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Einladung zum Mundraub Haselünner Ratsmitglieder übernehmen Patenschaft für Obstbäume

Von Carola Alge | 06.03.2013, 06:30 Uhr

Zu Weihnachten hatte jedes Haselünner Ratsmitglieder von der Stadt ein besonders Geschenk erhalten: die Patenschaft für einen von 31 Obstbäumen. Sie stehen bereits teilweise in Hamm an der Straße „Lienkolk“, weitere werden noch gepflanzt. Am Dienstag bekam dort jeder Baum eine entsprechende Namensplakette.

Die Stadt Haselünne hat diese Obstbaumpatenschaften verschenkt, um symbolisch die lange nicht mehr beachteten Obstbäume ins Bewusstsein zu rücken. Für finanzielle Patenschaften wie diese bei der Haselünner Ratsallee übernimmt ein Fachmann die Pflege der Obstbäume. Es können aber auch aktive Patenschaften übernommen werden. Hierbei erhält der Obstbaumpate ein Starterkit sowie einen Kurs, in dem er die Pflege eines Obstbaumes erlernt. Einmal im Jahr schaut der Pate dann nach seinem Obstbaum und prüft, ob ein Rückschnitt nötig ist.

In diesem Jahr werden in Haselünne noch einmal 40 Apfelbäume nachgepflanzt, um den Alleencharakter entlang des Hasetalradweges besser herauszuheben. Auch hier werden weitere Obstbaumpaten gesucht. Interessierte können sich beim Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal melden.

Bewusstsein entwickeln

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt ein bundesweites Modellprojekt der Berliner Organisation Terra Concordia und des Zweckverbandes Erholungsgebiet Hasetal, das neue Wege geht, um lokale Obstbaumbestände zu erhalten. Das Projekt „Mundraub im Hasetal“ soll viele Bürger in die Pflege und Nutzung einbinden, damit sie ein stärkeres Bewusstsein für den Wert der Gehölze entwickeln.

Alleen wie die in Hamm und Streuobstwiesen sind eine Herberge für alte Obstsorten und bieten Lebensraum für bis zu 5000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Um die Bestände langfristig zu sichern und die Sortenvielfalt zu stärken, ist das Engagement der Bürger notwendig. Ziel des Projektes ist es deshalb, so Wilhelm Koormann, Geschäftsführer des Zweckverbandes Erholungsgebietes Hasetal, regionale Akteure in Kontakt miteinander zu bringen. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass gesunde Obstbaumbestände sowohl für die Region als auch für jeden Einzelnen ökologisch und ökonomisch gewinnbringend sind.

In Haselünne gibt es entlang des Hasetalradweges 217 Obstbäume auf einer Strecke von etwa 16,5 Kilometern. Fast alle sind Apfelbäume. Dies ist darauf zurückzuführen, dass vor zirka 15 Jahren mit Friedrich Berentzen das Projekt „Bäume statt Schilder“ initiiert worden ist. Bäume wurden seinerzeit als Wegweiser gepflanzt und luden schon damals ganz offiziell zum „Mundraub“ ein.

Ein bisschen stolz zeigte sich Bürgermeister Werner Schräer mit Blick auf die „Ratsallee“ in Hamm. Haselünne sei die einzige hiesige Kommune, deren Rat komplett eine solche Baum-Patenschaft übernehme. In Sachen Rückschnitt der Obstbäume gab er seinen Ratskollegen schmunzelnd einen Tipp mit auf den Weg: „Wer ihn nicht durch einen Fachmann machen lässt, sondern selbst vornehmen will, sollte vorher daheim im Garten üben“.