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In fünfter Generation 150 Jahre Modehaus Schröder in Haselünne

Von Helmut Diers | 27.09.2016, 10:31 Uhr

Als 1866 Elise und Theodor Flerlage in der Neustadtstraße 12 in Haselünne ein Textilgeschäft mit einer Gemischtwarenabteilung eröffneten, haben sie nicht ahnen können, dass daraus 150 Jahre später das heute weithin bekannte Modehaus Schröder am Markt 14 wird.

„Damals hat noch keiner an Schröder gedacht“, sagt rückblickend Hubert Schröder, der 2006 die Geschäftsführung an Christina Heckmann, geborene Schröder und Werner Heckmann weiterreichte. Heute wird das große Modehaus Schröder bereits in der fünften Generation in Familienhand geführt und hat sich „zu einem Modehaus mit Tradition, mit Leidenschaft, trendbewusst und stets am Puls der Zeit“ entwickelt, wie es Werner Heckmann formuliert.

97 Mitarbeiter

Es beschäftigt am Standort Haselünne 97 Mitarbeiter und hat seit 1973 insgesamt 62 junge Menschen als Einzelhandelskaufmann, als Verkäufer oder Bürokaufmann ausgebildet. „Zurzeit haben wir drei Auszubildende im Verkauf. Die Ausbildung war und ist uns auch in Zukunft wichtig“, stellt Heckmann fest. Die Aussage wird auch durch die Industrie- und Handelskammer Osnabrück/Emsland bestätigt, die das Modehaus Schröder 2015 als „IHK-TOP Ausbildungsbetrieb“ zertifizierte. Allein acht Mitarbeiter können die Ausbildereignung vorweisen.

Jubiläum als Ansporn

Das Jubiläum „150 Jahre Schröder“ ist für die geschäftsführenden Gesellschafter Christina und Werner Heckmann Ansporn zugleich, weiterhin besonders Wert auf Kundenfreundlichkeit und –zufriedenheit zu legen. Seit 2014 führt das Modehaus ein Zertifikat „Generationenfreundliches Einkaufen“ des Handelsverbandes Niedersachsen und Bremen. „Im Betrieb achten wir besonders auf Barrierefreiheit und behindertengerechte Einrichtungen“, sagt Werner Heckmann und verweist darauf, dass das Modehaus Schröder Gründungsmitglied und –stifter der „Emsländischen Stiftung Berufe und Familien“ ist. „Sie ist uns immer ein wichtiges Anliegen“, betonen Werner und Christina Heckmann.

Geschäftsgründer Theodor Flerlage

Barrierefreiheit oder Generationen freundliches Einkaufen, daran wird der aus Quakenbrück-Hengelage stammende Geschäftsgründer Theodor Flerlage 1866 nicht gedacht haben. Da Theodor Flerlage schon früh verstarb, hat Elise Flerlage lange Jahre das Geschäft allein verwaltet. Hubert Schröder zieht heute noch seinen Hut von der Energieleistung seiner Urgroßmutter Elise Flerlage. Sie trat die Geschäftsverantwortung 1891 an ihre Tochter Helene Schröder, geborene Flerlage und ihren Ehemann Gerhard Schröder ab. „Vermutlich am Tag ihrer Hochzeit am 4. August 1891. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen“, erklärt Hubert Schröder. „Mein Opa Gerhard Schröder kam gebürtig aus Mettingen und ist hier eingeheiratet. Er war gelernter Textilkaufmann“.

Großvater war eine Institution

Wenn Hubert Schröder von seinem Großvater spricht, glänzen seine Augen. „Opa hat den Laden richtig auf Schwung gebracht. Er war in Haselünne und um zu ein Begriff, eine Institution“. Gerhard Schröder hielt es geschäftlich nicht nur in Haselünne. „Mein Opa hat mit dem Fahrrad die umliegenden Dörfer aufgesucht, dort Stoffe anhand eines heute noch existierenden Musterbuches verkauft und anschließend die Stoffe auch mit dem Fahrrad ausgeliefert“. Mit der Heirat der Großeltern wurde das Geschäft von Flerlage in „Manufactur & Modewaren, Colonial und Porzellanwaren Gerhard Schröder“ umbenannt. 1922 übernahmen in dritter Generation Maria, geborene Grotemeyer aus Mettingen, und Josef Schröder, Eltern des heutigen Senior Hubert Schröder, nach ihrer Heirat am 21. Juni das Geschäft an der Neustadtstraße. „Meine Eltern haben nur schlechte Zeiten erlebt“, erinnert sich Hubert Schröder und zählt dazu die deutsche Inflationszeit von 1914 bis November 1923 sowie die Zeit des II. Weltkrieges auf. Aus der Ehe von Maria und Josef Schröder gingen acht Kinder hervor. Hubert Schröder ist das sechste der acht Kinder.

