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Am 9. März 2017 in Haselünne Joachim Llambi für Polizei bei Facebook und Co.

Von Carola Alge | 17.02.2017, 17:01 Uhr

Joachim Llambi ist bei der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ bekannt als Juror der markigen Sprüche. Dazu steht er, wie er im Interview sagt. „Wir sind dort ja nicht auf dem Ponyhof“. Äußerst kritisch sieht der gebürtige Duisburger die sozialen Netzwerke und die da stattfindenden mannigfachen Verrisse von Menschen, die weit unter die Gürtellinie gingen. „Eigentlich müsste in so einem Medium eine Polizei walten.“ Facebook und Co. seien eine große Gefahr.

Hart ins Gericht geht Llambi, der am 9. März 2017 bei einer Fashionshow im Modehaus Schröder in Haselünne zu Gast ist, mit Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“. Hier würden junge Mädchen, die einen Traum haben, auf teilweise sehr grenzwertige Weise zur Schau gestellt.

 Herr Llambi, Sie haben sich für unser Interview zeitig am Morgen verabredet. Sind Sie Frühaufsteher? 

Wenn Sie Kinder haben, die in die Schule müssen, bleibt Ihnen nicht viel anderes übrig.

 Wie beginnt für Sie der Tag: Gehören Sie zur Jogger-Fraktion? 

Nee. Was ist das denn? (lacht) Es ist zwar schönes Wetter heute, aber nein. Erst mal werden die Kinder zur Schule gebracht, dann frühstücke ich oder wir, je nachdem, ob meine Frau dann noch im Haus ist, und dann ist, wenn ich mal nicht unterwegs bin, natürlich hier im Büro auch mal Kampf angesagt, um den Schreibtisch etwas leerer zu bekommen.

 Kampf ist ein gutes Stichwort auch mit Blick auf Tanzflächen. Tanzmuffel drücken sich ja gern mit dem Spruch „Ich kann das nicht“ vor einem Tänzchen. Lassen Sie das gelten? 

Das sind diese Hardcore-Nummern. Es hat sich heutzutage aber schon ein bisschen gewandelt. Wenn Sie auf Veranstaltungen gehen, sehen Sie doch viele tanzende Männer. Letztlich ist jeder seines Glückes Schmied: Wenn er die Chance verpassen will, einen netten Abend zu haben, wo er eine glückliche Frau in seinen Armen hält, dann ist jeder selbst daran schuld.

 Was war Ihr schrägstes Erlebnis auf der Tanzfläche? 

Ich hatte einen Auftritt in einem Festzelt. Da waren zwei, die waren wirklich zu wie tausend Eulen und meinten, zeigen zu müssen, was sie halt nicht können. Das endete „Aua“.

 Als Juror bei „Let‘s Dance“ haben Sie es immer wieder auch mit relativ talentfreien Promis zu tun. Nervt das? 

Überhaupt nicht. Ich mache auch sehr viele Workshops in Tanzschulen. Egal, ob Anfänger oder Profi: Mit jedem macht es Spaß – auf unterschiedlicher Ebene. Das eine ist mehr fachlich, das andere mehr animationsmäßig. Das nervt überhaupt nicht. Im Gegenteil. Es macht viel Spaß, sonst würde ich das auch nicht 35 Jahre machen.

 In der Sendung geben Sie den harten Hund. Sind Sie das wirklich? 

In der Sendung und auch sonst bin ich so. Es geht um eine Bewertung von Leuten, die in einem Wettbewerb antreten. Da erwarten sie natürlich auch ein faires Urteil, sonst würden sie sich ja nicht die ganze Woche den Hintern aufreißen und beim Training Vollgas geben, wenn sie dann nur so ein sanftweiches „Toll, toll, toll“ bekommen. Also sind wir lieber etwas strenger, und am Ende gewinnt dann hoffentlich immer der oder die Richtige.

 Gibt es einen Wunschkandidaten, den oder die Sie gern mal an Ihrer Seite in der Jury hätten? 

Die zwei (Motsi Mabuse und Jorge Gonzalez), die wir jetzt mit dabeihaben, haben sich in den den letzten vier Jahren entsprechend bewährt. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander. Jeder hat seine Stärken und Schwächen wie ich auch. Von daher passt das dann schon.

 In der ersten und zweiten Staffel gehörte auch Michael Hull zur Jury. Danach nicht mehr. Hinter den Kulissen hieß es damals, die Chemie hätte zwischen Ihnen und ihm nicht gestimmt ... 

Überhaupt nicht. Anfang Dezember 2016 habe ich mit Michael zusammen den Gala-Ball der Tanzschule Hull moderiert. Wir haben ein hervorragendes Verhältnis zueinander. Es hatte damals andere Gründe. Zum einen hatte „Let’s Dance“ zwei Jahre Pause durch den Moderatorenwechsel von Hape Kerkeling zu Daniel Hartwich . Und zum Zweiten besetzt RTL immer mal wieder gern Jurys um – nicht nur damals bei uns. Es bleiben ein, zwei Konstanten, und ansonsten kommt immer wieder mal jemand Neues dazu. So war das auch mit dem Ausscheiden von Michael.

 Das heißt, Sie haben Michael Hull auch schon in seiner Tanzschule in Osnabrück besucht, kennen Osnabrück? 

Sehr gut. Wir haben einen regelmäßigen Austausch. Wir sind alle zusammen im Tanzsport groß geworden und immer noch sehr mit dem Tanzsport verbunden.

