sie im stationären Bereich existieren, nicht vorgesehen ist“.

Medikationszimmer

In der neuen PIA gibt es einen großzügigen Wartebereich, Sekretariat, zehn Einzeltherapieräume, sanitäre Einrichtungen, einen Sozialraum für die Mitarbeiter sowie ein Untersuchungs- und Medikationszimmer. Dies dient nach Angaben von Wilms zum Beispiel für das Verabreichen von sogenannten Depot-Medikamenten. Eine separat durch eine Seitentür erreichbare kleine Substitutionsambulanz mit Ausgabebereich für Drogenersatzstoffe wie Methadon, deren zeitliche Inbetriebnahme jedoch noch nicht feststeht, ist ebenfalls vorgesehen.

Ambulante Gruppenangebote

Da die neue PIA direkt an die bestehende Allgemeinpsychiatrische Tagesklinik an der Molkereistraße angebaut wird, kann durch Nutzung des bestehenden Fahrstuhls der Tagesklinik die Barrierefreiheit im dreigeschossigen Neubau gewährleistet werden. Derzeit werde nur ein schwer erreichbarer Gruppenraum vorgehalten. Im Neubau entstehen zwei große ansprechende, helle Gruppenräume, die multifunktional nutzbar sind. Hier soll die notwendige Erweiterung der ambulanten Gruppenangebote umgesetzt werden, durch die auch Angebote der stationären Behandlung fortgesetzt werden können, um die Patienten aus der stationären Behandlung schneller und auch mit mehr Unterstützung in ihre häusliche Umgebung entlassen zu können.

Dabei möchte die PIA, wie Wilms betont, „auch die jüngsten Entwicklungen des stationären Bereiches zu einer umfassenderen, ganzheitlichen, wertschätzenden, psychiatrisch und psychotherapeutischen Behandlung der Patienten mittels störungsspezifischer Behandlungsangeboten unterstützen“.

Notfallversorgung

Ein weiteres Angebot der PIA stellt die unmittelbare ambulante Notfallversorgung von akut behandlungsbedürftigen Kranken dar, die aufgrund der hohen Inanspruchnahme unseres stationären Angebotes noch auf eine stationäre Aufnahme warten müssen. Außerhalb der regulären Dienstzeiten gewährleistet der ärztliche Bereitschaftsdienst der Hauptabteilung den psychiatrischen Notfalldienst.

Zudem arbeiten alle Ärzte und Psychologen des stationären Bereiches und der beiden Tageskliniken zusätzlich in der ambulanten Versorgung der Patienten mit. So kann zum Beispiel eine positive Behandlungskontinuität geschaffen werden.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter der PIA sind seit April 2016 unter eigener ärztlicher Leitung und Verantwortung durch Andreas Wilms gestellt. Dagegen bleibt der Bereich der ambulanten Behandlung durch die hauptsächlich voll- und teilstationär tätigen Ärzte und Psychologen im Verantwortungsbereich des Chefarztes der Hauptabteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Gregory Hecht.