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Fotovergleich 1930 und 2017 Das Dörgener Moor: feuchtes Kleinod aus alter Zeit

Von Tobias Böckermann | 22.06.2017, 17:04 Uhr

Das Dörgener Moor ist eines der ältesten Moor-Naturschutzgebiete Niedersachsens. Vor 90 Jahren präsentierte sich das feuchte Kleinod zwischen Meppen und Haselünne noch als Vogelparadies. Ein Fotovergleich.

Der Münsteraner Fotograf und Museumsdirektor Dr. Hermann Reichling hat vor gut 100 Jahren das Emsland fotografiert. In loser Abfolge zeigen wir seine Fotos und vergleichen sie mit der aktuellen Situation vor Ort. In dieser Folge geht es um das Dörgener Moor, das der Regierungsbezirk Osnabrück im Jahr 1938 als 15,2 Hektar kleine „Vogelfreistätte Dörgener Moor“ unter Schutz gestellt hatte. Schon einige Jahre früher, vermutlich etwa 1925, hatte Museumsdirektor Hermann Reichling das Moor fotografiert. Das genaue Datum ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass er in einer jahrtausendealten Tradition am Ufer eines der drei damals noch drei Moorkolke gestanden hat.

Denn rund 10 bis 11000 Jahre vor ihm hatte sich eine Gruppe steinzeitlicher Jäger am Rande des Dörgener Moores niedergelassen. 1936 entdeckte man die Reste einer Wohngrube, in der zahlreiche Werkzeugreste aus Feuerstein abgelegt worden waren. Vermutlich jagten die Menschen damals Rentiere, eine Wildart, die Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich längst ausgestorben war.

Reichling kam häufiger

Hermann Reichling ahnte von dieser Vorgeschichte noch nichts, als er zwischen dem Beginn der 1920er Jahre und dann immer mal wieder bis 1942, seine schwere Plattenkamera in Stellung brachte, vor allem, um seltene Vögel zu fotografieren. Das Dörgener Moor präsentierte sich damals als Niedermoor, das schon leicht zu verlanden begonnen hatte. Allerdings war die Umgebung der drei Kolke im Gegensatz zu heute offener: Felder, Wiesen und Heide dominierten und boten zahlreichen Brutvogelarten Platz.

So nisteten damals Lachmöwen, sowie Stock- und Krickenten in großer Zahl. Dazu aber auch Raritäten wie die Sumpfohreule und der Wasserläufer. Am 23. Mai 1921 zählte Hermann Reichling zudem 35 Paare der Flussseeschwalbe, eines mittelgroßen Stoßtauchjägers, dessen baldiges Verschwinden aus dem Emsland er damals korrekt voraussagte.

Entwässerung zerstörte

Weil die Entwässerungs- und Umbrucharbeiten schnell voranschritten, verlor auch das Dörgener Moor seine Schutzfunktion großenteils. Immer mehr Wald kam auf, die kleinen Kolke wuchsen zum Teil zu, einer ist heute komplett verlandet.

Im Jahr 2000 wurde das Naturschutzgebiet auf 88 Hektar vergrößert, um Pufferzonen zu schaffen. Weil aber immer noch zu viel Wasser verloren ging, nahm sich die Projektgruppe Naturschutz des Naturschutzbundes Emsland-Mitte der Sache an. Koordiniert von Carsten Marien wurden inzwischen mehrere Entwässerungsgräben angestaut. „Schon nach wenigen Monaten konnten wir einen positiven Effekt erkennen“, sagt Marien. Die Moorwiesen wurden nasser und im Frühjahr blühte wieder das Wiesenschaumkraut. Sumpfcalla und Moorfrosch sind ebenfalls im Moor zu finden, auch der Kranich schaute bereits vorbei.

Außerdem haben die Naturschützer 32 Kopfweiden gepflanzt – als Lebensraum für kommende Generationen von Steinkauz und Fledermaus. Hermann Reichling hätte daran seine Freude gehabt.

TEASER-FOTO: