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Handwerk schulen Haselünner Oberschüler bauen Riesen-Panflöte für Schulhof

08.12.2015, 07:17 Uhr

Ab sofort jeden Donnerstag um 14 Uhr tauschen sechs Schüler der Bödiker-Oberschule in Haselünne Schulbank gegen Werkbank. Für jeweils zwei Schulstunden sind sie bei der Heinrich Voss Gebäudetechnik GmbH zu Gast, um dort handwerkliche Praxiserfahrung zu sammeln. Laut Pressemitteilung werden sie unter fachkundiger Anleitung von zwei „Un-Ruheständlern“ eine überdimensionale Panflöte aus Leitungsrohren für ihren Schulhof bauen. Bis Ende Februar 2016 wollen sie fertig sein.

Welches Rohr hat den besten Klang? Das graue Abflussrohr aus Kunststoff oder das Trinkwasserrohr aus Edelstahl? Diese Fragen haben sich Obermonteur Bernd Lügering und Senior-Chef Hubert Voss in ihrem langen Arbeitsleben bei der Heinrich Voss Gebäudetechnik GmbH in Haselünne bisher noch nie gestellt. Jetzt aber müssen sie darauf eine Antwort finden, denn in der Generationen-Werkstatt wollen sie zusammen mit sechs Schülern der Bödiker-Oberschule eine Panflöte für ihren Schulhof bauen.

Projekt zum Hörsinn

„Vorbild für diese Idee war der Sinnesgarten am St.-Vinzenz-Hospital in Haselünne “, erklärte Schulsozialarbeiter Ingo Schmit. In der ersten Generationen-Werkstatt beim Haselünner Gebäudetechnik-Unternehmen werde dementsprechend ein Klangelement gebaut. „Wenn das Projekt ein Erfolg wird, können wir später auch noch weitere Elemente bauen, die andere Sinne ansprechen“, sagte Geschäftsführer Christian Voss.

Die sechs Jungs Max Lampe, Julian Hempen, Laurenz Gerdes, Tobias Robben, Jan Krüssel und Dominik Lammers, waren von der Idee begeistert. Beim Fachsimpeln mit ihren Betreuern, Bernd Lügering und Hubert Voss, tauten sie deutlich auf. Welche Länge muss ein Rohr haben, damit ein bestimmter Ton rauskommt? Darf man die Rohre anbohren oder verfälscht das den Klang? Und wie kann man das Klang-Element vor Wind und Wetter auf dem Schulhof schützen? Viele Fragen, die Schüler und „Un-Ruheständler“ in den kommenden Wochen klären werden.

Großes Interesse seitens der Schüler

Die Bödiker-Oberschule arbeitet schon seit Längerem mit dem Gebäudetechnik-Unternehmen zusammen. Zum ersten Mal kooperieren sie jetzt auch beim Projekt Generationen-Werkstatt, das für Jungen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren gedacht ist. „Unsere Schüler haben hier die einmalige Chance, am Wissen der erfahrenen Generation teilzuhaben“, erklärte Schulleiter Thorsten Giertz den Hintergrund des Projekts. Das Interesse der Schüler, an der Generationen-Werkstatt teilzunehmen, sei von Anfang an sehr groß gewesen. Und das, obwohl es sich dabei um ein rein freiwilliges Angebot handelt.

Für Schüler sei die Generationen-Werkstatt eine gute Gelegenheit, um früh herauszufinden, ob eine handwerkliche Arbeit ihnen liegt und gefällt, sagte Lehrerin Ellen Kamphus. Gerade für Schüler, die „nicht den ganz geraden Weg gehen“, ergänzte sie.

 Weiterlesen: Betriebserkundungstag für Schüler der Bödiker Oberschule 

„Die Generationen-Werkstatt ist kein Praktikum, sondern ein generationenübergreifendes Miteinander in einer Werkstatt“, betonte Renate Beineke von der Osnabrücker Ursachenstiftung. Die Handwerkskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim und die vier Kreishandwerkerschaften Osnabrück, Aschendorf-Hümmeling, Emsland Mitte Süd und Grafschaft Bentheim sind Partner und Unterstützer des Projekts.

30 Projekte möglich in 2016

In diesem Jahr fanden fast zwanzig solcher Projekte bei verschiedenen mittelständischen Unternehmen in der Region Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim statt. 2016 sollen es noch mehr werden. „Knapp dreißig Betriebe haben uns bisher zugesagt“, berichtete Beineke. Viele sehen in dieser Form der Nachwuchsförderung ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel.

„Unser Ziel ist es, den Schülern unseren Beruf näher zu bringen“, sagte Voss, denn auch das Haselünner Unternehmen mit den Fachbereichen Heizung, Klima, Sanitär, leide unter Nachwuchssorgen. Obermonteur Lügering, der 46 Jahre lang bei Voss gearbeitet hat, würde seinen Beruf jederzeit wieder ergreifen. „Man ist immer wieder woanders, steht vor immer neuen Aufgaben und arbeitet mit allen anderen Handwerkern auf einer Baustelle eng im Team zusammen“, stellte er heraus. Er freue sich, seine Erfahrung jetzt an die junge Generation weitergeben zu können.