 Von Osnabrück nach Haselünne ist es nicht ganz so weit. Dort sind Sie am 9. März im Modehaus Schröder im Rahmen einer Fashionshow zu Gast. Der Llambi als neuer Mode-Botschafter? 

Was ich dort mache, mache ich bestimmt 30-mal im Jahr deutschlandweit. Es ist eine Fashionshow, bei der das Modehaus natürlich seine Frühjahrs- und Sommerkollektion präsentieren möchte. Ich habe die Ko-Moderation. Hinterher gibt es Autogramme und Gelegenheit zu Selfies.

 Wie wichtig ist Ihnen Mode? 

Sehr wichtig. Das ist ein Teil unseres Lebens und der Persönlichkeit. Natürlich ist das, wie der Tanzsport, etwas frauenlastiger. Aber von daher passt das auch wieder zusammen: Im Tanzsport wird gerade durch die Kleidung sehr viel Mode ausgedrückt.

 Ex-Fußballer Günter Netzer bekannte kürzlich, er habe sich noch nie Garderobe selbst gekauft, lasse das seine Frau machen. 

So sieht der auch manchmal aus (lacht).

 Wenn Ihnen jemand bei Fashionshows und anderen Veranstaltungen mit Kritik begegnet: Können Sie damit umgehen? Wenn Ihnen jemand bei Fashionshows und anderen Veranstaltungen mit Kritik begegnet: Können Sie damit umgehen? 

Erlebe ich äußerst selten. Die Leute gehen meist konform mit dem, was ich mache. Die regen sich zwar ab und zu darüber auf, dass es ein bisschen hart zugeht, aber es ist ja auch kein Ponyhof, den wir da betreiben. Wenn jemand mit Kritik kommt, ist das gar kein Problem. Ich akzeptiere jede andere Meinung, wenn sie sachlich fundiert ist. Einfach nur zu sagen „Das ist Käse“ ist natürlich nicht Sinn der Sache. Kritik muss konstruktiv sein.

 Umgekehrt: Bereuen Sie manchmal Kritik, die Sie an jemandem geübt haben? 

Nein. Natürlich ist man nicht über jede Äußerung glücklich. Aber wenn ich eine Sache so gesehen habe, äußere ich die auch in der Klarheit und Härte, wie sie auch im Fernsehen rüberkommt.

 Die sozialen Medien sind ja eine hervorragende Plattform, auf der ganze Bäder voll respektloser Kritik über welche Menschen auch immer ausgeschüttet werden. Wie gefährlich ist so etwas? 

Solche Plattformen sind sehr gefährlich. Besonders, wenn sie dazu benutzt werden, Verrisse, Missstände unter der Gürtellinie auf einem Niveau auszudrücken, das nicht gut ist. Eigentlich müsste in so einem Medium eine Polizei walten und sagen: Du bist hier raus. Das Problem in den sozialen Netzwerken: Es sind so viele Anonyme unterwegs, die ihren Frust oder was auch immer durch ungehobelte Kommentare ausdrücken. Das ist eine große Gefahr, weil die sozialen Netzwerke ständig wachsen und sie sehr schwer kontrollierbar sind. Das sieht man allein schon an einer großen Company wie Facebook , die sich sehr oft sträubt, irgendwelche Kommentare herauszunehmen, zu ändern oder den betreffenden User zu entfernen.

 Bleiben wir noch kurz bei Kritik. Sie haben einen Kritik-Ratgeber geschrieben: „Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen: Mut zur ehrlichen Kritik“. Darin gehen Sie unter anderem mit Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“ ins Gericht ... 

Solche Shows sind natürlich sehr kritisch zu sehen, weil die Ware Mensch, in dem Fall junge, teilweise noch nicht einmal volljährige Mädchen, zur Schau gestellt werden. Das geschieht teilweise in Einspielfilmen und Berichten in einer sehr grenzwertigen Weise. Das ist bei „Let’s Dance“ anders. Hier ist noch nie jemand beschädigt herausgegangen, weil alle die Branche kennen. Gerade aber bei „Germany’s Next Topmodel“ sind es junge unbedarfte Mädchen, die einen Traum haben und für eine Unterhaltungsshow benutzt werden.

 Wenn Ihre Tochter dort mitmachen wollte ... 

Die würde dort nicht mitmachen.

 Und wenn sie doch ankäme und sagen würde: „Papa ...“ 

Dann kann sie Papa sagen (lacht). Es ist auch Erziehung von unserer Seite her, darauf aufmerksam zu machen, was passiert in solchen Shows. Das haben unsere Töchter schon verstanden.

 Kritisieren will gelernt sein, streiten auch. Kann man mit Ihnen schnell Streit bekommen? 

Ja, wenn es ungerecht wird. Fehler machen wir alle. Aber es muss immer so sein, dass man auf einer vernünftigen Ebene miteinander reden kann. Wenn es dabei in Ungerechtigkeit oder Lügen geht, ist bei mir Schluss mitlustig.

 Mit der Bitte um kurze Antworten: Beim Namen Donald Trump fällt mir ein ... 

Zu viel in den Medien.

 Angela Merkel ... 

Hat Gesetze gebrochen.

 Daniel Hartwich ... 

Hat vom Tanzen keine Ahnung.

 Harald Glööckler ... 

Ein sehr netter Kollege.

 Dieter Bohlen ... 

Eine Marke in Deutschland, die ich sehr beachte.

 Joachim Llambi ... 

Da soll sich jeder sein eigenes Urteil drüber bilden.

 Und zu guter Letzt Ihre Ehefrau Ilona Llambi ... 

Das Beste, was mir im Leben passieren konnte.