180 Quadratmeter Ladenfläche

Nach der Mittleren Reife an der Haselünner Mittelschule im Jahr 1953 erlernte Hubert Schröder bis 1957 den Beruf eines Kaufmanns im Einzelhandel im westfälischen Borghorst. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss sammelte er Berufserfahrungen im Textilhaus Kolck in Lübbecke. Nach dem frühen Tod seines Vaters Josef am 12. Mai 1953 trat Schröder zum 1. September 1957 im Alter von 20 Jahren als Angestellter seiner Mutter ins Geschäft Schröder ein. „Die Ladenfläche betrug damals 180 Quadratmeter“, erinnert sich Schröder. „Wir hatten kein Auto. Alle Wege mussten mit dem Fahrrad erledigt werden. Zu der Zeit waren meine Mutter, zwei meiner Schwestern, eine Putzmacherin sowie ein Auszubildender im Geschäft“.

Werbesolgan: „Ein Bett von Schröder – ein gutes Bett“

Schmunzelnd denkt Hubert Schröder an seinen ersten Werbeslogan in der Meppener Tagespost zurück: „Ein Bett von Schröder – ein gutes Bett“. Dem jungen Kaufmann gelang dank einer hervorragenden Nachbarschaft in der Neustadtstraße ein guter Start ins Berufsleben des elterlichen Geschäfts. „Die Nachbarschaft zählt auch noch heute“, dankt Hubert Schröder ganz besonders der Familie Heydt für ihre tatkräftige Hilfe, auch in der Zeit, als seine Mutter das Geschäft allein verwaltete.

Erweiterung 1960

1960 stand im Hause Schröder eine Erweiterung der Geschäftsfläche an, um eine neue Bettfedernreinigungsmaschine aufstellen zu können. Genau erinnert sich Hubert Schröder an das Jahr 1966. „Mit einem Jubiläumsverkauf feierten wir unser 100-jähriges Bestehen. Mit einem großen Stofftransparent über die Neustadtstraße, damals noch Hauptverkehrsstraße Haselünnes , machten wir auf das Jubiläum aufmerksam. Wir waren damals die ersten Geschäftsleute, die Waren auf Verkaufstischen auf dem Bürgersteig ausgelegt haben. Die Polizei stoppte allerdings schnell den Bürgersteigverkauf. Das sprach sich wie ein Lauffeuer in Haselünne rum. Mehr Werbung als durch den Polizeieinsatz hätten wir gar nicht bekommen können“, muss nicht nur Schröder heute noch schmunzeln.

Suche nach neuem Standort

Nur ein Jahr später heiratete Hubert Schröder Edda Rosche, 1969 wurde Tochter Christina, 1973 Tochter Anja geboren. Die Geschäftsräume an der Neustadtstraße entsprachen nicht mehr den Erfordernissen. Auf der Suche nach einem neuen Standort wurden einige Objekte in der Korn- und Hansestadt ins Visier genommen, aber auch schnell wieder wegen Nichtrealisierbarkeit wieder verworfen. Am 1. Januar 1971 kauften Hubert und Edda Schröder das Hotel Brand, ehemals Dreesmann, das am heutigen Standort stand. Nach ausgiebiger Planungsphase fiel das Hotel der Abrissbirne am 9. Januar 1973 zum Opfer. An gleicher Stelle wurde 1973 am 3. Oktober das 700 Quadratmeter große Modehaus Schröder eröffnet, das im Untergeschoss einen Penny-Markt und an der Ecke Neustadtstraße/Markt das Eiscafé Franz Egger als Mieter beherbergte. Beide Einrichtungen waren damals schon Mieter im Hotel Brand.

Herrenabteilung aufgebaut

Mit der Neueröffnung des Modehauses musste auch ein neuer Slogan her. „Mode am Markt-Schröder Haselünne“ lockte ab Oktober 1973 die Kunden zu Schröder. Die konnten sich jetzt über ein umfangreich erweitertes Angebot mit Damenoberbekleidung, Wäsche, Kinderkleidung, Gardinen, Betten und Herrenartikel freuen. 1980 verließ der Penny-Markt das Untergeschoss des Modehauses. Hubert und Edda Schröder bauten darin eine ganz neue Herrenabteilung auf und übertrugen damals dem 21-jährigen Kaufmann Helmut Többen die Abteilungsleitung. Többen verwaltet die Abteilung heute noch.

