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Alte Ansichten Haselünner Autohaus Koopmann Anlaufstelle für viele

Von Carola Alge | 20.06.2016, 15:28 Uhr

Und er läuft und läuft und läuft – dieser Werbeslogan für ein Auto, das die optische Form eines Käfers hatte, traf vor wenigen Jahrzehnten auch im etwas anderen Sinne auf die meisten Haselünner zu.

Man musste laufen oder mit dem Fahrrad fahren, denn nur die wenigsten Haselünner hatten einen eigenen Pkw. Und die wenigen, die einen motorisierten Untersatz besaßen, hüteten diesen natürlich wie den eigenen Augapfel.

Wenige Autohäuser

Die Marketingstrategien großer Autokonzerne waren noch nicht so international und auf wenige und riesige Autohäuser als Erlebniszentrum ausgelegt. Die Hersteller der wenigen auch in Haselünne erhältlichen Marken waren vielmehr froh, Werkstätten zu finden, die ihnen das Geschäft des Verkaufs abnahmen.

Ersatzteile für viele Modelle

Nicht selten machten sich nach dem Krieg technikbegeisterte Freaks daran, eine eigene Kfz-Werkstatt mit angegliederter Tankstelle zu gründen. Computergestützte Warenlager gab es natürlich noch nicht. Der Chef wusste dennoch sehr genau, wo welche Sachen im Regal zu finden waren. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn so viele Ersatzteile gab es noch nicht. Und was nicht passte, wurde eben passend gemacht. Improvisationstalent war gefragt. Schrauben, Schellen, Zündkerzen und Batterien waren ohnehin zumeist oft austauschbar und konnten in viele Fahrzeuge unisono verbaut werden.

5,20 Reichsmark für gebrauchte Stoßstange

Zum Vergleich: Eine gebrauchte Käfer-Stoßstange kostete kurz nach dem Krieg 5,20 Reichsmark. Sie wurde im Verhältnis 10:1 später gegen D-Mark eingetauscht. In heutiger Währung umgerechnet wären das etwa 27 Cent, also durchaus erschwinglich.

Und so nahm „Mann“ auch gerne in Kauf, mal etwas länger als zwei Tage auf seinen fahrbaren Untersatz zu warten. Hauptsache, dieser wurde überhaupt irgendwann einmal fertig.

Technischer Sachverstand

Eine dieser Haselünner Werkstätten befand sich in der Neustadtstraße. FritzKoopmann war schon zu Lebzeiten eine Legende, verstand er es doch, mit nur wenigen Handgriffen, hohem technischen Sachverstand und einem großen Netzwerk an Zulieferern längst schon verloren geglaubte Pkw wieder zum Leben zu erwecken und den Männern in der engen Stadt das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Unabhängigkeit zurückzugeben.

Männerdomäne

Frauen hatten hier zumeist das Nachsehen, denn diese Männerdomäne wurde erst in den 1970er-Jahren aufgeweicht, als viele Frauen endlich den Führerschein machen durften. Ob dieses dem Umstand geschuldet war, von nun an auch die nach einer Feierlichkeit nicht mehr fahrtüchtigen Ehegatten sicher nach Hause fahren zu dürfen, ist nicht bekannt, aber manchmal zu vermuten.

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