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Bessere Versorgung im Emsland Neue Chefärztin für Psychosomatik in Haselünne

Von Heiner Harnack | 10.09.2015, 11:48 Uhr

Das St-Vinzenz-Hospital Haselünne hat eine neue Chefärztin für Psychosomatik, Kathleen Hyde. Die Berufung habe eine sehr große Bedeutung, sagt Verwaltungsdirektor Walter Borker, da neben den Abteilungen der Inneren Medizin und Psychiatrie jetzt der dritte Fachbereich für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit 20 Betten geschaffen worden ist.

„Wir haben das Ziel, eine Vollversorgung für das Emsland in diesem Bereich mit großen Schritten zu erreichen“, sagt Borker weiter. Hyde, die zuvor als Oberärztin in Lingen tätig war, erklärt, dass das Fach Psychosomatik bisher nur in Deutschland als eigenständisches klinisches Fach bekannt sei, während es in anderen europäischen Ländern nur den Bereich der Psychiatrie gebe.

Die neue Chefärztin, die neben ihren Facharzttiteln für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie auch den für Innere Medizin trägt, erzählt, dass einer der Schwerpunkte der Bereich der Essstörungen sei, wo man nur Erfolg haben könne, wenn die Beschwerdebilder psychotherapeutisch bearbeitet werden könnten. So käme es zu den „binge-eating-Störungen“, wo Patienten Essanfälle bekämen, danach aber keinen Sport machten oder erbrächen, um das Gewicht zu halten, sagt Hyde. „Es gibt viele Patienten, die unter Angst- und Panikattacken leiden und heimlich angstlösende Medikamente nehmen, sodass sich ganz schnell eine Abhängigkeit entwickelt“, warnt die Medizinerin, die an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studierte, vor einer unkontrollierten Medikamenteneinnahme. Es gebe Substanzen, zum Beispiel in Abführmitteln, Vitaminen oder in Hormonen, die in sehr hoher Dosierung oft missbräuchlich geschluckt würden, um Erfolge zu erzielen. So könne der Fachbereich zum Beispiel auch bei Dialyse-Patienten zum Einsatz kommen, um eine Krankheitsbewältigung durchzuführen, erzählt Kathleen Hyde, die drei Jahre in der Notfallmedizin tätig war. Auch bei Darm- und Magenerkrankungen müsse sehr häufig eine psychotherapeutische Aufarbeitung stattfinden.

Ein weiterer Schwerpunkt solle der Bereich der Tiefenpsychologie sein, in dem die Lebensgeschichte der Patienten aufgearbeitet werde. „Wir arbeiten hier beziehungsorientiert zwischen Therapeut und Patient, was heißt, dass dies beispielhaft gut und besser laufen soll als die Beziehung in der Vergangenheit“, versucht Hyde das weite Feld des Behandlungsspektrums sichtbar zu machen. Ein typisches psychosomatisches Krankheitsbild sei der Tinnitus (Ohrgeräusche), bei dem der Hörsturz zunächst beim HNO-Arzt mit einer Infusionstherapie behandelt würde, die Weiterbehandlung beim Fortbestehen der Geräusche oder wenn der Patient sehr stressempfindlich sei, im St. Vinzenz-Hospital erfolgen werde.

Geschäftsführer Bernd Runde erklärt, dass der Bereich der Psychosomatik zur Profilschärfung des Haselünner Krankenhauses beitragen werde. „Dieses abgerundete Angebot wird sehr schnell angenommen, weil es viele Störungsbilder gibt, die eine psychosomatische Kompetenz erfordern“, so Runde weiter. Beschwerden im Bereich der psychischen Ursachen gebe es immer mehr, sagt die neue Chefärztin, was man an den vielen Krankschreibungen heute sehen könne. Gerade in der Schnelllebigkeit der Arbeitswelt schnellten die Zahlen enorm in die Höhe, bemerken Hyde und Runde unisono.

Im Angebotsbereich der neuen Abteilung stehen Kunst- und Ergotherapien, Entspannungs- und physikalische Therapien, aber auch Angstbewältigungstraining, sowie Schmerzbewältigungsgruppen und Ernährungsberatung. Der Bereich der gerontopsychosomatischen Erkrankungen (bei älteren Menschen, die den Verlust von Angehörigen beklagen müssen, nicht mehr im Berufsleben tätig sind oder den eigenen körperlichen Alterungsprozess nicht verkraften) werde ein weiterer Schwerpunkt sein, erzählt Kathleen Hyde, die zum Abschluss sagt: „Treffen kann das alles jeden Menschen.“