Eiscafé im Erdgeschoss

1983 hatte das Modehaus Schröder die Möglichkeit, das Nachbarhaus eines Josef Meyer an der Neustadtstraße zu erwerben. Im Erdgeschoss war Platz für ein neues Eiscafè, im Obergeschoss für eine Wohnung. Werner Heckmann sagt heute: „Hubert Schröder hatte immer eine Vision. Zuerst wollte er von der Neustadtstraße an den Markt und dann führend in Haselünne werden“. Das war Schröder nach der Erweiterung. Ein neuer Slogan musste kommen. „Schröder führend in Haselünne/Emsland“ hieß es von 1984 an. Die Geschäftserweiterung konnte die Seniorchefin Maria Schröder nicht ganz miterleben. „Meine Mutter verstarb am 2. Februar 1984“, erinnert sich Hubert Schröder.

1991 Erweiterung

1991 stand eine weitere Erweiterung des Modehauses mit einem zentralen Treppenhaus und einem gläsernen Fahrstuhl auf der Agenda. Die Verkaufsfläche erfuhr dabei eine erhebliche Ausdehnung und es entstand eine große Tischdeckenabteilung. Zwei Jahre später schlossen Christina Schröder und Werner Heckmann den Bund fürs Leben. Sie bilden die fünfte Generation des Familienunternehmens. Aus der Ehe stammen zwei Kinder – Tobias (1995) und Sandra (1997).

Großer Anbau

Nur vier Jahre nach der großen Verkaufsflächenerweiterung zog das Modehaus Schröder gemeinsam mit der Stadt die große Parkplatzerweiterung in der Plessewiese durch. Im gleichen Jahr wurden die Verwaltungen des Modehauses Schröder und der Firma Heckmann (Schuhe) in der Neustadtstraße im Hause Schröder zusammengelegt. „Das bot sich einfach aus Rationalisierungsgründen an“, bemerkt Werner Heckmann dazu. Die nächste Baumaßnahme ließ nicht lange auf sich warten. In den Jahren 1999 und 2000 erfolgte ein großer Anbau mit drei Giebelhäusern zum Rathaus hin. „Die Verkaufsfläche wurde dadurch von 2400 Quadratmetern auf über 4000 Quadratmeter fest verdoppelt“, weiß Werner Heckmann. Gleichzeitig wurde das Schuhhaus Heckmann von der Neustadtstraße in das Modehaus Schröder verlegt. Ebenso bezog im Haus Schröder das Blumenatelier Fischer neue Räumlichkeiten.

Neuer Giebel zur Plesse hin

Den bisher letzten Bauabschnitt nahm das Modehaus 2006 vor. Das Gebäude erhielt zur Südseite zur Plesse hin einen neuen Giebel. Mit dem Südgiebel wurde die Verkaufsfläche des Modehauses noch einmal um rund 1000 Quadratmeter aufgestockt. Natürlich musste, nachdem man die Führung in Haselünne im Textil- und Modebereich längst erreicht hatte, ein neuer Werbeslogan her. Da bot sich einfach eine Erweiterung des alten Slogans an: „Schröder zieht das Emsland an!“ Seit 2006 liegt die Geschäftsführung des Modehauses Schröder ganz in den Händen von Christina und Werner Heckmann als geschäftsführende Gesellschafter. Damit war der Übergang von der vierten zur fünften Generation des Modehauses vollzogen.

Viel Unternehmergeist

Gemeinsam schauen die beiden Generationen mit viel Unternehmergeist in die Zukunft. „Die Digitalisierung des Geschäftes ist für uns eine große Aufgabe“, bemerken Werner und Christina Heckmann, da der Internethandel dem Haus sehr zu schaffen mache. Dennoch schaue man nach vorn. In diesem Jahr wird das Modehaus Schröder mit einer neuen Weihnachtsbeleuchtung in neuem Glanz zur Weihnachtszeit erstrahlen.

Nächste Baumaßnahme steht an

Und die nächste Baumaßnahme steht an. Dort, wo bis vor wenigen Monaten das Eiscafè Primavera untergebracht war, wird durch verschiedene Umbaumaßnahmen der Eingang zum Modehaus verändert und die momentan noch leer stehenden Räume des ehemaligen Eiscafés maßgerecht für den neuen Mieter, der Parfümerie Pieper, umgebaut.